Das Afrikahaus in Freiberg (Kreis Ludwigsburg) steht vor dem Abriss. Ein Gutachten wurde in Auftrag gegeben, um zu klären, ob das Gebäude als Kulturdenkmal eingestuft und somit erhalten werden könnte. Nun liegt das Ergebnis vor.

In Freiberg befindet sich ein auffälliger Bungalow, der den Geist von Artur Benseler lebendig hält. Der Abenteurer errichtete 1970 das Gelände nach dem Vorbild eines Umutsi – einer traditionellen, kreisförmig angelegten Siedlungsform aus dem südlichen Afrika. Das Haus und die Gartenanlage waren über Jahrzehnte Museum, Treffpunkt und Veranstaltungsort in Freiberg. Doch damit ist nun Schluss, das Gebäude wird abgerissen.

 

Denn auch die letzte Chance für den Erhalt des Gebäudes ist in sich zusammengebrochen – der Denkmalschutz stuft das Afrikahaus nicht als Kulturdenkmal ein. Bürgermeister Jan Hambach präsentierte am Dienstag die Ergebnisse eines Gutachtens, das feststellt, dass das Gebäude die Anforderungen des baden-württembergischen Denkmalschutzes nicht erfüllt.

Das Afrikahaus ist umgeben von einem kleinen Park Foto: Werner Kuhnle

In der Begründung heißt es: „Bei dem Gebäude handelt es sich um einen typischen Bungalowbau, der architektonisch keine Besonderheiten aufweist.“ Negativ wirkte sich zudem aus, dass das Gebäude nicht als kombiniertes Galerie- und Wohnhaus geplant wurde, zudem sei es 1990 erweitert und umgebaut worden, was ebenfalls gegen die Einstufung als Kulturdenkmal spricht.

Für die Bürgerinitiative Pro Afrikahaus ist das Ergebnis ein Rückschlag. Die Bürgergruppe hatte gehofft, dass das Gebäude mit der Gartenanlage durch den Denkmalschutz erhalten bleibt. „Wir werden uns nun zeitnah mit dem Bürgermeister zusammensetzen und ein Konzept ausarbeiten, welches die Zusage beinhaltet, dass der Baumbestand erhalten werden soll und kein Mehrfamilienhausbunker gebaut wird“, sagt Christine Radtke, Sprecherin der Initiative.

Die Initiative bemängelt seit Monaten, dass die Entscheidung zum Verkauf, Abriss und Neubebauung des Afrikahaus-Geländes ohne Diskussion entschieden wurde. Bürger seien nicht ausreichend informiert und mitgenommen worden. „Wir sind daher gespannt, ob es ein jetzt echter Austausch sein wird“, sagt Radtke kritisch. „Oder ob vor dem Gespräch schon Tatsachen, in Form von Planungen, geschaffen wurden.“

Das Afrikahaus als Museum und Kulturzentrum

Die Geschichte des Afrikahauses beginnt in den 1970er Jahren als Wohnhaus des Abenteurers Artur Benseler – aber auch als Zentrum für afrikanische Kunst und Kultur. Nach dem Tod Benselers im Jahr 2010 gingen das Haus und die Exponate als Erbe an die Stadt Freiberg über. Die hatte von da an die Aufgabe, das Museum und den Veranstaltungsort weiterzuführen – passiert sei jedoch wenig, bestätigen auch ehemalige Stadträte.

Nach einem Rohrbruch im vergangenen Jahr und immer weiter steigenden Kostenschätzungen, regte Bürgermeister Jan Hambach kurz nach Amtsantritt im Juni an, das Haus zu verkaufen und für neuen Wohnraum zu nutzen. Der Gemeinderat stimmte im September dem Abriss und der Neubebauung zu, die Gartenanlage des Geländes soll laut Beschluss soweit es geht erhalten bleiben.

Artur Benseler im Afrikahaus in den 1990er Jahren, /Werner Kuhnle

Zudem plant die Stadt, mit den Erlösen die Kunstsammlung von Artur Benseler zu restaurieren und ein Afrikahaus im geplanten Neuen Stadtzentrum zu errichten. Wann die Arbeiten am Stadtzentrum beginnen, ist jedoch noch völlig offen. Ein neues Afrikahaus wird es wohl frühestens in zehn Jahren geben.