Kleine Vorbilder Was Kinder besser können als Erwachsene
Kinder vergessen Zeit und Raum, denken mehr an sich und wissen, was sie wirklich brauchen. Neun Tipps, was sich Erwachsene von Kindern abgucken sollten.
Kinder vergessen Zeit und Raum, denken mehr an sich und wissen, was sie wirklich brauchen. Neun Tipps, was sich Erwachsene von Kindern abgucken sollten.
Stuttgart - Ständig versuchen Eltern, Pädagogen und manchmal auch Wildfremde, den Kindern zu erklären, was wichtig ist im Leben und was es zu erlernen gilt, dabei sind Kinder und Jugendliche oft viel kompetenter, als die Erwachsenen denken. Die Großen haben zwar mehr Lebenserfahrung und Wissen, aber die Kleinen dafür meist eine gute Intuition, vor allem aber die bewundernswerte Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse zu sehen.
„Zunächst einmal denken Kinder vor allem an sich selbst und sind auf sich fixiert“, sagt Jan-Uwe Rogge, Erziehungsberater und Autor von mehr als 30 Büchern rund um das Thema „Kind, Kegel und Konfliktbewältigung“.
Das Zauberwort heißt Selbstfürsorge. Die könnte man sich vom Nachwuchs abschauen. Vorausgesetzt, man legt die Arroganz ab, alles besser zu wissen. Denn „Kinder sind Lebenskünstler“, findet Rogge, der gemeinsam mit Familientherapeut Malte Leyhausen erklärt, worin die Kleinen den Großen Vorbild sind.
„Kinder wissen zwar noch nicht, was Achtsamkeit ist, doch sie haben die Fähigkeit, sich zu fokussieren, zu versinken in einer Sache, die ihnen Spaß macht. Wir nennen das Flow, wenn es gelingt, beim Tun die Zeit zu vergessen“, stellt Leyhausen fest.
Während so mancher Erwachsene Geld in Achtsamkeitsratgeber oder Schweigeseminare investiert, dann im Alltag aber wieder von Termin zu Termin hetzt, bauen Kinder stattdessen stundenlang Lego, bekleiden Barbies oder spielen mit einer Kugelbahn, und ganz wichtig: Sie vergessen dabei Zeit und Raum.
„Wir könnten uns beispielsweise mal vornehmen, an einem Wochenende absolut nichts zu planen, keine Termine, kein Einkaufen, uns mal nur treiben lassen. Denn was wäre schon dabei, am Montag bei der Arbeit zu sagen: Ich habe rein gar nichts gemacht.
„Kinder sind mutig, wie die Helden aus den Märchen. Sie machen sich auf den Weg, um Neues zu erkunden“, begeistert sich Jan-Uwe Rogge. Jedenfalls, wenn man sie mutig sein lässt, denn von Natur aus wollen Kinder sich ausprobieren. „Natürlich tut es weh, wenn sie dabei auf die Fresse fallen, aber nur wer hinfällt, lernt das Aufstehen. Wer nur getragen wird, weiß weder über das Hinfallen noch über das Aufstehen zu berichten.“
Die Erwachsenen dagegen denken schon oft vor dem Anfangen an das Hinfallen und starten deshalb gar nicht erst. „Kinder sind noch nicht so zugemüllt mit kritischen Gedanken und machen Dinge einfach.“
Pippi Langstrumpf hat es ihrerseits schon hervorragend auf den Punkt gebracht: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“ Sprich, einfach mal machen.
Laut Studien lachen Kinder rund 400-mal am Tag, Erwachsene nur etwa 15-mal. Das Erzählen von Kinderwitzen kann helfen: „Was machen Schafe, die Streit miteinander haben? Sie kriegen sich in die Wolle.“
Picasso hat gewusst: „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“ Kinder lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Sie kämpfen in Socken gegen Drachen und reiten auf Sofakissen durch imaginäre Urwälder. Sie malen einen Klecks und behaupten dann, das sei ein Elefant. Sie sehen in allem ein Wunder und fragen ständig „Warum?“.
Erwachsene überlegen dagegen, ob etwas zu albern und überhaupt realistisch ist oder ob sie nicht viel zu alt sind für Luftschlösser. „Dabei kann man die eigene kindliche Neugier aus dem Dornröschenschlaf erwecken“, findet Malte Leyhausen, „indem man sich bewusst entscheidet, eine Sache zu machen, die man noch nie gemacht hat. Und wenn das auch mal nur bedeutet, sich als Rechtshänder mit der linken Hand die Zähne zu putzen oder sich eine neue Fähigkeit oder neues Wissen anzueignen.“ Es braucht definitiv mehr erwachsene Dinosaurier- oder Einhornfachleute.
„ICH ist das wichtigste Wort beim Heranwachsenden“, weiß Erziehungsberater Rogge. Kinder sagen, wenn sie jemand doof finden, und essen, wenn sie hungrig sind. Babys schreien, wenn sie Nähe brauchen, und Teenager liegen herum, wenn sie „Ruhe“ benötigen. Was keinen Spaß macht, kann weg, und Wünsche sollen möglichst „sofooort!“ erfüllt werden.
„Da kann man sich als Erwachsener mal fragen: Habe ich noch genauso guten Kontakt zu meinen Bedürfnissen? Was brauche ich jetzt wirklich?“ Beispiel Essen: Im Erwachsenenalter hält man gern Diät oder inhaliert mal eben nebenbei die komplette Chipstüte.
Dabei gäbe es laut der Wissenschaft keine Gewichtsprobleme, würden wir nur essen, wenn wir wirklich hungrig wären. „Ein Baby dagegen hört auf zu trinken, wenn es satt ist“, so Erziehungswissenschaftler Leyhausen.
„Kinder kommen völlig ohne Vorurteile auf die Welt“, erklärt Leyhausen. „Sie werden nur von außen geprägt. In einer Krabbelgruppe würde kein Kleinkind auf die Idee kommen, ein Kind mit anderer Hautfarbe zu diskriminieren.“ Punkt, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Teenager könnte man manchmal auf den Mond schießen. Auf den Wunsch, sich an Familienaktivitäten zu beteiligen oder mal eben den Müll rauszubringen, reagieren sie mit Ablehnung. Doch keine Panik, davon dürfen wir lernen, so Malte Leyhausen: „Das hat tollen Vorbildcharakter, denn wir Erwachsenen sagen viel zu oft ,Ja‘, weil wir meinen, wir müssten das so machen.
In der Pubertät dient dieses Abgrenzen aber vor allem dem Sich-selber-Finden. Das ist zwar furchtbar anstrengend für die Eltern, aber man kann sich ja auch selbst mal hinterfragen: Führe ich mein Leben so, wie ich das will und für richtig halte?“ Viele werden diese Frage vermutlich mit „Nein“ beantworten.
Kinder sind meist sehr impulsiv: Sehr fröhlich, sehr traurig oder sehr wütend, aber sie sind nicht sehr nachtragend. Spätestens nach dem Schlafen startet ein neuer Tag, an dem die Welt dann wieder in Ordnung ist.
Etwa die Hälfte der Deutschen ist unzufrieden mit dem Aussehen. Die meisten wollen schlanker sein, vollere Haare oder kleinere Nasen haben. Kinder wünschen sich stattdessen Flügel zum Fliegen oder Beine von Geparden, um schneller laufen zu können.