Kreis Esslingen Kita-Kosten im Vergleich: „Das belastet Familien enorm“

, aktualisiert am 13.05.2026 - 14:26 Uhr
Betreuungskosten können richtig ins Geld gehen. Foto: imago/Juliane Sonntag

Viele Kommunen erhöhen die Gebühren für die Kinderbetreuung. Wie viel müssen die Eltern im Kreis Esslingen bezahlen?

Die Kita-Gebühren im Kreis Esslingen steigen kontinuierlich. Das bringt viele Eltern in Existenznöte und sie fragen sich, wie lange sie sich die Betreuung ihrer Kinder noch leisten können. Ihr wütender Protest bleibt meist folgenlos. Denn auch die Kommunen stehen angesichts großer Haushaltslöcher und gleichzeitig steigender Pflichtaufgaben unter enormem Druck.

 

Ein Überblick zeigt, dass die Betreuungskosten für Eltern je nach Wohnort aber stark variieren. Für unsere Analyse haben wir die Elternentgelte anhand einer fiktiven Durchschnittsfamilie berechnet, bei der beide Elternteile voll berufstätig sind. Untersucht wurden Esslingen, Kirchheim, Ostfildern, Neuhausen und Wernau sowie teilweise auch kleinere Gemeinden wie Baltmannsweiler oder Erkenbrechtsweiler, in denen der Ganztag mitunter aber nicht abgedeckt ist. Um die Vergleichbarkeit zu erhöhen, haben wir die jährlichen Gesamtkosten berechnet, da manche Kommunen elf, andere zwölf Beiträge erheben.


Kitaplätze im Kreis Esslingen – Unterschiede von mehreren hundert Euro

Wenn beide Elternteile in Vollzeit arbeiten, benötigen sie eine Ganztagsbetreuung für ihr Kind. Pro Woche sind das normalerweise 45 Stunden, mindestens aber 42 Stunden – um zusätzlich zum Vollzeitjob noch den Hin- und Rückweg zur Kita einzuplanen. Wie die folgende Grafik zeigt, kostet diese Form der Ganztagsbetreuung für Unterdreijährige inklusive Mittagessen zwischen 5000 und 10500 Euro im Jahr.

U3: Ostfildern ist am günstigsten, Esslingen am teuersten

Berechnet man die Beiträge inklusive Mittagessen auf die einzelne Stunde herunter, zeigt sich: Neuhausen ist am teuersten (4,82 Euro), dann folgen Esslingen (4,62 Euro), Wernau (4,45 Euro) und Kirchheim (3,73 Euro). Am günstigsten sind die Gebühren pro Stunde in Ostfildern (2,80 Euro).

Günstiger wird es für Kinder, die älter als drei Jahre sind. Auch hier ist der Kindergartenplatz mit rund 3300 Euro in Ostfildern am günstigsten, am teuersten ist er in Wernau mit rund 7200 Euro.

Kürzere Betreuungszeit im Kindergarten auch in Neuhausen am teuersten

Je nachdem, wie der Alltag organisiert wird, reichen unserer Beispielfamilie gegebenenfalls auch 30 Wochenstunden in der Kita oder im Kindergarten aus. In Neuhausen sind in der Krippe jedoch nur 40 Wochenstunden buchbar. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die Kosten für das Mittagessen weggelassen. Die kürzere Betreuungszeit ist in Ostfildern mit rund 3600 Euro jährlich am günstigsten. Am teuersten sind 30 Wochenstunden – mit Ausnahme von Neuhausen – in Wernau mit etwa 5700 Euro, wie die folgende Grafik zeigt:  

Teure Kita-Betreuung im Kreis Esslingen

Auch in der kürzeren Betreuungsform landet Neuhausen auf dem teuersten Platz – was aber auch daran liegt, dass in städtischen Kindergärten immer nur 40 Stunden Betreuung gebucht werden können und nicht weniger, mit Ausnahme des Waldkindergartens. Berechnet man hier ebenso, wie viel die einzelne Stunde kostet, bestätigt sich wieder: Die 30-stündige Betreuung unter Dreijähriger ist nicht in Neuhausen am teuersten, sondern in Erkenbrechtsweiler (3,96 Euro). Erst dann folgen Wernau (3,63 Euro) und Neuhausen (3,45 Euro).

Bei den Betreuungsgebühren für ältere Kindergartenkinder ist Neuhausen allerdings auf die Stunde gerechnet mit 2,21 Euro am teuersten. Darauf folgen Kirchheim (1,42 Euro) und Ostfildern (1,39 Euro).

Kaum Entlastung für Kita-Eltern in Sicht

Eine Entlastung ist für Eltern wohl nirgendwo in Sicht. Einige Kommunen haben ihre Betreuungskosten bereits weiter erhöht oder diskutieren über eine Anhebung. Bei allen anderen im Kreis dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sie nachziehen.

Besonders heftig trifft es Eltern mit jüngeren Kindern, die noch keine drei Jahre alt sind. Prozentual gesehen spürt eine Familie diese Erhöhung in Kirchheim mit rund 16 Prozent besonders stark – verglichen mit einer Erhöhung von neun Prozent in Neuhausen und rund sechs Prozent teureren Gebühren für eine ganztägige Betreuung eines unter Dreijährigen in Esslingen.

Kinderbetreuung ist für die Kommunen oft der größte Zuschussbereich

Den Kommunen laufen unterdessen die Kosten für die Kinderbetreuung aus dem Ruder. Wie groß der Druck ist, zeigt beispielsweise Neuhausen: Die Kinderbetreuung ist dort mit Abstand der größte Zuschussbereich der Gemeinde. Aktuell sind fast 6,7 Millionen Euro Zuschuss für die Betreuung veranschlagt. Pro Einwohner sind das 536 Euro. Anderswo sieht es oft nicht viel besser aus.

Parallel dazu sinken die Einnahmen, sodass die Kommunen versuchen müssen, ihren Haushalt zu konsolidieren. „Kosten einzusparen und Entgelte, Gebühren sowie Steuern zu erhöhen, ist keine Aufgabe, die irgendjemandem Spaß macht. Aber wir müssen aktuell auch für die kommenden Generationen nachhaltig und konsequent wirtschaften”, sagt Ingo Hacker, Bürgermeister von Neuhausen. In der Gemeinde hat die jüngst beschlossene Erhöhung der Kitagebühren für Proteste gesorgt.

„Eltern dürfen nicht länger Lückenfüller sein“

Auch in Esslingen müssen Eltern immer tiefer in die Tasche greifen. „Das belastet die Familien enorm“, sagt Romina Barth vom Esslinger Gesamtelternbeirat (GEB). Sie verweist auf die ohnehin gestiegenen Lebenshaltungskosten und die anziehende Inflation. Dass die Gemeinderatsmitglieder die Erhöhungen damit rechtfertigen, dass die Elternentgelte lediglich rund elf Prozent der tatsächlichen Kosten decken, ändere daran nichts.

„Für uns Eltern ist das kein valides Argument. Bildung und Betreuung müssen für alle Familien zugänglich und finanzierbar sein. Sie müssen sowohl von einer Kommune als auch vom Land als eine der wichtigsten Investitionen angesehen werden“, betont Barth. Beim GEB Esslingen stößt weiterhin auf Unverständnis, dass das Modell mit verlängerten Öffnungszeiten (VÖ) deutlich günstiger als der Ganztag ist, obwohl die Betreuungszeit oft nur um eine Stunde abweicht.

Kommunen fordern Transparenz und mehr Hilfe

Allein gelassen fühlen sich aber auch die Kommunen. In einem offenen Brief an die künftige Landesregierung hat der Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer gemeinsam mit drei Amtskollegen zuletzt mehr Unterstützung bei der frühkindlichen Bildung und somit bei der Kinderbetreuung eingefordert. Auch der Landeselternbeirat Kita (LEBK) sieht dringend Reformbedarf. Die Finanzierung der Kindertagesbetreuung sei strukturell aus dem Gleichgewicht geraten. „Anforderungen, Qualitätsstandards und Kosten steigen kontinuierlich und damit auch der finanzielle Druck auf die kommunalen Kassen – mit unmittelbaren Folgen für Eltern, Träger und Einrichtungen“, schreibt der Landesbeirat in einer Mitteilung. Für Eltern sei es damit häufig eine Frage der Postleitzahl, wie viel sie für einen Kitaplatz zahlen müssten. Der Elternbeirat kritisiert die intransparente Finanzierungsarchitektur zwischen Bund, Land und Kommunen. „Elternbeiträge dürfen nicht länger als Lückenfüller eines strukturell defizitären Systems dienen“, heißt es darin.

Anmerkung: In einer früheren Version hatten wir berichtet, dass Esslingen auf die Stunde gerechnet bei der mehr als 40-stündigen Ü3-Betreuung am teuersten sei. Tatsächlich ist aber Neuhausen am teuersten.

Gebührenvergleich

Gebührenordnung
Für die Höhe der Betreuungsgebühren in mehreren Kommunen des Landkreises haben wir uns an den Gebührensatzungen der Kommunen orientiert. Kirchheim erhöhte zuletzt die Gebühren zum Januar dieses Jahres, Wernau ab Februar. In Esslingen werden seit März höhere Gebühren fällig, in Neuhausen ab April. Ostfildern erhöhte zuletzt im Januar 2025, Baltmannsweiler und Erkenbrechtsweiler im September.

Berechnung
Die Berechnungsmodelle der jeweiligen Kommunen können stark variieren. Um die Gebühren vergleichbar zu machen, wurde, sofern vorhanden, die Betreuungsform mit 45 Stunden zugrunde gelegt. In Esslingen kommt die ganztägige Betreuung mit 42 Wochenstunden (40 Stunden plus zwei zusätzlich gebuchte Stunden) dem am nächsten. In Neuhausen und Wernau wurde eine Betreuungszeit von bis zu 50 Wochenstunden für den Vergleich gewählt. In Esslingen und Ostfildern wurde zudem die Gehaltsstaffelung berücksichtigt und davon ausgegangen, dass die Beispieleltern das kreisweite Bruttojahreseinkommen verdienen. Das lag dem Statistischen Landesamt zufolge im Kreis Esslingen zuletzt bei gut 45 000 Euro. Geht man davon aus, dass beide Eltern in Vollzeit arbeiten, beträgt das Familieneinkommen rund 90 000 Euro im Jahr.

Weitere Themen