Hinter diesem üppig bewachsenen Haus im Stuttgarter Süden verbirgt sich ein Theater. Foto: Theater am Faden
Die Calwer Passage mit ihren Tausenden Pflanzen an der Fassade kennt fast jeder in Stuttgart. Doch es gibt noch mehr schöne, begrünte Häuser in der Stadt – teils von Firmen, teils von Privatleuten. Eine Übersicht mit Bildern.
Es existieren wohl kaum in Stuttgart lebende Personen, die die üppig begrünte Fassade an der Calwer Passage nicht kennen. An dem Gebäude zwischen Theodor-Heuss-Straße und Rotebühlplatz wachsen mehr als 11 000 Pflanzen in rund 2000 Kübeln. Doch es gibt in der Landeshauptstadt noch mehr schöne, begrünte Häuser. Teils werden diese von Privatleuten gepflegt, teils gehören sie Firmen. Fünf Beispiele.
1. Calwer Passage
Das prominenteste Beispiel zuerst: Auf 1700 Quadratmetern Fassade verteilt sieht man an der Calwer Passage Immergrün, Winterjasmin, Strauch-Efeu und Klematis ranken, zudem gedeiht ein kleiner Mischwald auf dem Dach. Bewässert wird das Ganze mittels einer intelligenten Wassersteuerung.
Die Calwer Passage wurde professionell begrünt – und gepflegt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
2. Theater am Faden
Es sieht verwunschen aus, erinnert an eine Märchenhütte: das Theater am Faden in Stuttgart-Süd. Bei dem alten Haus an der schmalen Hasenstraße findet sich nicht nur im Innenhof viel Grün, auch die Fassade ist über und über bewachsen. Hier Wildrosen, dort Knöterich, hier wilde Klematis, dort Efeu. Rund um den Aprikosenbaum wächst Wein.
Die Chefin Helga Brehme würde sich wünschen, dass mehr Menschen ihrem Beispiel folgen. Die Pflege der Pflanzen und das Aufkehren von Blättern erledigt sie mit ihrem Mitarbeiter, „aber übermäßig viel Arbeit ist das nicht“.
Das Theater am Faden in Stuttgart-Süd wird von den Theaterleuten gepflegt. Foto: Theater am Faden
3. Privathaus in S-West
Im Stuttgarter Westen gibt es ein Haus, an dem sich grüne Kletterpflanzen vom Boden bis an die Dachrinnen empor ranken. Das Privathaus ist rundherum von wildem Wein und Glyzinien bedeckt. Wer näher kommt, entdeckt Eidechsen und unzählige Insekten, überall summt und brummt es. Im Herbst fallen die Blätter des Weins ins Auge, sie leuchten dann in Gelb und Rot.
Ein Privathaus von zwei Familien im Stuttgarter Westen /Jonas Schöll
Bei dem Neubau der Baufirmen Strabag und Züblin in Stuttgart-Möhringen wurde die Ostseite des Gebäudes teils begrünt. An dem sogenannten Innovation Center wurden zwei Streifen mit einer Breite von je 3,60 Metern und einer Höhe von über 20 Metern bepflanzt. Das entspricht rund 150 Quadratmeter Fläche.
Die Ostseite des Neubaus von Züblin und Strabag in Stuttgart-Möhringen wurde professionell begrünt. Foto: H/elix Pflanzensysteme
5. Grünflächenamt der Stadt Stuttgart
Beim Grünflächenamt einer Stadt ist es wohl beinahe schon selbstverständlich, dass deren Gebäude begrünt werden muss. Und so ist es auch in Stuttgart, unweit des Killesbergparks. Übrigens gibt es von der Stadt das sogenannte Grünprogramm; ein Förderprogramm für Fassaden- und Dachbegrünungen sowie für Entsiegelungen und insektenfreundliche Begrünungen. Man bekommt also Geld für solche Maßnahmen. Auch in anderen Kommunen wie etwa Ludwigsburg gibt es solche Programme.
Auch das Grünflächenamt der Stadt Stuttgart nahe des Killesbergpark ist begrünt. /Max Kovalenko
Es bringt immer dann viel, wenn mehrere Menschen aktiv werden. Einzelne Fassadenbegrünungen helfen aber zumindest dem Mikroklima: Eine Steinfassade kann sich im Sommer auf 60 bis 80 Grad aufheizen, bei einer begrünten Fassade sind es maximal 35 Grad. Und steht man direkt vor einer begrünten Fassade, kann es dort sechs bis acht Grad kühler sein als in der restlichen Umgebung. Denn die Pflanzen verdunsten das Wasser, mit dem sie gegossen werden. Dadurch entsteht ein Kühleffekt. Darum ist es bei Hitze im Wald auch angenehmer als unter einem Sonnenschirm.
Zudem binden Pflanzen CO2 sowie Staub. Und begrünte Fassaden und Dächer können Regenwasser speichern, das sonst direkt in den Gully fließen würde. Auch Tieren hilft das Ganze: Je vielfältiger man die Pflanzen für eine Begrünung auswählt, desto mehr Habitate schafft man für Vögel, Fledermäuse oder Insekten.