Kesselfestival auf dem Wasen Max & Joy, Deichkind und Co.: Wenn Stuttgart zum Soundkessel wird
Beim Auftakt des Stuttgarter Kesselfestivals am Freitag feiern 20 000 Besucher auf dem Wasen mit Max Herre und Joy Denalane, Meute und Deichkind.
Beim Auftakt des Stuttgarter Kesselfestivals am Freitag feiern 20 000 Besucher auf dem Wasen mit Max Herre und Joy Denalane, Meute und Deichkind.
Das Kessselfestival ist zurück! Neben all den Musik-Acts, die sich über das gesamte Festivalgelände verteilen, sorgen beim Auftakt am Freitag auch die Headliner für einen tollen Start am Neckarufer. Nachdem am Nachmittag schon Greeen auf der Palastzeltbühne mit Reggae und Battle-Rap gefällt, gibt es am frühen Abend auf der Hauptbühne das Heimspiel von Max Herre und Joy Denalane zu sehen.
Nostalgie kommt auf, wenn um kurz nach 18 Uhr der „Esperanto“-Einspieler aus den Boxen tönt, und Max Herre dann „Wo sind meine Stuttgarter?“ ruft. Singend kommt Joy Denalane dazu, und man weiß: Das Traumpaar des deutschen Hip-Hop ist gekommen, um Liebe durch Musik zu schenken. „Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist“, die Coverversion von Lenny Kravitz’ „It Ain’t Over ’til It’s Over“, ist hier nur ein Beispiel dafür. In gut einer Stunde spielen sie Songs wie „1ste Liebe“, „A-N-N-A“ oder „Skyline“, aus all ihren musikalischen Jahren ist etwas dabei. All das mündet in ihrem ultimativen Liebeslied „Mit dir“.
Von so viel Romantik geht es rüber zur Palastzeltbühne. Hier erwartet einen die elfköpfige Techno-Marching-Band Meute. Schon nach wenigen Minuten entsteht hier ein frühabendlicher Rave. Erst gedämpft, dann energisch breitet sich der Bläsersound der Hamburger aus, um allmählich zu explodieren: Saxofon, Trompete, Sousafon, Posaune, Trommel, Marimba – Bäm!
Zurück zur Hauptbühne und zum Highlight an diesem Tag: Deichkind! Ja, sie sind erneut gekommen, um es krachen zu lassen. Immerhin ist ihr letztes Konzert auf dem Cannstatter Wasen schon wieder zwei Jahre her. Und erst im Dezember letzten Jahren sind sie in der Schleyerhalle aufgetreten.
Für zwei Stunden spielen sie ihr spektakuläres Set. Dass Kunst von Deichkind kommt, möchte man bei der Show dieser Hip-Hop-Elektropunks gern glauben. Roger Rekless heizt dem Publikum als MC ein, während die insgesamt siebenköpfige Truppe über die Bühne pfeffert. „Früher Jugendhaus West und heute hier“, ruft Rekless in die Menge – wie die Zeit doch vergeht.
Ist es der Film „Citizen Kane“, den sie beim Bühnenbild von „Wer sagt denn das?“ zitieren? Und haben sie später einen Jackson-Pollock-Moment auf ihre Stellwände platziert? Vielleicht kann es der halbnackte Mann beantworten, der auf Rollschuhen Pirouetten dreht. Natürlich haben sie ihr Fass dabei, in dem sie sich zu „Roll das Fass rein“ durchs Publikum treiben lassen. Hatten sie vor zwei Jahren noch eine Fahne mit der Aufschrift „Kein Bier für Nazis“ dabei, schreiben sie nun „Opas gegen Rechts“ darauf. Sie gehen eben mit der Zeit. Am Ende gibt es „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“ und den gewohnten Abriss, bei dem Stuttgart regelrecht zum Soundkessel wird. So verausgaben können sich fast nur die Deichkinder mit ihrer ganz großen Show.
Eine Neuigkeit gibt es am Abend dann auch noch: Per Einspieler gibt das Berliner Musiker-Duo SDP bekannt, beim Kesselfestival 2026 dabei zu sein und wir hoffen, dass bis dahin keiner in der Nacht von Freitag auf Montag verloren geht.
Am Samstag, 5. Juli, stehen bei dem Kesselfestival unter anderem Auftritte von den Donots (17 Uhr), Bosse (18 Uhr), Ski Aggu (19 Uhr), Paula Hartmann (20:30 Uhr), Kontra K (20:45 Uhr) und Plastik Funk (22:15 Uhr) auf dem Programm. Hier geht es zum Timetable.