Auf zwei Stockwerken soll sich, wie diese Seitenansicht zeigt, das Leben in der katholischen Kirche St. Magnus vom Jahr 2023 an abspielen. Foto: dauner rommel schalk architekten PartG mbB
In Wernau gibt es – wohl vom Jahr 2030 an – nur noch eine zentrale katholische Kirche für die Gläubigen. St. Magnus wird saniert und umgebaut – auf zukünftig zwei Ebenen.
Den Kirchen geht es nicht anders, als den Kommunen, den Landkreisen oder den Bundesländern: Sparen lautet das Gebot der Stunde – wobei das im kirchlichen Bereich schon seit geraumer Zeit der Fall ist. Bereits vor Jahren hat in den beiden katholischen Wernauer Kirchengemeinden die Diskussion über einen Zusammenschluss begonnen, ehe 2025 endgültig ein Knopf an die Fusion gemacht wurde.
St. Magnus und St. Erasmus werden eins: eine Kirchengemeinde, ein neuer Gemeindename, der noch gefunden werden muss – und eine Kirche. Dieser Rahmen steht ebenso fest wie die Tatsache, dass das kirchliche Leben im Bereich von St. Magnus zentriert wird. Genauer gesagt kommt alles unter ein Dach, nämlich in die jetzige Kirche. Dort werden das Pfarrbüro, die Gemeinderäume, der Jugendbereich und das Gotteshaus als solches untergebracht.
Einhellig für den Entwurf von Dauner/Rommel/Schalk
Dies bedeutet zum einen, dass das jetzige Pfarramtsgebäude an der Kirchheimer Straße aufgegeben und zum anderen, dass der Kirchenraum an sich in Zukunft „höher gelegt“ wird. Vereinfacht gesagt kommen auf der Erdgeschossebene die funktionalen Bereiche unter, eine Etage drüber der Kirchenraum. Mit einem entsprechenden Entwurf ist das Göppinger Büro Dauner/Rommel/Schalk aus einem Architektenwettbewerb jedenfalls als einhelliger Sieger hervorgegangen.
Das Konzept der Planer hat Charme, für das moderne kirchliche Leben ebenso wie aus städtebaulicher und energetischer Sicht. Umgesetzt wird das Vorhaben im Rahmen eines Projekts der Diözese Rottenburg-Stuttgart, das den Titel „Räume für eine Kirche der Zukunft“ trägt. Gemeinsam haben die Architekten, die Gesamtkirchengemeinde, die Diözese und nicht zuletzt die Stadtverwaltung den Entwicklungsprozess zwischenzeitlich vorangetrieben und werden diesen weiterhin den Anforderungen und Gegebenheiten anpassen.
Architekten wollen große Sensibilität walten lassen
Mit dem Umbau einher geht die ohnehin erforderliche, klimaneutrale Sanierung der Kirche, die grundsätzlich angestrebte Reduktion der notwendigen Flächen und eine respektvolle Neugestaltung des Bestandsgebäudes, gerade im Inneren des Kirchenschiffes. Für den Göppinger Architekten Tilman Schalk ist es dabei selbstverständlich, eine große Sensibilität walten zu lassen.
Im Sakralraum von St. Magnus wird vieles anders, vieles bleibt aber auch erhalten. Foto: Karin Ait Atmane
„St. Magnus ist für Wernau ein wichtiges Bauwerk der Nachkriegsarchitektur und vor allem das Erstlingswerk des aus Wernau stammenden Architekten Gerold Reutter, der später mehr als 100 Kirchen gebaut hat“, sagt Schalk. Der Charakter des Sakralraums solle deshalb erhalten bleiben, auch wenn dieser auf eine Idee der Kirche hin räumlich reduziert werde, ergänzt er. So sei zwar rasch der Gedanke aufgekommen, ein Haus-in-Haus- Prinzip umzusetzen, „was allerdings gerade in so einem Fall nicht ganz einfach ist“.
St. Erasmus dient als Übergangsquartier
Geschafft hat es das Büro Dauner/Rommel/Schalk letztlich aber doch. So wird zunächst ein Rückbau der langen Außenwände stattfinden und, wenn man es einfach beschreiben will, ein zweites Geschoss eingezogen. Unten bleibt der Eingangsbereich offen, dahinter folgen ein Foyer, wie gesagt, die Funktionsräume und im Anbau der Jugendbereich. Im ersten Stock, über dem Eingang, gibt es eine Empore, von der aus der Kirchenraum über eine Art Brücke erreichbar ist.
Michael Konz, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Magnus, koordiniert das Projekt seitens der Kirche – in enger Absprache mit seinen Kolleginnen Marina Schaub (St. Erasmus) und Beate Stark (Gesamtkirchengemeinde). „Es hat sich schnell gezeigt, dass wir beide Kirchen nicht halten können und so wollen wir jetzt das Bestmögliche daraus machen“, betont Konz und ist froh, dass die Diözese St. Erasmus als sogenannte Depotkirche, unter anderem zur Aufbewahrung von Reliquien, erhalten wird. Außerdem dient St. Erasmus während des Umbaus von St. Magnus als Gotteshaus.
Zeit- und Kostenplan sind „sehr sportlich“
Zugleich lobt er die Zusammenarbeit sowohl innerhalb der Kirchengemeinden, aber auch mit der Diözese, den Architekten, den Urheberrechtsvertretern und der Stadtverwaltung. Von allen Seiten sei die Arkadenbauweise und das Konzept insgesamt als ein Öffnen der Kirche angesehen worden. Und worüber sich Konz besonders freut: „Die Kommunikation war und ist immer sehr direkt, weil alle wissen worum es geht.“
Gleichwohl ist das Vorhaben in vielerlei Hinsicht ehrgeizig: Dem gemeinsam aufgestellten Zeitplan nach soll der Umbau im Jahr 2030 abgeschlossen sein. Konz, der als Vermessungsingenieur eine gehörige Portion Fachwissen vorweisen kann, spricht von einem „sehr sportlichen Ziel, für dessen Erreichung wir den zeitlichen Druck in jeglicher Hinsicht aufrecht erhalten müssen“.
Nicht minder sportlich als der Zeitplan ist es, den vorgegebenen Kostenrahmen nicht zu sprengen. Den Deckel hat die Diözese auf vier Millionen Euro gesetzt, was wie Konz sagt, „von den Architekten auch so unterschrieben wurde“. Parallel dazu laufe der Verkauf des bisherigen Gemeindezentrums.
Wernau greift dem schon mal vor, was ohnehin kommt
Projekt Im vergangenen November hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ auf den Weg gebracht. Mit dessen Umsetzung soll in erster Linie den rückläufigen Finanzressourcen und dem damit verbundenen Personalabbau Rechnung getragen werden. Letztlich empfahl der Diözesanrat aus den aktuell noch mehr als 1000 rechtlich selbstständigen Kirchengemeinden 50 bis 80 sogenannte Raumschaften zu bilden, um die Verwaltungsaufgaben zu reduzieren, um dem kirchlichen Leben vor Ort finanziell und personell mehr Freiräume zu ermöglichen und es langfristig zu sichern.
Umsetzung Bereits Ende dieses Jahres soll klar sein, welche bisherigen Kirchengemeinden sich in den neuen Raumschaften zusammenschließen. Wie diese den ländlichen beziehungsweise den großstädtischen Strukturen gerecht werden, wird der Diözese zufolge dabei berücksichtigt. Die bestehenden Gemeinden und Dekanate werden an diesem Prozess beteiligt. Die Leitung der neuen Raumschaften sollen neben Pfarrern auch geeignete Laien als Pfarrbeauftragte übernehmen können Zu deren Entlastung wird es außerdem Verwaltungsbeauftragte geben.