Juniorchef des Europaparks ein Querdenker? „Mal was anderes hören“

Offenherzig, aber unvorsichtig: Michael Mack vom Europapark Foto: Europapark

Michael Mack verbreitet Thesen von Querdenkern – und will erst hinterher gemerkt haben, dass er die Ansichten scharf ablehnt. Für den Freizeitpark ist das mehr als pikant.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Es ist vermutlich nicht ganz leicht, der Sohn von Roland Mack zu sein. Mit 72 Jahren prägt der Gründer des Europaparks Rust noch immer das Familienunternehmen. Die nächste Generation muss erst beweisen, dass sie es genauso gut oder sogar besser kann. Michael Mack (43), der ältere von zwei Brüdern, nimmt die „Vater-Sohn-Challenge“ gerne an: Der Wettbewerb der Generationen gehöre zum „Erfolgsmodell“ des Parks, sagte er einmal.

 

Nun dürfte Mack Junior dabei eher Minuspunkte gesammelt haben. Mit einem unbedachten Beitrag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter löste er beträchtlichen Wirbel aus – und musste am Ende kleinlaut zurückrudern. Arglos hatte er einen Podcast des bei „Querdenkern“ beliebten Blogs „Die Achse des Guten“ geteilt. Unter dem Titel „Zornbürger, spaziert!“ diskutierten darin vier Teilnehmer – ein Philosoph, ein Jurist, ein Journalist und ein Ex-SPD-Mann – über den Staat, die Coronapolitik und die Medien. Es ging um eine angebliche „Gesinnungsdiktatur“, den „virologischen Nonsens“ von Schutzmaßnahmen und die aus Sicht der Runde allzu regierungstreuen Medien. Umso wichtiger, so die Botschaft, sei der Protest der „Spaziergänger“.

Fans des SC Freiburg reagieren empört

„Mal einfach wieder mal was anderes hören“, hatte Michael Mack seinen Tweet anmoderiert. Das Echo war ziemlich einhellig. Vereinzelt erhielt der Juniorchef Beifall, überwiegend aber Widerspruch: Wie könne er in seiner Funktion bloß so etwas verbreiten? Es passte auch gar nicht zum offiziellen Coronakurs des Europaparks. Natürlich litt dieser wirtschaftlich massiv unter Schließungen und Auflagen, doch der Gesundheitsschutz, wurde stets betont, stehe über allem. Dafür kam die grün-schwarze Landesregierung dem Park weitestmöglich entgegen: Dessen Wiederöffnung schien zeitweise sogar wichtiger als die der Schulen.

Besondere Empörung löste Mack junior bei Fans des Sportclubs Freiburg aus, wo der Europapark prominenter Sponsor und Namensgeber des neuen Stadions ist. Die Fangruppe Corillo Ultras zeigte sich entsetzt über seine Positionierung. „Wissenschaftsfeindlich und verschwörungsideologisch“ sei der Podcast, das dort Geäußerte stehe „im krassen Gegensatz zu den Werten“ des Clubs. Abwegig sei es auch, dass die Klimakrise darin als „Untergangsfantasie der Grünen“ bezeichnet werde.

Nicht zum ersten Mal freimütig geplaudert

Drei Tage später reagierte Mack. „Aufgrund neuer Erkenntnisse“ zu den Hintergründen des Podcasts habe er den Tweet gelöscht. Er bedauere, diesen „nicht gründlicher geprüft … zu haben, da die zugrunde liegenden Werte in keinster Weise mit den meinigen übereinstimmen“. Erkennbar sollte so weiterer Schaden vom Europapark abgewendet werden. Aber war die Wende auch glaubhaft? Nach kritischen Einwänden hatte Mack den Podcast zuvor noch verteidigt: „Wer sagt, dass er rechts ist? Und wer, dass es Querdenker sind?“ Der Juniorchef habe wohl eine Order zum Widerruf erhalten, hieß es.

Dabei hätte er gewarnt sein können, was allzu freimütige Bekenntnisse angeht. Schon zu Beginn der Pandemie hatte er Irritationen ausgelöst, als er bei Twitter einen Kommentar zum Krisenmanagement teilte. Überschrift: „Ein Virus namens Hysterie.“ Auch bei einem anderen Thema war Michael Macks Offenheit zwiespältig. Kritikern des Europaparks, die dessen krakenartige Ausbreitung monieren, hatte er unfreiwillig Munition geliefert. Auf Expansionspläne in Frankreich angesprochen, lamentierte er in einem Interview über die Mühe, eine Agrarfläche dort in Bauland umzuwandeln. „Da heute, ketzerisch gesagt, Bäume und Vögel wichtiger sind als Wirtschaft, ist das Verfahren aufwendig.“ Natürlich, schob er nach, agiere man „im Einklang mit der Natur“.

Seinem Vater Roland Mack wären solche Patzer kaum unterlaufen. Die Interessen des Parks vertritt er nicht minder vehement, aber deutlich instinktsicherer. Der Senior wäre bestimmt nicht böse, wenn sich der Junior mal eine Weile zurückhielte.

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