Kesselfestival auf dem Wasen Ski Aggu, Kontra K und Co.: Star-Rapper heizen Stuttgart ein
Das Kessel-Festival begeisterte am Samstag mit sehr unterschiedlichen Acts: Harter Rap bei Kontra K, Emotionen bei Paula Hartmann.
Das Kessel-Festival begeisterte am Samstag mit sehr unterschiedlichen Acts: Harter Rap bei Kontra K, Emotionen bei Paula Hartmann.
Am Samstag, beim zweiten Tag des Kesselfestivals, ist der Wasen fast ein großer Boulevard, über den unzählige Menschen schlendern, in einer Sonne, die längst nicht mehr drückend ist, im schönsten Sommerwetter also, vorbei an vielen Businessständen, Sportattraktionen, durch ein ganzes Cateringviertel, hin zu den großen Bühnen, den großen Stars. Bosse hat gerade sein Konzert auf der Palastbühne des Festivals beendet, die wilden Donots aus Ibbenbüren waren vor ihm dran, auf der Hauptbühne. Sie haben treue Fans. Einer von ihnen ist Frank aus Tuttlingen. „Sie haben ihr Bestes gegeben für ein Konzert von nur einer Stunde“, sagt er. „Es war sehr energiegeladen.“ Viele Frauen hat er vor der Bühne gesehen, weniger Männer, die tobten zum Pop-Punk. „Ingo, der Sänger, hat seine Sache sehr gut gemacht. Er ist auch in die Menge gegangen. Die Auswahl der Lieder war sehr gut.“
Frank gehörte vor Jahren selbst einmal zu den Beschickern im großen Business- und Sportbereich des Festivals, dort will er sich jetzt erst einmal umsehen. Die Hauptbühne des Festivals wird nun beherrscht von Ski Aggu, dem Rapper mit der Skibrille. Er rappt zu schnellen, hellen, elektronischen Beats, vor seiner Bühne tänzeln kleine Pyro-Flämmchen. Viele Worte, schnelle Worte, noch mehr Worte, Samples und ein rasender Rhythmus, ein zuckender, nervöser Sound. Die Skibrille blitzt in der Sonne. Der Rapper jodelt, kurz. Dann erinnert ihn einer daran, dass es schon spät ist.
Ski Aggu wehrt sich lebhaft: „Nein, ich will noch nicht gehen. Ich will noch ein bisschen tanzen!“ Und Ski Aggu beginnt schließlich sein allerletztes Stück, ein rasender, trockener Beat, der dem Menschenmeer vor ihm in die Beine fährt: „Disco Party Sahne!“. Der Rapper weiß genau, dass alles Übel der Welt seine Ursache in der Einsamkeit hat. Er weiß außerdem, dass auf dem Cannstatter Wasen an diesem Abend keiner alleine ist. Und alle singen bald im Chor, weil er es sich wünscht: „You’ll never walk alone“ – und später dann, als er die Bühne verlassen hat: „Griechischer Wein.“
Im Palastzelt ist derweil schon längst kein Platz mehr. Alle warten dort auf Paula Hartmann, Sängerin und Schauspielerin aus Berlin. Luisa und Christina zum Beispiel, beide aus Stuttgart. Von Ski Aggu waren sie begeistert. „Ich find’s super gut“, sagt Luisa. „Ich bin zum dritten Mal hier. Ich mag es, dass das Festival so lokal ist, direkt auf dem Wasen, das zeigt eine Verbundenheit zur Stadt. Ski Aggu war eher was für junge Leute, da ging es schon gut ab, im Moshpit, das hat Spaß gemacht. Aber ich freue mich arg auf Paula Hartmann. Das wird etwas, das richtig ans Herz geht. Sie ist eine emotionale, tolle, schöne, coole Frau.“
Auch Tym aus Stuttgart begeisterte die beiden. Er trat am frühen Abend auf der Einhornbühne des Festivals auf. Schade nur finden sie, dass er keine größere Bühne, kein größeres Publikum bekam: „Er hat echt was abgerissen, er hat eine tolle Stimme und macht gute Musik“, sagt Christina. Viel besser, im Vergleich zu den Vorjahren, fanden beide die Organisation des Festivals im Hinblick auf Toiletten und Trinkwasser: „Man musste nicht mehr lange warten.“ Das große Business- und Sportangebot jedoch interessierte sie kaum: „Ich bin zwar ein großer VfB-Fan“, sagt Luisa, „aber das hat mich gar nicht abgeholt.“
Von der Hauptbühne rollen dunkle Klangwolken an und Kontra K beginnt seinen Auftritt, geht umher, streckt den Arm aus: „Nichts macht uns klein, nicht mal das Leben“, spricht er. Sein Rap ist deutlich an der Rock-Musik orientiert; bei ihm steht eine Band auf der Bühne, gellen Gitarrensoli, klopft das Schlagzeug einen schweren Beat, flackern Bilder in Schwarzweiß. Kontra Ks Musik ist hart, konfrontativ. „Tollwut“ heißt ein Stück, „Monster“ ein anderes. Bei Paula Hartmann ist derweil die Kulisse verschwunden, die zu Beginn noch die Bühne verhüllte. Auch sie steht nun mit Band vor ihren Fans und singt stiller, nachdenklicher. Alex aus Stuttgart und Begleitung sind nur wegen ihr gekommen: „Wir wollten Paula Hartmann immer schon mal live sehen.“ Auch Deichkind fanden beide gut, am ersten Abend des Festivals, der Business-Zone schenkten sie jedoch keine Aufmerksamkeit: „Das Festival wäre schöner, wenn es etwas kleiner, familiärer wäre.“
Eine Sache gibt es, die beim Kesselfestival 2025 noch nicht so recht geklappt hat: das Timing. Paula Hartmann kam mehr als eine Dreiviertelstunde zu spät auf die Bühne. Nun wird es dauern, bevor Plastik Funk, gefragter DJ aus Düsseldorf, das Zelt der Palastbühne in seinen Tanzpalast verwandelt.
Auf dem Gelände sind noch sehr viele Menschen unterwegs – wie viele, dazu war am Samstagabend vom Personal vor Ort auch keine Schätzung zu erfahren, nur so viel: „Es waren mehr, als am Freitag.“ Kontra K lässt die Hauptbühne noch in Schwarz und Weiß und Rot zucken, schaut mit entschlossenem Gesicht von den Bildwänden herab. Eine kleine schwarze Wolke schwebt über dem Platz. Ein leichter Wind kommt auf. Das Kesselfestival fand genau zum rechten Zeitpunkt statt und endet perfekt.