Die Stadtwerke Stuttgart wollen elf neue Nahwärmenetze schaffen – für das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 reicht das bei Weitem nicht. Foto: IMAGO/Sven Simon
Die Stadt hat viele neue Wärmenetze bis 2035 eingeplant, um das Klimaziel zu erreichen. Doch eine Analyse zeigt: Die Stadtwerke schaffen nur einen Bruchteil. Das wirft Fragen auf.
Nicht einmal mehr zehn Jahre, dann will Stuttgart klimaneutral sein. Dazu gehört auch die Wende bei der Wärme: Alle Öl- und Gasheizungen sollen 2035 verschwunden sein, zumindest theoretisch. Statt dessen sollen die Stuttgarter künftig rund zur Hälfte mit Wärmepumpen heizen. Der Rest wird nach den Berechnungen in der Kommunalen Wärmeplanung der Stadt aus dem bestehenden Fernwärmenetz und aus neuen Nahwärmenetzen beliefert.
Doch diese Pläne wackeln gewaltig. So müssten jährlich 3500 Wärmepumpen in Stuttgart neu eingebaut werden – im ersten Halbjahr 2025 waren es aber gerade 363, wenn man nach den Anträgen für eine städtische Förderung geht. Was dieses Jahr fehlt, müsste in den kommenden Jahren zusätzlich zugebaut werden.
Das Fernwärmenetz soll zwar nur geringfügig erweitert werden. Aber angesichts hoher Anschlusspreise und des weiter schwelenden Grundsatzkonflikts um das Netz zwischen Stadt und EnBW geht es auch in diesem Bereich eher langsam voran, auch wenn die EnBW in diesem Jahr eine Anschlussoffensive gestartet hat. Zudem wird die Fernwärme noch immer zu drei Vierteln mit fossilen Brennstoffen hergestellt. Ob die Umstellung der EnBW-Kraftwerke auf Wasserstoff in den 2030er Jahren klappt, ist offen.
Ähnlich anspruchsvoll sind die Ziele bei den Nahwärmenetzen, von denen es bisher nur sehr wenige gibt in Stuttgart. Die neuen sollen im Jahr 2035 laut dem Kommunalen Wärmeplan rund 300 der vermutlich dann noch benötigten 4100 Gigawattstunden Wärme pro Jahr liefern. Doch wie die Stadtwerke Stuttgart jetzt auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt haben, planen sie derzeit zwar elf bis zwölf neue Nahwärmenetze in der Stadt, die zusammen aber wohl nur rund 55 Gigawattstunden erzeugen und verteilen können. Die Stadt hatte noch 145 Gigawattstunden für diese elf Netze veranschlagt.
In Botnang wollen Bürger selbst ein Nahwärmenetz bauen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Am Rotweg in Zuffenhausen und am Wiener Platz in Feuerbach wollen die Stadtwerke demnächst loslegen. Beides sind eher kleinere Projekte mit je unter einem Kilometer Leitungslängen. Auch die Winterhalde in Bad Cannstatt (1,5 Kilometer Leitungslänge) soll in den nächsten beiden Jahren starten. Beim mit Abstand größten Projekt, dem Synergiepark Vaihingen, wird gerade nach den Standorten für drei Energiezentralen gesucht – die Verfügbarkeit von Flächen ist eines der Nadelöhre für die Verwirklichung von Nahwärmenetzen.
Wie die große Lücke von rund 245 Gigawattstunden pro Jahr bis 2035 geschlossen werden könnte, darüber kann oder will die Stadt derzeit noch nichts Konkretes sagen. Man sei dabei, Alternativen zu entwickeln, heißt es, man werde manche Quartiere nochmals neu betrachten, und man will auch nochmals rechnen, woher welcher Anteil an Wärme kommen soll. Womöglich wird in der Fortschreibung des Wärmeplans, der vermutlich im Oktober erscheinen soll, mehr zu lesen sein.