Herr Häfner, haben Sie beim klaren Rückstand gegen den HSV nicht gedacht, jetzt geht die ganze Schose schon wieder los?
Nein, das nicht. Aber ehrlich gesagt, haben wir uns den Start natürlich anders vorgestellt. Wir sind mit einem guten Gefühl ins Spiel gegangen, weil wir in der Vorbereitung sehr, sehr gut gearbeitet haben. Zur Wahrheit gehört auch, dass der HSV an dem Tag ein super Spiel gemacht hat, vor allem ihr neuer dänischer Mittelmann Nikolaj Jörgensen hat ein sensationelles Spiel gemacht. Sie haben gefühlt keine Fehler gemacht, alles hat geklappt.
Im Gegensatz zum TVB. Woran muss hauptsächlich gearbeitet werden?
Wir müssen an vielen Details arbeiten, dann wird das schon in naher Zukunft besser funktionieren. Klar ist, dass 36 Gegentore einfach viel zu viele sind. Eigentlich müssten 33 erzielte Tore reichen, um das Spiel zu ziehen. Deshalb ist einer unserer Hauptaufgaben, einen kompakten Verbund Abwehr/Torhüter hinzubekommen.
Die Erwartungshaltung ist hoch unter dem neuen Trainer Misha Kaufmann.
Zu Recht. Aber wenn wir das erste Spiel mit fünf Toren Unterschied gewonnen hätten, wäre die Saison auch noch nicht herrlich. Jetzt ist sie wegen einer Niederlage noch nicht mies. So doof es klingen mag, wir haben noch 33 Spiele vor uns, in denen wir die Chance haben, es besser zu machen.
Kaum zu verbessern ist Ihre Siebenmeterquote, gegen Hamburg verwandelten Sie sieben von acht. Was ist der Grund, dass Sie neuerdings auch noch die Verantwortung bei den Strafwürfen übernehmen?
Misha kam in der Vorbereitung zu mir und meinte, ich soll’s angehen. Ich sagte, dass ich das grundsätzlich gerne machen kann, habe aber darauf hingewiesen, dass ich das davor 18 Jahre lang nicht gemacht habe.
„Habe mich nie darum geschlagen“
Warum eigentlich?
Die Frage habe ich mir auch gestellt. Ich habe immer in Teams gespielt, in denen es zwei, drei Siebenmeterschützen gab, die das schon immer gemacht haben. Ich habe mich dann nie drum geschlagen.
Dabei haben Sie doch ein Händchen. . .
. . .ich glaube da gibt es Außenspieler, die haben ein geschmeidigeres Händchen (lacht). Jetzt schauen wir mal wie lange das gut geht, wenn die Torhüter sich mal die Wurfbilder anschauen. Aber wir haben ja auch noch unseren Kapitän Patrick Zieker, er war auch zweiter Schütze, als Dani Fernandez noch bei uns war. Oder auch meinen Bruder Max.
Am Donnerstag geht es zum Spitzenteam SG Flensburg-Handewitt. Ist die Außenseiterrolle ein Vorteil?
Vielleicht, mal schauen, ob sie uns die Tür öffnen. Wenn sie nicht ihren besten Tag erwischen, müssen wir da sein. Wir fahren nicht hin, um nur Hallo zu sagen.
Sie fliegen mit einer Chartermaschine, in der auch ein Dutzend Sponsoren mit an Bord sind.
Darüber sind wir sehr froh. Nicht nur ich mit meinen 36 Jahren freue mich, dass ich nicht 15 Stunden im Bus sitzen muss.
Zumal es am Samstag schon mit dem Heimspiel in der Porsche-Arena gegen den Bergischen HC weitergeht.
Da habe ich kein Verständnis. Wir spielen am Donnerstag nicht in Göppingen und sind in einer halben Stunde daheim, sondern in Flensburg. Und dann müssen wir Samstags schon wieder ran. Das kann’s einfach nicht sein.
„Dürfen uns nicht viele Ausrutscher erlauben“
Beim Spiel gegen Aufsteiger BHC könnten Sie früh in der Saison schon wieder extrem unter Druck stehen.
Kein Widerspruch, aber das sind wir ja mittlerweile gewohnt.
Wo landet der TVB am Ende?
Das ist immer unglaublich schwer zu sagen, weil es so extrem eng zugeht in dieser immer ausgeglicheneren Liga. Ein, zwei Punkte können entscheiden, ob du am Ende Achter oder 16. wirst. Das übergeordnete Ziel des Vereins heißt Top Ten. Das wollen wir schaffen. Und damit es endlich gelingt, dürfen wir uns nicht viele Ausrutscher erlauben.
Zur Person
Vita
Kai Häfner wurde am 10. Juli 1989 in Schwäbisch Gmünd geboren. Seine Stationen: TSB Gmünd (1995 bis 2006), TV Bittenfeld (2006/2007), Frisch Auf Göppingen (2007 bis 2011), HBW Balingen-Weilstetten (2011 bis 2014), TSV Hannover-Burgdorf (2014 bis 2019), MT Melsungen (2019 bis 2023), jetzt TVB Stuttgart. Größte Erfolge: Junioren-Weltmeister 2009, EHF-Pokal-Sieger 2011, Europameister 2016, Olympia-Bronze 2016 und Olympia-Silber 2024. Der Linkshänder absolvierte 154 Länderspiele (361 Tore), er hat seine Nationalmannschaftskarriere inzwischen beendet. Sein Vertrag beim TVB läuft bis 2027.
Persönliches
Kai Häfner ist verheiratet mit Saskia. Das Paar wohnt in Lorch und hat zwei Söhne (Levi/5 Jahre und Matti/2). Hobby: Reisen/Städtetrips. Häfners jüngerer Bruder Max spielt ebenfalls beim TVB Stuttgart. (jüf)