Der Vorverkauf läuft hervorragend: Für das Heimspiel der Bozic Estriche Kirchheim Knights, so der offizielle Name, in der Zweiten Basketball-Bundesliga Pro A an diesem Samstag (19 Uhr) gegen die Tigers Tübingen sind bereits über 3400 Tickets verkauft. Für die Partie am 11. Januar 2025 (19 Uhr) gegen die Crailsheim Merlins läuft der Vorverkauf so gut wie noch nie. Und schon am 26. Oktober gegen die Dresden Titans waren 3500 Besucher gekommen.
Drei „Event-Spiele“
Es sind die drei sogenannten „Event-Spiele“, die die Knights – wie schon in der vergangenen Saison – auch in der aktuellen Runde in der Göppinger EWS-Arena austragen. Der Grund ist klar: In die Kirchheimer Sporthalle Stadtmitte passen nur 1500 Zuschauer. Ab der Spielzeit 2028/29 gibt es für für die zweite Basketball-Bundesliga neue Regularien, die die Spielstätte unter der Teck in vielerlei Hinsicht dann nicht mehr erfüllt. Die „Ritterburg“ hat also ein nahendes Verfallsdatum, weshalb es für den Verein perspektivisch nur drei Möglichkeit gibt: Den Bau einer größeren Halle mit Hilfe der Stadt oder einem Investor, der Rückzug in die drittklassige Pro B oder ein dauerhafter Umzug nach Göppingen.
Da es derzeit keine Signale für eine neue Großsporthalle in Kirchheim gibt und ein Zwangsabstieg dringend verhindert werden soll, bleibt die EWS-Arena im knapp 20 Kilometer entfernten Göppingen im Rennen. Kirchheims Geschäftsführer Sport Christoph Schmidt hat mit Blick auf diese Variante bereits Kontakte zu der Stadt Göppingen und zu Frisch Auf aufgenommen.
Hofele skeptisch
Die Reaktionen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Oberbürgermeister Alexander Maier sieht in den Basketballern aus der Nachbarstadt eine Chance für die Stadt und für Frisch Auf – und möchte ergebnisoffen in die Gespräche gehen. Gerd Hofele, Geschäftsführer von Frisch Auf und der EWS-Arena Betriebsgesellschaft in Personalunion, hatte den Vorstellungen der Knights bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz des Handball-Clubs wenig Aussichten auf Erfolg gegeben: „Ich kann mir keinen Regelspielbetrieb der Basketballer hier vorstellen.“
„An der Grenze angelangt“
Die Argumente der Skeptiker sind klar. Neben den Männern spielen auch die Frisch-Auf-Frauen in der Handball-Bundesliga. Sie nutzen genauso wie zahlreiche Nachwuchsteams die EWS-Arena für ihre Trainingseinheiten und Heimspiele. Hinzu kommen Vereins- und Schulsport sowie kulturelle Veranstaltungen. Man sei an der Grenze angelangt, weitere 14 Basketball-Ligaspiele unterzubringen, sprenge seine Vorstellungskraft, so Hofele.
Weiterer Knackpunkt im Tauziehen um die EWS-Arena ist das Sponsoring. Die beiden Bundesliga-Clubs sowie die in die Regionalliga aufgestiegenen Fußballer des 1. Göppinger SV fischen in einem ähnlichen, wenn nicht gleichen Teich nach möglichen Geldgebern. Knights-Geschäftsführer Schmidt sieht das anders: „Basketball ist eine weltweite Sportart, spricht bei Zuschauern und Sponsoren eine ganz andere, auch jüngere Zielgruppe an. Zudem wollen wir etwas Überregionales schaffen, mit der Idee, die zwei beliebtesten Indoor-Sporarten zu verbinden.“ Er sieht Synergieeffekte durch gemeinsame Aktionen, aber auch das Potenzial der Marke Frisch Auf. Schmidt: „Für mich gibt es bei den Denkansätzen keine Grenzen.“
Tübingen Tigers auf Augenhöhe
Zunächst aber gilt sein ganzer Fokus dem württembergischen Derby gegen die Tigers Tübingen. Beide Teams haben 18:8 Punkte auf dem Konto und stehen gemeinsam mit Trier hinter den Clubs aus Jena (22:4) und Bochum (20:6) auf den Plätzen drei und fünf. Ob irgendwann vielleicht sogar einmal ein Aufstieg in die Basketball-Bundesliga (BBL) für die Knights denkbar wäre? „Es ist ein schmaler Grat zwischen Vision und Träumerei“, sagt Schmidt. Derzeit liegt der Etat bei knapp einer Million Euro, in der BBL liegt der Mindestetat bei 3,5 Millionen Euro – Tendenz steigend.
Realistischer als ein Ligaspiel gegen die Großen der Branche ist da schon ein Pokalspiel. Schmidts Traumvorstellung wäre es, in der Pro A unter die ersten Sechs zu kommen und dann im Pokal ein Heimspiel gegen einen attraktiven Gegner wie Alba Berlin zugelost zu bekommen.
Dass das im traditionsreichen Handball-Tempel EWS-Arena in Göppingen über die Bühne gehen sollte, muss er nicht extra erwähnen.