Kampagne gegen Biosphärengebiet Der „Sphärman“ verstrickt sich in Widersprüche

Vorbild für Oberschwaben? Biosphärengebiet Schwäbische Alb Foto: Ines Rudel

Ein PR-Berater aus Berlin und Wien schießt gegen ein Großreservat in Oberschwaben – angeblich als Journalist. Doch bei einem Gerichtstermin in Wien klingt es plötzlich ganz anders.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Neulich war Marcus Johst alias „der Sphärman“ mal wieder in Oberschwaben unterwegs. Der PR-Berater mit Wohnsitzen in Berlin und Wien besuchte zwei Gemeinderatssitzungen, in denen es um das geplante Biosphärengebiet ging. Per Newsletter und Blogeintrag beschrieb er hinterher die Stimmung in Guggenhausen und Unterwaldhausen gegenüber dem umstrittenen Projekt der grün-schwarzen Landesregierung.

 

Wie stets urteilte der Experte für Anti-Kampagnen, der sich schon mal als „PR-Drecksau“ bezeichnen ließ, mit starken Worten. Eine „glatte Lüge“ sei es, dass die Meinungsbildung ergebnisoffen ablaufe. Tatsächlich gehe es um eine „manipulative Kampagne“ im Auftrag von Umweltministerin Thekla Walker (Grüne). Ein „politisches Märchen“ sei es, dass die Bauern in dem Großreservat erfolgreich wirtschaften könnten. Da passte es für Johst ins Bild, dass er auf seiner Fahrt zu den Dörfern auf ein Ortsschild namens „Luegen“ stieß.

Verhältnis zur Wahrheit zweifelhaft

Sein eigenes Verhältnis zur Wahrheit ist indes auch nicht über jeden Zweifel erhaben. In Oberschwaben wird allenthalben angenommen, dass der PR-Mann im Auftrag von Gegnern des Biosphärengebiets unterwegs ist. Einige Spuren führen ins Lager der Allianz von Land- und Waldbesitzern, in der das Adelshaus Waldburg-Zeil eine zentrale Rolle spielt. Doch der „Sphärman“ behauptet, er sei aus privatem Interesse als Journalist unterwegs.

Weil verdeckte Öffentlichkeitsarbeit nach den Standesregeln unzulässig wäre, hat der Deutsche Rat für Public Relations eine Untersuchung eingeleitet. Die „Absenderklarheit“ von Botschaften gehört nämlich zu den wesentlichen Grundsätzen. Als Johst um Stellungnahme gebeten wurde, machte er das eigentlich interne Verfahren von sich aus öffentlich. Per Newsletter verspottete er das Selbstkontrollorgan der PR-Branche, das über seine „journalistische Arbeit“ richten wolle.

Gerichtstermin wegen Insolvenz

Ganz anders klang es jetzt bei einem Gerichtstermin in Wien. Dort befindet sich der gebürtige Österreicher in einer Art Privatinsolvenz, hier „Schuldenregulierungsverfahren“ genannt. Bei ihm sei kaum etwas zu holen, versichert er seinen Gläubigern. Als Beruf gibt er „Oberkellner“ an, mit entsprechend bescheidenen Einnahmen. Doch weil ihm das nicht jeder glaubt, gab es bohrende Nachfragen: Was bekomme er für Blogs wie den zum Biosphärengebiet, wer seien seine Auftraggeber? Die Antwort blieb zunächst offen.

Eindeutig äußerte sich der 58-Jährige hingegen zu seiner gerade noch herausgestrichenen journalistischen Arbeit. „Ich bin nicht mehr als Journalist tätig“, sagte er laut Protokoll, „und ich führe auch keine journalistischen Reisen durch.“ Dass er vor einem Jahr bei einem Gerichtstermin in Potsdam noch Journalist als Beruf angegeben habe, sei seiner langjährigen Praxis und der Aufregung geschuldet gewesen. Auch seine Berliner Postadresse im Haus der Bundespressekonferenz habe allein rechtliche Gründe, einen Arbeitsplatz habe es dort nie gegeben. Wie passt das zu Johsts angeblich journalistischen Recherchen in Oberschwaben? Eine Anfrage dazu ließ er unbeantwortet.

Schnitzelabend in der Villa

Zur klammen Finanzlage passt es auch nicht so ganz, dass Johst noch im vorigen Herbst Co-Gastgeber eine „Schnitzelabends“ mit mehreren Dutzend Gästen war. Gemeinsam mit einem Immobilienunternehmer lud er dazu in eine Potsdamer Villa ein. Dort briet er eigenhändig Schnitzel, wie schon bei früheren, ähnlichen Veranstaltungen. Auf der Einladungskarte prangte ein Gemälde „Mann mit Schnitzel“, angeblich von Paul Klee. Tatsächlich war es wohl mit einem KI-Tool im Stil Klees generiert – eine Spielerei, die Johst auch in seinen Biosphären-Newslettern gerne nutzt.

Auskunft dazu gab es von ihm so wenig wie zu einem anderen Bezug. Auf einem Blog, der ganz im Stil des „Sphärman“ ein Berliner Online-Optik-Unternehmen ins Visier nimmt, verwies ein Link zu „Hintergrund und Motivation“ der Webseite. Wer darauf klickte, landete auf Johsts Erklärung für sein Oberschwaben-Engagement. Kurz nach einer Nachfrage unserer Zeitung war der Verweis gelöscht.

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