Auf den großen Bühnen sorgen bekannte Musiker für Stimmung. Doch ein großer Teil des Kesselfestivals findet abseits davon statt. Wir haben uns umgesehen.
Man darf sich das Kesselfestival nicht immer nur als Musikveranstaltung vorstellen. Auf dem Wasen werden über zwei Tage so viele Angebote von Stuttgarter Vereinen, Unternehmen und Gastronomen auf die Beine gestellt, dass es einem manchmal schwerfällt, den weiten Weg zur Hauptbühne überhaupt durchzustehen. Denn bevor man zur Musik gelangt, muss man am Übermorgenmarkt, dem Sportpark oder der Kulturbühne vorbei. Von dem Foodcourt ganz zu schweigen.
Am Samstagnachmittag ist es vor allem das Angebot der Kanugesellschaft Stuttgart und der Neckarwelle, das Besucher jenseits der großen Bühnen auf sich zieht. Man kann über zwei Tage auf dem Neckar surfen oder Drachenboot fahren. „Bei uns sind die Boote während des Festivals die meiste Zeit alle verliehen“, sagt Lukas Jörg von den Stuttgart Broncos, der an diesem Tag in ärmellosem Shirt und mit schneller Brille den Verleih organisiert.
Ski Aggu zieht Fans an, Feuerwehr sorgt für Abkühlung
Wenn man mit Besuchern ins Gespräch kommt, fällt vor allem ein Name immer wieder: Ski Aggu. Die Freundinnen Lisa, Natalie und Simone sind aus dem Hohenlohekreis für den Rapper angereist, der einer der Main-Acts am Abend ist. „Bisher war der Höhepunkt für uns aber der Feuerwehrwagen“, sagen sie. Die Feuerwehr hat an dem heißen Tag einen Wagen auf dem Gelände aufgestellt und lässt über Stunden Wasser aus einem Schlauch spritzen. Eine willkommene Abkühlung für die Besucher, die keine Scheu zeigen, nass zu werden.
Trotz der Vorliebe vieler Besucher für die Musik werden an den Merchandise-Ständen vor allem T-Shirts vom Kesselfestival selbst verkauft. Ein Modell hat ein Motiv abgedruckt, das von der Community gewählt wurde. „Am Freitag sind vor allem die Deichkind-Cappys weggegangen“, sagt ein Mitarbeiter. Die Hamburger Band hatte am Freitag ein denkwürdiges Konzert auf dem Wasen gespielt.
Viral-Hit Jörn Kleemann und sein Roboterhund begeistern
Auf dem Festivalgelände gibt es mitunter Kurioses zu sehen. Einer der auffälligsten Menschen ist Jörn Kleemann. Er ist schon mehrfach in Stuttgart viral gegangen, weil er gerne mit seinem Roboterhund auf belebten Plätzen Gassi geht. Auf dem Festivalgelände ist sein „Hund“ auch wieder dabei.
Jörn Kleemann und sein Roboterhund Foto: STZN
Er lässt ihn per Sprachsteuerung Pfötchen geben, um die anderen Besucher zu unterhalten. Er hat aber noch eine weitere Mission, wie er sagt: „Ich verteile heute Sonnencreme; die Leute sollen ja keinen Hautkrebs bekommen.“ Warum er den Roboterhund dabei hat, macht er nicht deutlich. Doch so viel ist klar: Er hat ihn in Stuttgart gekauft.
Zum Blickfang wird auch ein DJ, der Musik auf dem Anhänger eines Fahrrads spielt. Der Anhänger hat die Form eines großen Müllcontainers und daneben ist die Aufschrift eines Stuttgarter Entsorgungsfachbetriebs zu sehen. Das nennt man mal geglückte Werbung. Fahrer und DJ kurven über das Festivalgelände und ernten viele Lacher.
Auf dem Gelände gibt es aber auch genug Möglichkeiten, sich von dem großen Geschehen zurückzuziehen. So befindet sich das Hip-Hop-Kiosk im Grünen in der Nähe des Neckars. Es gibt Liegestühle und eine Ecke mit Hängematten, von wo aus man die Musik aus der Entfernung genießen kann.
Man kann sich aber auch zu einer möglicherweise vorschnellen Entscheidung für die Ewigkeit hinreißen lassen. Das ist das Geschäft des Tattoo-Ateliers Individual Ink: mit nur einer halben Stunde Wartezeit kann man sich ein beliebiges Motiv für die Ewigkeit herstellen lassen. „Die meisten machen bei uns ihr erstes Tattoo und sind vollkommen spontan. Es sind dann eher kleine Motive“, sagt ein Mitarbeiter. Ob sie die spontane Entscheidung später bereuen? Er weiß es nicht, sagt er.