Wie viel kostet die Betreuung des eigenen Kindes? Sechs Kommunen haben wir im Vergleich. Foto: imago/Bihlmayer
Wie viel die Betreuung eines Kindes in der Kita oder im Kindergarten kostet, variiert von Kommune zu Kommune stark. Wer zahlt wo wie viel – und wie kommen die Gebühren zustande?
In Rutesheim kostet die 30-stündige Kinderbetreuung seit Anfang dieses Jahres gut sieben Prozent mehr. Andere Kommunen wie Leonberg, Weissach, Hemmingen und Heimsheim haben die Kita-Gebühren schon im vorigen September erhöht – und die Weissacher Verwaltung prüft künftig jährlich zum neuen Kita-Jahr, ob sie weiter erhöhen wird. Wie stark aber variieren die Gebühren für Kita und Kindergarten in Leonberg und Umgebung?
Das haben wir für eine Beispielfamilie in Leonberg und Umgebung berechnet und dabei Leonberg, Gerlingen, Hemmingen, Weissach, Heimsheim und Rutesheim betrachtet. Für eine bessere Vergleichbarkeit wurden dafür die jährlichen Betreuungskosten berechnet, weil manche Kommunen elf, andere zwölf Beiträge erheben. Die Beispielfamilie verdient entsprechend dem landesweiten Durchschnitt, beide Elternteile arbeiten in dem Fall in Vollzeit.
Ganztägige Betreuung in der Kita in Heimsheim am teuersten, bei Kindergarten ist Rutesheim am teuersten
Geht man davon aus, dass beide Elternteile Vollzeit arbeiten wollen oder müssen, bedarf es einer Betreuungszeit von mindestens 42, besser 45 Stunden – damit auch die Fahrtzeiten zur Kita sowie dem Arbeitsort berücksichtigt sind. Inklusive Mittagessen kostet diese Form der Ganztagesbetreuung für Unter-Dreijährige zwischen 7000 und 9000 Euro im Jahr.
Am günstigsten ist das jüngere Kita-Kind in Hemmingen, am teuersten in Heimsheim versorgt. Das zeigt auch ein Vergleich der Stundensätze inklusive Mittagessen in Leonberg und Umgebung, das die verschiedenen Betreuungszeiten besser vergleichbar macht: So kostet die mit 45 Stunden annähernd ganztägige Betreuung in Heimsheim 4,14 Euro pro Stunde, in Hemmingen sind es nur 2,89 für 49 Stunden Betreuung.
Für Ältere Kinder ist es etwas günstiger, sie kosten im Jahr zwischen 4500 und 6600 Euro. Der Kindergartenplatz ist dabei inklusive Mittagessen in Rutesheim mit rund 6600 Euro jährlich am teuersten, in Heimsheim – wo das Kita-Kind am teuersten ist – mit etwa 4500 Euro wiederum am günstigsten. Das zeigt sich auch, wenn man die Stundensätze dort vergleicht: Heimsheim (2,10 Euro) ist dort am günstigsten, Rutesheim (2,82 Euro) am kostspieligsten.
Kürzere Betreuung auch in Heimsheim am teuersten – bei Kindergarten wieder Rutesheim
Hat die Familie Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder können sich die Verdiener ihre Arbeitszeiten flexibel untereinander aufteilen, reichen unserer Beispielfamilie gegebenenfalls auch 30 Wochenstunden Betreuung in Kita oder Kindergarten aus. Hier liegt, wie auch bei der 45-stündigen Betreuungszeit, Heimsheim erneut an der Spitze.
Auch bei der 30-stündigen Betreuung ist das jüngere Kita-Kind in Heimsheim am teuersten untergebracht. Das zeigt ebenso ein Vergleich der Stundensätze: So kostet das Kita-Kind in Hemmingen 2,09 Euro pro Stunde, in Heimsheim 4,16 Euro.
Kindergarten-Kinder sind auch hier deutlich günstiger. In Heimsheim, Gerlingen und Weissach kostet das Kindergarten-Kind sogar deutlich weniger als die Hälfte eines Kita-Kindes. Hier ist das Kindergarten-Kind in Leonberg auf die Stunde gerechnet am teuersten (1,52 Euro), am günstigsten ist der Kindergarten demnach in Weissach (1,03 Euro).
Wie hoch die Kitagebühren in städtischen oder gemeindeeigenen Einrichtungen ausfallen, kann jede Kommune in Baden-Württemberg selbst bestimmen. Einbepreist werden müssen dabei Kosten für Energie, für den laufenden Betrieb, die Inflation – und das Personal, der wohl kostenintensivste Posten in jeder Kommune. „In der Kita ist das Personal eigentlich immer ausschlaggebend“, erklärt der Weissacher Hauptamtsleiter Alexander Langner.
Auch deshalb kostet die Betreuung eines Ü3-Kindes in so ziemlich jeder Kommune deutlich weniger als die eines U3-Kindes, wenn auch mit unterschiedlicher Differenz. In Weissach ist es etwa rund ein Drittel weniger, in anderen Kommunen ist der Unterschied nicht ganz so hoch. Die Differenz orientiere sich ungefähr an den Vorschlägen der Dachverbände, erklärt Langner. „In der Krippe kommen auf zehn Kinder zwei Erwachsene, im Kindergarten deutlich mehr.“
Rutesheim hat Kinderbetreuung um bis zu sieben Prozent erhöht
Das bestätigt auch Martin Killinger, der Erste Beigeordnete von Rutesheim. „Ein U3-Kind belegt in einer normalen Kita zwei Plätze“, rechnet er vor. In seiner Kommune wurden die Kitagebühren zum Januar 2026 erhöht: Die 30-stündige Betreuung in Kita und Kindergarten wurden 7,4 Prozent teurer. Die 50-stündige ganztägige Betreuung in der Kita stieg mit 6,5 Prozent etwas stärker an als im Kindergarten (5,8 Prozent).
Weil man die U3-Gebühren über mehrere Jahre nicht erhöht habe, hatte man diese in Rutesheim anlässlich der jährlichen Fortschreibung der Kita-Bedarfsplanung an den Gebühren etwas mehr angehoben. „In Zukunft sollen alle Gebühren regelmäßig bei anstehenden Erhöhungen grundsätzlich gleichermaßen erhöht werden“, so Killinger.
Viele Kommunen wollen regelmäßig an den Gebühren schrauben
Bei der Kalkulation der Gebühren orientieren sich die meisten Kommunen an den Empfehlungen der Dachverbände, also Städte- und Gemeindetag und den Kirchen. Diese raten den Kommunen meist zu einem Kostendeckungsgrad von 20 Prozent, also jenem Anteil der Kosten für Kinderbetreuung, der von den Eltern durch Gebühren finanziert wird. Erreicht werden diese 20 Prozent in den Kommunen rund um Leonberg meistens eher nicht.
In Rutesheim etwa: Dort liegt man derzeit bei 16 Prozent, trotz der Erhöhung. Verpasst man einmal eine Anpassung der Gebühren, wäre eine Annäherung an die 20 Prozent nur mit einem sprunghaften Ansprung der Gebühren möglich. „Wer aussetzt oder abweicht, hat das Problem, dass er diese Lücke vermutlich nie mehr schließen kann, weil dies später sonst viel höhere prozentuale Erhöhungen erfordern würde“, erklärt Killinger.
In Weissach wurde etwa nach jahrelang gleichen Gebühren im vergangenen Jahr stark angezogen, die Gebühren zum September stiegen um 15 Prozent – dort will man jetzt jedes Jahr über die Gebühren sprechen, meint Langner. Laufend anpassen müsse man die Gebühren entsprechend der Tarif- und Preissteigerungen, erklärt Killinger. „Ohne Anpassungen würde der Kostendeckungsgrad weiter sinken.“
Bei Eltern löst das meist keine Freudensprünge aus. Mehr Kosten werden aber auf sie – und auf die Kommunen rund um Leonberg – wohl bald wieder zukommen. Seit einigen Tagen liegt die neue Empfehlung der Dachverbände vor. Sie sieht eine Erhöhung von 4,5 Prozent für das laufende Kindergartenjahr vor.
Vergleich der Gebühren
Gebührenordnung Für die Höhe der Betreuungsgebühren in mehreren Kommunen des Landkreises haben wir uns an den Gebührensatzungen der Kommunen orientiert. In Rutesheim wurden die Betreuungsgebühren zuletzt zum Januar erhöht. Leonberg, Hemmingen, Weissach und Heimsheim haben zum vergangenen September die Gebühren erhöht.
Berechnung Um die Gebühren vergleichbar zu machen, wurde, sofern vorhanden, die Betreuungsform von 45 Stunden gewählt. In Gerlingen und Hemmingen kommt dem die ganztägige Betreuung mit bis zu 42,5 bzw. bis zu 49 Wochenstunden am Nächsten, in Weissach und Rutesheim die Betreuungsform von bis zu 50 Wochenstunden.
Dafür wurde die Gehaltsstaffelung in Rutesheim berücksichtigt und davon ausgegangen, dass die Eltern dem landesweiten Brutto-Durchschnittsgehalt entsprechend verdienen. Das lag dem Statistischen Landesamt zufolge zuletzt bei etwas mehr als 42 000 Euro. Geht man davon aus, dass beide Eltern in Vollzeit arbeiten, kommen sie gemeinsam auf rund 85 000 Euro im Jahr.