Heizungs- und Klimaanlagen Größte Übernahme der Bosch-Geschichte besiegelt
Bosch kauft für acht Milliarden Dollar das Heizungs- und Klimaanlagengeschäft von Johnson Controls. Die Mitarbeiterzahl wächst dadurch kräftig.
Bosch kauft für acht Milliarden Dollar das Heizungs- und Klimaanlagengeschäft von Johnson Controls. Die Mitarbeiterzahl wächst dadurch kräftig.
Bosch meldet Vollzug. Fast genau ein Jahr nach der Ankündigung sind alle kartellrechtlichen Hürden genommen. Für acht Milliarden US-Dollar (rund 7,4 Milliarden Euro) übernimmt der Technologiekonzern mit Sitz in Gerlingen das Heizungs- und Klimaanlagengeschäft von Johnson Controls. Es ist die größte Transaktion in der knapp 140-jährigen Firmengeschichte von Bosch.
In einer am Freitag veröffentlichen Pressemitteilung ist die Rede von einem Meilenstein in der Entwicklung des Unternehmens. Bosch-Chef Stefan Hartung sagt: „Bosch nutzt seine Chancen konsequent und steigt im Heizungs-, Lüftungs- und Klimalösungsgeschäft jetzt in die Champions League auf.“Der Umsatz in diesem Geschäftsfeld, das auf Wohn- und kleine Gewerbegebäude ausgerichtet ist, soll sich auf mehr als acht Milliarden Euro nahe verdoppeln. Der gesamte Unternehmensbereich Energie- und Gebäudetechnik soll ab 2026 auf mehr als zehn Milliarden anwachsen.
Ziel sei es, im Geschäft mit den Klimageräten deutlich schneller zu wachsen als der Weltmarkt, der nach Schätzungen von Bosch bis 2030 jedes Jahr um über fünf Prozent zulegen werde. Die Nachfrage nach Klimageräten werde in den kommenden Jahren deutlich steigen, auch aufgrund der globalen Erwärmung, so das Unternehmen.
„Bosch will bis 2030 in jeder seiner Branchen zu den führenden Unternehmen gehören und baut dafür das Geschäft unter anderem mit strategischen Investitionen in Wachstumsfelder aus. Auch Akquisitionen gehören zur Strategie “, sagt Christian Fischer, als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung verantwortlich für strategische Wachstumsinitiativen.
Die Mitarbeiterzahl von Bosch, wo derzeit in mehreren Sparten weltweit der Abbau von rund 15 000 Stellen geplant wird, erhöht sich damit an anderer Stelle wieder merklich: Von Johnson Controls, einem Unternehmen mit amerikanischen Wurzeln und Sitz im irischen Cork, kommen rund 12 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinzu. Sie werden dem Geschäftsbereich Bosch Home Comfort Group eingegliedert, der von Wernau am Neckar und Wetzlar aus gesteuert wird. Dessen globale Belegschaft wächst dadurch auf mehr als 25 000 Stellen an.
Mit 3400 Stellen ist die USA der größte Einzelstandort unter den Neuzugängen, mit Fabriken in Wichita/Kansas und Norman/Oklahoma. Auch in Mittel- und Südamerika ist Johnson Controls vertreten. Das Gros der neuen Belegschaft aber arbeitet in Asien. In China und Japan sind es jeweils 1200 Beschäftigte, zahlreiche weitere Standorte befinden sich unter anderem in Südostasien. Das Fertigungsnetzwerk von Home Comfort wächst laut Unternehmen durch die Übernahme von 17 auf 33 Werke, die Zahl der Entwicklungsstandorte von 14 auf 26. Mit dem Kauf will der schwäbische Konzern ausdrücklich sein Geschäft in den USA und in Asien stärken. Bosch übernimmt im Zuge des Deals auch den 40-Prozent-Anteil, den der japanische Mischkonzern Hitachi in einem gemeinsamen Unternehmen mit Johnson Controls gehalten hatte.
Strategisch verfolgt Bosch zudem das Ziel, den Unternehmenserfolg stärker von der Konjunktur des Autozulieferergeschäfts zu entkoppeln. Die Autosparte ist mit einem Umsatzanteil von zuletzt 62 Prozent nach wie vor der wichtigste Geschäftszweig. Zwar ist Bosch seit Jahren der größte Autozulieferer weltweit, die Transformation der Branche aber tritt das Unternehmen dennoch schmerzlich. Die Rendite erreicht schon seit längerem nicht mehr den selbst gesteckten Zielen.
Global
2024 hat Bosch weltweit 90,3 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet, etwa 1,4 Prozent weniger als im Jahr davor. Den größten Anteil hatte dabei die Autozulieferersparte mit 55,8 Milliarden, was knapp 62 Prozent entspricht.
Gebäudetechnik
Die Sparte Energie- und Gebäudetechnik erzielte zuletzt 7,5 Milliarden Euro, die Übernahme von Johnson Controls soll zusätzlich rund vier Milliarden Erlös bringen. Die Sparte Industrietechnik kam 2024 auf 6,4 Milliarden, der Haushaltsgerätebereich „Consumer Goods“ trug 20,3 Milliarden zum Gesamtumsatz bei.