„KI-Marie“ Schwarzwald droht Aus bei Tourismuspreis
Nur marktfähige Projekte sind beim Deutschen Tourismuspreis erlaubt. Bei der „KI-Marie“ aus Freiburg gibt es daran inzwischen Zweifel.
Nur marktfähige Projekte sind beim Deutschen Tourismuspreis erlaubt. Bei der „KI-Marie“ aus Freiburg gibt es daran inzwischen Zweifel.
Es war ein doppelter Erfolg für die Schwarzwald Tourismus Gesellschaft (STG). Beim Wettbewerb um den Deutschen Tourismuspreis, mit dem alljährlich besonders innovative Projekte ausgezeichnet werden, kamen die Freiburger unter 55 Einreichungen nicht nur in die Top-12-Auswahl. Mit ihrer „Schwarzwald Marie“ – einer mit Künstlicher Intelligenz generierten Markenbotschafterin – wurden sie sogar als erster Teilnehmer gleich ins Finale katapultiert. Beim Deutschen Tourismustag im November in Saarbrücken treten sie damit gegen vier noch zu kürende Konkurrenten an – mit reeller Siegeschance.
Direkt in die Endrunde kamen die Schwarzwälder im September bei einer Online-Abstimmung von Expertenjury und Publikum. Überzeugt hatten sie mit einem Projekt, das der STG-Geschäftsführer Hansjörg Mair als „neue Dimension“ im Tourismusmarketing präsentierte. Per Webseite und Smartphone-App lotse die KI-Marie – visuell eine moderne Version des Bollenhut-Mädels – Besucher in und durch den Schwarzwald. Mehr als 100 000 Informationen zu touristischen Angeboten seien stets aktuell abrufbar, und das in 26 Sprachen – ein „neuartiges, interaktives Erlebnis“.
Doch auf den doppelten Triumph folgte ein deutlicher Dämpfer. Inzwischen ist nicht einmal mehr sicher, dass die Schwarzwälder überhaupt im Rennen bleiben. Beim Deutschen Tourismusverband in Berlin als Veranstalter sind nämlich Zweifel aufgekommen, inwieweit sie die Wettbewerbsbedingungen erfüllen. Bis zur nächsten Etappe am 20. Oktober – dem Online-Votum zum „ADAC-Publikumspreis“ – müssen sie das nachweisen, sonst sind sie raus.
Es geht um ein entscheidendes Kriterium für die Teilnahme: die Projekte müssen nicht nur geplant, sondern bereits „in die Tat umgesetzt“ und mithin marktfähig sein. Bei der „Schwarzwald Marie“ aber, stellte sich bei der Befragung durch die Jury heraus, fehlt ein zentrales Element noch: der in den Auftritt integrierte Chatbot, also eine virtuelle Figur, die fast wie ein Mensch im Zwiegespräch Fragen beantworten und Tipps geben kann. Eine Großmutter könne sich da zum Beispiel erkundigen, wo sie für einen Spaziergang mit ihrem Enkel einen Rollator-tauglichen Weg finde, schwärmte Mair. Derzeit sei man dabei, die KI-Marie „noch einmal aufs Schärfste zu testen“ und weiter zu trainieren. Bis „Ende des Monats“ – das war im September – solle sie umfassend verfügbar sein.
Bei der Vorauswahl durch die Jury, berichtet ein Sprecher des Deutschen Tourismusverbands, habe die digitale Kommunikation über die Web-App noch funktioniert. Inzwischen sei man informiert worden, „dass aktuell technische Probleme … bestehen“ und zu Verzögerungen führen. Solche Herausforderungen könne es bei Digitalprojekten geben. Sie seien „für uns als DTV nicht absehbar und in ihren technischen Abläufen auch nicht zu bewerten“. Mit den Schwarzwäldern befinde man sich nun in einem „intensiven und offenen Austausch“.
Ursprünglich wollte man in Freiburg schon weiter sein. „Spätestens im Sommer“, hieß es zu Jahresbeginn, werde die KI-Marie an den Start gehen. Doch womöglich wurde die Komplexität des Vorhabens unterschätzt. Die gesammelten Daten müssen so bereitgestellt werden, dass die Künstliche Intelligenz daraus verlässliche Auskünfte ableiten kann. Mit nur halbwahren oder gar fantasierten Antworten wäre niemandem gedient.
Zuständig ist ein Partner, der im gleichen Haus wie die STG residiert: die Land in Sicht AG. Mit „toubiz“ betreibt sie die zentrale Datenbank für die touristische Infrastruktur in Baden-Württemberg; auch die Tourismus-Marketing-Gesellschaft des Landes (TMBW) setzt darauf. Seit Jahren wird das System im Südwesten genutzt und geschätzt. Aber kann es, zumindest in der derzeitigen Form, auch mit Künstlicher Intelligenz kombiniert werden? Daran kamen zuletzt teilweise Zweifel auf. Der Vorstand Ralf Vogel sieht kein Problem: Es gebe eine entsprechende Schnittstelle, die man zu Jahresbeginn „speziell für die Nutzung in KI-Anwendungen optimiert“ habe. Für die zuständige Agentur Saint Elmo’s Tourism bilden die Daten aus toubiz „eine solide und verlässliche Grundlage“. Es sei freilich technisch anspruchsvoll, sie „in einen lebendigen Dialog zu übersetzen“.
Der oberste Schwarzwald-Vermarkter Mair lässt keinen Zweifel daran, dass das am Ende gelingen wird. Nach internen Testläufen drehe man derzeit noch „ein paar Extrarunden“, um die KI-Marie zu perfektionieren; daraus resultiere die Verspätung. „Ja, wir machen es spannend“, sagt Mair. Doch er sei überzeugt: bis zum 20. Oktober werde ein Angebot stehen, „das den Anforderungen des Deutschen Tourismuspreises gerecht wird“.