Das Kaufhof-Gelände zwischen der Bad- und Marktstraße am Cannstatter Wilhelmsplatz ist gut 4000 Quadratmeter groß und gilt angesichts seiner städtebaulichen Lage bei der Stadtverwaltung im Zuge seiner Neubebauung als Schlüsselgrundstück. Auch der lokale Einzelhandel hat enorme Hoffnungen, dass nach dem Kaufhof-Abriss durch eine attraktive neue Immobilie der Trading-Down-Effekt in der Altstadt etwas gestoppt werden kann.
Wettbewerb kostete 300 000 Euro
Vor diesem Hintergrund haben sich die Stadt Stuttgart und die LBBW Immobilien Development GmbH, die nach einem fünfjährigen Verhandlungsmarathon Anfang 2023 endlich das Grundstück erwerben konnte, auch auf einen adäquat großen Wettbewerb einigen können. Zwölf Planungsbüros machten sich für die durchaus anspruchsvolle Aufgabe ihre Gedanken. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft liegt die denkmalgeschützte, historische Altstadt. Ein Juwel, das durch einen Neubaukomplex nicht vollständig übertrumpft werden soll. Der Wettbewerb dauerte ein Jahr und kostete rund 300 000 Euro.
Neubau mit moderner Fassade
Nachdem im Dezember 2023 der Sieger, die 32-köpfige Jury hievte den Entwurf von Baumschlager Eberle Architekten aus Berlin auf den ersten Platz, feststand, wurde jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik sowie dem Bezirksbeirat Bad Cannstatt ein erster überarbeiteter Entwurf präsentiert. Was bleibt, sind die beiden „Schollen“, auf denen jeweils ein Neubau errichtet wird. Einer liegt entlang der Marktstraße, der andere entlang der Badstraße in Richtung Hotel. Beide sollen sich nach allen Seiten offen präsentieren und in Richtung Wilhelmsplatz eine moderne Fassade erhalten. Zudem soll ein offener Durchgang über den Bädergraben zur Badstraße eine bessere Leitung der Verkehrsströme von den umliegenden Bereichen und einen kleinen Platz an der Marktstraße ermöglichen.
Die optisch größte Änderung betrifft die Gebäudehöhe in Richtung Wilhelmsplatz. In Richtung des Verkehrsknotens sind jetzt sechs statt nur fünf Geschosse vorgesehen. Von dem Vorhaben, im Untergeschoss Einzelhandel unterzubringen, sind die Planer abgerückt. Um hierfür eine entsprechende Raumhöhe zu realisieren, hätte das Erdgeschoss und wegen der Ebenerdigkeit auch die Passage zwischen den beiden Gebäuden erhöht werden müssen. Die Folge: keine Barrierefreiheit zwischen den Gebäuden. „Das musste auf jeden Fall vermieden werden“, sagte Stadtplanerin Corinna Althanns.
Fertigstellung Ende 2027
„Uns war wichtig, eine Architektur umzusetzen, die zu Bad Cannstatt passt und dabei Ökologie und Nachhaltigkeit im Blick behält“, betonte Uwe Jaggy, Geschäftsführer der LBBW Immobilien Development GmbH. Er hoffe, dass Anfang kommenden Jahres der Bauantrag eingereicht werden könne. Sofern beim Bau keine Probleme auftauchen, könnte dann im vierten Quartal 2027 die „neue Pforte nach Bad Cannstatt“ eingeweiht werden, so Jaggy.
Im Erdgeschoss ein Supermarkt
Was die künftigen Nutzer angeht, so soll auf jeden Fall die BW Bank von der Seelbergstraße wieder zurück in die Marktstraße. Zudem ist Platz für Büros, Arztpraxen oder Wohnraum angedacht. „Auf keinen Fall wird auf dem Grundstück eine Tiefgarage gebaut werden“, sagt Mario Strunk, bei den LBBW Immobilien für das Projekt verantwortlich. Ausnahmen, wie etwa Behindertenparkplätze, sowie eine größere Zahl an Fahrradstellplätzen stehen dagegen auf der Agenda. Was ebenfalls wichtig ist: In dem zweiten Neubau an der Badstraße ist im Erdgeschoss ein großer Supermarkt geplant.
Damit die riesige Baugrube nicht ganz so hässlich wirkt, haben Cannstatter Schulen und Kitas den Bauzaun mit Plakaten verschönert. Jetzt suchen die LBBW Immobilien die Einrichtung, die das schönste Bild gemalt hat. Entscheiden darüber können die Passanten, die täglich an dem Bauzaun vorbeilaufen, per QR-Code oder einem Weblink. Beides wird in den kommenden Tagen an den Bildern angebracht. Dem Sieger winken 1000 Euro, dem Zweitplatzierten 500 Euro und der Dritte erhält noch 250 Euro.