Auf der größten Raststätte in der Region Stuttgart fehlen Stellplätze für Lastwagen. Auch andere Anlagen im Südwesten schneiden schlecht ab.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Die Rasthof Sindlefinger Wald gilt laut der Polizei als „gefährlicher Ort“. Seine besondere Lage an der A8 und A81, einem der am stärksten frequentierten Autobahnabschnitte Deutschlands mit durchschnittlich mehr 100.000 Fahrzeugen am Tag, trägt dazu bei, dass hier viele Straftaten begangen werden.

 

Die Rastanlage ist aber noch aus einem anderen Grund gefährlich: Es fehlen Stellplätze für Lastwagen. Die Lkw quetschen sich an vielen Tagen und Nächten irgendwo entlang der Fahrspuren, die eigentlich frei bleiben müssten – übermüdete Lastwagenfahrer bleiben einfach an Ort und Stelle stehen. Die akute Parkplatznot hat der ADAC in einer aktuellen Erhebung festgestellt.

Höchste Gefahrenkategorie für Sindelfinger Wald

„Hier parkten im baden-württembergischen Vergleich am häufigsten Lkw im besonders gefährlichen Ein- oder Ausfahrtsbereich oder sogar auf dem Seitenstreifen der Autobahn. In der Untersuchung stellten diese Verstöße die höchste Gefahrenkategorie ‚Rot’ dar“, schreibt der ADAC zum Sindelfinger Wald. Das Unfallrisiko steige demnach immens, wenn die tonnenschweren Fahrzeuge im Zufahrtsbereich oder dort, wo es zurück auf die Autobahn geht, parkten. Die Polizei kontrolliert regelmäßig.

Auch andere Anlagen kamen beim Test des Verbands, der in Baden-Württemberg zwölf Rastanlagen entlang der Autobahnen A5, A6, A7 und A8 untersuchte, nicht gut weg. Auf neun der zwölf Plätze gab es Lastwagen, die auf für sie verbotenen Flächen parkten – etwa in dem Bereich, der für Autos vorgesehen ist, oder im absoluten Halteverbot. Auf allen Rastanlagen parkten Lkw in der Fahrgasse zwischen den Lastwagen-Parkplätzen.

Fehlende Parkplätze für Laster sind laut dem ADAC bundesweit ein Problem. Foto: Andreas Arnold/dpa

Die Rastanlage Ellwanger Berge West an der A7 stach ebenfalls negativ heraus. Dort standen an den Tagen, an denen gezählt wurde, die meisten Laster im absoluten Halteverbot oder auf Flächen, auf denen sie nicht hätten stehen sollen. „Es besteht ein dringender Handlungsbedarf, die Kapazitäten für Lkw-Parken an Autobahnen auszubauen“, sagt Holger Bach, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Württemberg.

Laut ADAC fehlen bundesweit rund 20.000 Lkw-Stellplätze an Raststätten. Die Kraftfahrer nimmt der Verband dabei ein Stück weit in Schutz. Häufig seien sie „gezwungen, ihr Fahrzeug regelwidrig abzustellen“, um die gesetzlich festgeschriebenen Lenkzeiten einzuhalten.

Hilft intelligente Technik gegen die Parkplatznot am Sindelfinger Wald?

Kurzfristig empfiehlt der ADAC den Einsatz intelligenter Technik, damit mehr Lastwagen auf die bestehenden Anlagen passen. Das sogenannte Kolonnenparken ermögliche es beispielsweise, Lastwagen entsprechend ihrer geplanten Abfahrtszeit zu steuern, sodass sie dichter und in einer Reihe geparkt werden können.

Die in dieser Woche veröffentlichte Erhebung ist nicht repräsentativ. Pro Standort zählten die Tester dreimal Parkverstöße – und zwar an den stark frequentierten Wochentagen Dienstag oder Mittwoch, jeweils um 22 Uhr, 23 Uhr und 0 Uhr. Statistisch repräsentativ ist die Erhebung nicht.

Mit Material von dpa/lsw.