Kinderbetreuung in Stuttgart So unterschiedlich steigen die Kita-Gebühren – „Ungerecht für Eltern“

Die Kita-Gebühren in Stuttgart steigen je nach Träger und Betreuungsform um vier bis 40 Prozent. Foto: /dpa

Die Gebühren für die Kinderbetreuung erhöhen sich – aber nicht für alle Eltern und Einrichtungen gleichermaßen. Wer muss was künftig zahlen und warum?

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Die Stadt Stuttgart muss sparen. Weil die Gewerbesteuereinnahmen dramatisch um fast 50 Prozent gesunken sind, sind die Etatberatungen im vergangenen Herbst so schwierig gewesen wie schon lange nicht mehr. Das bekommen auch die freien Träger der Jugendhilfe zu spüren. Ihre Zuschüsse wurden gekürzt, darunter die Förderung für die Kindertagesstätten.

 

In der Folge müssen Eltern künftig deutlich mehr für die Betreuung ihres Nachwuchses bezahlen. Das Evangelische Vewaltungszentrum Stuttgart hat die Eltern darüber vor wenigen Tagen informiert. Die Gebühren steigen um bis zu 40 Prozent.

Gebührenerhöhungen bei der Katholischen Kirche

Auch die Katholische Kirche Stuttgart wird die Preise anheben. Wegen der Kürzung der Zuwendungen an Kindertagesstätten in freier Trägerschaft fehlten im laufenden Haushaltsjahr etwa 1,13 Millionen Euro, sagt Nicole Höfle. Die Pressesprecherin des Stadtdekanats ergänzt: Um diese Summe auszugleichen, müsse auch die Katholische Kirche – vorbehaltlich des letzten Gremienbeschlusses am 19. März – die Elternbeiträge um 30 Prozent erhöhen. Zudem steige das Essensgeld von derzeit 70 Euro um rund 20 Prozent auf 85 Euro im Monat. Soviel wird künftig auch in städtischen Kitas für die Mahlzeiten fällig.

Der Elternbeitrag entspreche nicht den tatsächlichen Kosten der Betreuungsleistung, er sei eine Beteiligung an den Betriebskosten, stellt Nicole Höfle klar und fügt hinzu: Die Katholische Kirche trage auch weiterhin über die Kirchensteuer einen Teil der Gesamtkosten. Jedoch seien nicht nur öffentliche Haushalte mit sinkenden Steuereinnahmen konfrontiert, sondern auch die großen Kirchen. Will heißen: die Kirchen sehen sich nicht dazu in der Lage, die gekürzten Zuschüsse durch Eigenmittel auszugleichen.

Bisher sind die Kita-Gebühren von städtischen und kirchlichen Einrichtungen vergleichbar.

  • Ein Ganztagsplatz für ein Kind unter drei Jahre kostet 256 Euro.
  • Die sechsstündige Betreuung eines Kleinkinds kostet 182 Euro.
  • Ein Ganztagsplatz für ein Kind zwischen drei und sechs Jahre kostet 186 Euro.
  • Die sechsstündige Betreuung dieses Kindes kostet 112 Euro.

Hinzu kommt jeweils das Essensgeld. Zwar hat der Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen auch für städtische Kitas Gebührenerhöhungen beschlossen. Jedoch sind diese relativ moderat, die Elternbeiträge steigen ab dem 1. August je nach Betreuungsform um vier bis elf Prozent.

Damit werden nicht-städtische Kitas im Vergleich zu städtischen Einrichtungen teurer. Das haben die freien Träger in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses scharf kritisiert. Nicole Höfle formuliert es vorsichtig: „Es ist bedauerlich, dass es zu diesen Unterschieden zwischen den Trägern kommt. Wie sich dies auswirken wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.“

Auch für private Kitas werden die Elternbeiträge steigen

Konnten die Kirchen bisher ihre Kita-Beiträge an die städtischen Gebühren anpassen – vor allem, indem sie auch Eigenmittel investieren – war das den meisten privaten Trägern schon in der Vergangenheit nicht möglich. Wer sein Kind in einer privaten Einrichtung hat, zahlt also ohnehin schon mehr für die Betreuung.

Im Umkehrschluss werden die Preise für private Kitas nicht im gleichen Maße steigen wie in den kirchlichen. Steigen werden sie aber, in welchem Umfang ist noch unklar. Es werde noch gerechnet, sagt Romano Sposito, der Sprecher des Verbands freier unabhängiger Kindertagesstätten Stuttgart (VFKUS). Konzept-e, der größte private Kita-Träger in Stuttgart, werde seine Preise voraussichtlich von August an um neun Prozent erhöhen.

Auch der VFKUS sieht es als problematisch an, dass bei den Kita-Gebühren die Schere zwischen städtischen und nicht-städtischen Einrichtungen auseinander geht. Aus Elternperspektive sei das ungerecht, sagt Romano Sposito. Hinzu komme: „Sollten die Kinderzahlen – wie prognostiziert – weiter zurückgehen, entsteht den freien Trägern ein Wettbewerbsnachteil, weil die städtischen Kitas dann aufgrund der günstigeren Preise stärker nachgefragt sein werden.“

Der Gemeinderat hat im Rahmen seiner Haushaltsberatungen für die kommenden fünf Jahre weitere Erhöhungen beschlossen. Auch die freien Träger werden ihre Elternbeiträge dann wohl wieder anpassen. Die Systematik der Kita-Gebühren in Stuttgart sieht aber auch weiterhin Ermäßigungen für Geschwisterkinder und für finanziell schlechter gestellte Haushalte vor: Wer eine Familien-Card hat, zahlt weniger, wer eine Bonus-Card hat, zahlt nichts für die Betreuung seines Kindes. Zudem sind die Betreuungskosten in Stuttgart nach wie vor deutlich günstiger als in vielen umliegenden Kommunen.

Auch Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (links) und Jugendamtsleiterin Katrin Schulze sprechen sich für vergleichbare Elternbeiträge aus. Foto: Stadt Stuttgart

Dennoch haben die Jugendamtsleiterin Katrin Schulze und die Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses betont, dass vergleichbare Kita-Gebühren in allen Einrichtungen wünschenswert seien. Sie sicherten zu, dass man sich das Thema noch einmal gemeinsam mit den freien Trägern anschauen werde.

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