Weniger Fellbacher Kinder, das läuft vermutlich auf eine Reduzierung der Kita-Standorte hinaus. Foto: Patricia Sigerist (Archiv)
Mütter und Väter protestieren gegen den Sparkurs von Verwaltung und Gemeinderat bei der Kinderbetreuung und gegen die mögliche Schließung von kleineren Kindertagesstätten.
Dirk Herrmann
04.02.2026 - 06:01 Uhr
Die angepeilten Millionenbeträge, die Fellbach im Zuge der Haushaltskonsolidierung einsparen will und muss, haben erhebliche Einschnitte zur Folge. Das sorgt durchaus für Diskussionen und Verunsicherungen – etwa bei den älteren Menschen in der Stadt, die wegen der drohenden Schließung der drei Seniorenbegegnungsstätten den Verlust einer wichtigen Anlaufstation fürchten. Man werde das Thema Senioren und Treffpunkte noch „in Ruhe mit den Betroffenen besprechen“, versicherte kürzlich OB Gabriele Zull.
Bestürzung löst bei manchen zudem auch die angekündigte Schließung kleinerer Kindertagesstätten in Fellbach aus. Etliche Eltern richten jetzt einen eindringlichen öffentlichen Appell an die Stadtverwaltung und die Gemeinderäte, diese Entscheidung zu überdenken.
Starker Rückgang der Geburtenrate seit 2023
Das Lokalparlament hatte kurz vor Weihnachten einmütig das Konsolidierungspaket I beschlossen, wonach das Betreuungsangebot in den Fellbacher Kinderbetreuungseinrichtungen, etwa bei den Öffnungszeiten, eingeschränkt werden soll. Zudem sollte geprüft werden, welche Kindergärten dauerhaft entbehrlich seien. Dies erfolge speziell vor dem Hintergrund des erheblichen Rückgangs der Geburtenrate seit 2023. Deshalb habe Fellbach einen rechnerischen Überhang an Betreuungsplätzen, führte der Erste Bürgermeister Johannes Berner aus.
Vorzugsweise müssen die Verantwortlichen bei der Auswahl, wem das Aus droht, Einrichtungen mit erheblichem Sanierungsbedarf, funktionalen Einschränkungen oder konzeptionellem Anpassungsbedarf identifizieren. Dabei geht es insbesondere um „eine mögliche Schließung kleiner Kita-Standorte“. Eine Entscheidung im Gemeinderat über die Kita-Bedarfsplanung ist für Juli 2026 anvisiert.
Rund ein Dutzend Mütter und Väter haben nun vor einigen Tagen ein gemeinsam formuliertes Schreiben an unsere Redaktion geschickt. Die aktuelle Entwicklung sehen diese Eltern „sehr kritisch“. Deshalb wolle man sich nun hiermit in der Öffentlichkeit Gehör verschaffen, heißt es in dem von Melanie Munk, Geschäftsführerin von Munk Zerspanungstechnik in Fellbach, und weiteren Eltern unterschriebenen Vorstoß.
Die Stadt Fellbach habe in den vergangenen Jahren „viel Geld“ in den Bau neuer, moderner Kindertageseinrichtungen investiert. „Umso größer ist das Unverständnis – und ehrlich gesagt auch die Enttäuschung – darüber, dass nun bestehende Einrichtungen mangels Bedarfs Betreuungszeiten reduzieren oder sogar ganz geschlossen werden sollen.“ Für viele Familien fühle sich diese Entscheidung „widersprüchlich und wie ein Schlag ins Gesicht an“.
Was auf dem Papier nach Einsparpotenzial aussehe, habe im Alltag ganz reale Konsequenzen: Eltern müssten ihre Arbeitszeiten einschränken, unfreiwillig in Teilzeit wechseln oder im schlimmsten Fall ihre berufliche Tätigkeit ganz aufgeben. „Die Last einer kommunalen Fehlplanung wird damit direkt auf die Familien abgewälzt – auf Menschen, die ohnehin versuchen, Beruf, Betreuung und steigende Lebenshaltungskosten unter einen Hut zu bringen.“
Betreuung werde „abgebaut und teurer gemacht“
Besonders schwer wiege, dass gleichzeitig die Gebühren für die Kinderbetreuung weiter steigen. Nach der aus Elternsicht „erheblichen Erhöhung“ im Jahr 2025 folge bereits in diesem Jahr die nächste. Für viele Familien, insbesondere mit mehreren Kindern, sei diese Entwicklung kaum noch zu bewältigen. „Wer Betreuung abbaut und sie zugleich teurer macht, darf sich nicht wundern, wenn Eltern sich im Stich gelassen fühlen.“
Verlässliche und familienfreundliche Kinderbetreuung sei kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für soziale Gerechtigkeit und berufliche Teilhabe. „Sie darf nicht kurzfristigen Sparzwängen geopfert werden – denn sie ist und bleibt ein zentraler sozialer und wirtschaftlicher Standortfaktor für Fellbach.“