Kein Nachfolger in Winnenden Fachgeschäft muss nach 39 Jahren schließen – „Es ist eine Katastrophe“

Die Türen des Bürofachgeschäfts Max Mayer in Winnenden sind geschlossen. Foto: Gottfried Stoppel

Jahrelang suchte Max Mayer vergeblich nach einem Nachfolger für sein Bürofachgeschäft. Er ist nicht der einzige Fachhändler, der aus diesem Grund sein Geschäft dichtgemacht hat.

„Es ist eine Katastrophe. Man findet schlicht und ergreifend niemanden, der in der Lage und willens ist“, sagt Max Mayer. Vier Jahre lang hat der Inhaber eines Bürofachgeschäfts in Winnenden nach jemanden gesucht, der seinen Laden übernimmt, wenn er und seine Ehefrau in den Ruhestand gehen.

 

Das Paar wandte sich an die Handwerkskammer und an Zeitungen. Doch die Suche blieb vergeblich. Interessenten hätten sich zwar durchaus gemeldet, berichtet Mayer: „Aber es scheiterte am Wissen und an der Einstellung. Die Leute hatten utopische Vorstellungen.“ Mit nur einer Arbeitskraft, während man selbst nur einmal wöchentlich präsent sei, lasse sich ein solches Einzelhandelsgeschäft nun einmal nicht führen. Zum Jahresende schlossen Mayers ihren Laden für immer.

Max und Elsbeth Mayer haben mehrere Jahrzehnte das Bürofachgeschäft geführt. Foto: Gottfried Stoppel (Archiv)

Sechs Tage die Woche standen Max und Elsbeth Mayer im Geschäft, werktags bei durchgehenden Öffnungszeiten von morgens bis abends. Dazu kamen die buchhalterischen Aufgaben im Hintergrund. Und obwohl das Paar mehrere Teilzeitkräfte beschäftigte, blieb dennoch kaum Zeit für Urlaub. „Ausgleich gab es so gut wie keinen“, blickt Max Mayer auf die vergangenen 39 Jahre zurück, in denen der unter seinem Namen firmierende Laden zum Inbegriff für ein gut sortiertes Fachgeschäft für Schreibwaren und Bürotechnik in Winnenden und Umgebung wurde. Im April hätten Mayers das 40-jährige Bestehen ihres Unternehmens feiern können. „Aber wir haben eh schon länger gemacht, als wir wollten“, sagt der 69-Jährige zum Entschluss, vor dem runden Firmengeburtstag aufzuhören.

Leere Ladenflächen in Winnenden: Stadt sucht aktiv Nachfolger

Geht man durch die Winnender Innenstadt, fällt auf: Die Schreibwarenhandlung Max Mayer ist nicht das einzige Fachgeschäft, das in jüngster Zeit dichtgemacht hat. Auch die Verkaufsfläche eines Nähladens beispielsweise steht immer noch leer, nachdem dessen Inhaberin ebenfalls mangels einer Nachfolge ihr Geschäft aufgegeben hat. Derweil ist man bei der Stadt keineswegs untätig.

Man stehe in engem und regelmäßigem Austausch mit den Gewerbetreibenden, in der Innenstadt ebenso wie in allen anderen Stadtteilen, teilt die städtische Wirtschaftsförderung auf Nachfrage mit: „Für alle Betriebe, unabhängig vom Standort, sind wir die zentrale Anlaufstelle. In der Innenstadt arbeiten wir zudem sehr eng mit den Eigentümerinnen und Eigentümern zusammen. Diese direkten Kontakte wirken wie ein Frühwarnsystem, weil wir früh erkennen, wenn Betriebe schließen möchten oder Eigentümer Nachfolger suchen.“

So wisse man durch persönliche Gespräche meist Monate vorher, wenn Veränderungen anstehen. Darüber hinaus unterstütze man Betriebe, die schließen wollen, und prüfe gemeinsam Optionen. Dazu gehöre auch, dass man Interessenten vermittle, Nutzungsideen bewerte und bei der Orientierung auf dem Markt helfe. Durch „aktives Matching“ bringe man zudem potenzielle Nachfolger, Start-ups und neue Konzepte mit freien Flächen zusammen und erleichtere mit dem Förderprogramm Rückenwind Existenzgründern mit neuen Einzelhandels- und Gastronomiekonzepten für die Innenstadt den Einstieg.

Keine direkte Nachfolge für Max Mayer und den Nähladen

Auf diese Weise sei es allein im zurückliegenden Jahr gelungen, 13 Neuansiedlungen beziehungsweise Nachfolgelösungen im Einzelhandel und in der Gastronomie in der Innenstadt zu realisieren. „Das zeigt, wie stark unser Netzwerk wirkt und wie frühzeitige Begleitung Leerstände verhindern kann. Leider konnte für Max Mayer und den Nähladen keine direkte Nachfolge gefunden werden. Hier sind wir aber guter Dinge, die Ladenflächen adäquat wiederzubesetzen.“

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Winnenden Handel Schließung