Klimaziele in Filderstadt Der Weg zur Wärmewende ist lang

Zunächst muss die Dach-Photovoltaik in Filderstadt ausgebaut werden. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Wärmeplanung für die Stadt ist fertig und soll am 15. Juli als Konzeption fürs weitere Handeln beschlossen werden. Welche Potenziale werden wo gesehen?

Seit dem Jahr 2022 ist daran gearbeitet worden, nun steht die Wärmeplanung für Filderstadt. Darin zeigt die Firma Endura Kommunal – die Berater begleiten Gemeinden bei nachhaltigen Energie- und Mobilitätsprojekten – sechs Pflichtaufgaben auf, die Filderstadt zu erledigen hat. Zunächst muss die Dach-Photovoltaik ausgebaut werden. Auch muss die Sanierung des kommunalen Gebäudebestandes vorankommen. Eine Konzeption, was wann gemacht wird, gibt es noch nicht, bekannte der Erste Bürgermeister Falk-Udo Beck in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses. „Derzeit fahren wir eher das Prinzip der Feuerwehr“ – saniert wird also, wo es klemmt.

 

Aufgabe drei: Die Möglichkeiten der Abwärmenutzung aus Abwasser und Industrie müssen konkretisiert, technisch untersucht und weiterverfolgt werden. Eine Vorstudie zum Thema Tiefengeothermie in der Stadt muss auch angegangen werden. Fünftens muss eine Machbarkeitsstudie für ein Wärmenetz im Weilerhau beauftragt werden. Und zu guter Letzt soll auf einen Transformationsplan für das bestehende Wärmenetz rund um das Gartenhallenbad ein Fokus gelegt werden – weg vom Erdgas, das heute noch genutzt wird. Mit der Umsetzung von fünf dieser sechs priorisierten Ansatzpunkte soll in den nächsten fünf Jahren begonnen werden. „Natürlich haben wir aber noch mehr Maßnahmen“, sagt Maximilian Schmid, der Bereichsleiter Kommunale Wärmeplanung bei Endura. Die Konzeption soll der Gemeinderat am 15. Juli beschließen.

Die Grundlage des Ganzen ist ein mehr als 100 Seiten starkes Gutachten von Endura. Es beinhaltet eine Bestands- und Potenzialanalyse – und die zeigt, dass es viel zu tun gibt. Der Gesamt-Wärmbedarf in Filderstadt liegt demnach bei mehr als 500 Gigawattstunden, etwa 63 Prozent davon entfallen auf Privathaushalte. Im Landkreis-Vergleich haben die Filderstädter Haushalte einen überproportional hohen Verbrauch. Zudem ist die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern groß. 2020 wurden in der Stadt 65 Prozent des Wärmebedarfs durch Erdgas gedeckt und 28 Prozent mit Heizöl. Biomasse sowie Wärmenetze wiederum spielten mit sieben Prozent eine geringe Rolle. Und noch etwas fällt auf: Der Sanierungsbedarf der Heizungsanlagen in der Stadt ist enorm. Mehr als zwei Drittel der Heizungen sind älter als 15 Jahre alt.

In dem Gutachten werden unterschiedliche Szenarien durchgespielt. Auch wurden die Möglichkeiten zur Endenergieeinsparung und die Nutzung erneuerbarer Energien in der Zukunft berechnet. Ergebnis: Um bis zum Jahr 2040 die Klimaneutralität zu erreichen, muss durch Effizienz 21 Prozent des Wärmebedarfs eingespart werden. „Ohne Einsparungen erreichen wir die Ziele nicht“, sagt Schmid. Gleichzeitig ist untersucht worden, wie die benötigte Restenergie erzeugt werden kann. Dabei kam heraus, dass die technischen Potenziale – Solarthermie, Photovoltaik, Abwärme, Geothermie, Biomasse und Windenergie – theoretisch und rein bilanziell ausreichen, um den Wärmebedarf 2040 zu decken. „Am Ende wird ein Mix wichtig sein. Alles wird eine Rolle spielen“, sagt Schmid. Die Wärmeplanung gebe eine Richtung vor, wo man anfangen könne.

Wärmenetzen wird seitens der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg bei der Transformation der Wärmewende eine zentrale Rolle beigemessen. Tatsächlich verfügen sie über eine hohe Effizienz des Energiesystems, zudem ermöglichen sie die Integration von erneuerbaren Energiequellen und von Abwärme. Derzeit gibt es in Filderstadt acht Wärmenetze. Darüber werden etwa 130 Gebäude versorgt, darunter viele öffentliche.

Anhand von Kriterien wie etwa der Wärmedichte hat Endura mit der Verwaltung und den Filderstadtwerken weitere Eignungsgebiete identifiziert. Sechs erhielten die Priorität eins: In Plattenhardt sind es zwei Bereiche, nämlich eben der im Weilerhau – „Aus Sicht der Verwaltung und der Stadtwerke hat es das größte Potenzial“, sagt Schmid – sowie einer im Gewerbegebiet. Zwei finden sich in Bonlanden, und zwar das Gewerbegebiet an der B 27 und der nordwestliche Zipfel des Ortes. Und schließlich gehören auch das Industriegebiet in Bernhausen-Süd sowie der Norden von Sielmingen mit Abwärmepotenzial von der Kläranlage dazu. Diese Gebiete werden in den kommenden Jahren näher untersucht.

Für Maximilian Schmid geht es aber um mehr, nämlich um eine Verstetigung. „Die Themen müssen bei jeder weiteren Planung berücksichtigt werden“, sei es bei Neubauprojekten oder bei Sanierungen. Was die Wärmeplanung aufzeige, müsse in die Stadtplanung einfließen. „Es ist eine lange Reise“, sagte auch Falk-Udo Beck in der Sitzung. Die Wärmeplanung sei ein erster Schritt.

Wozu eine kommunale Wärmeplanung?

Klimaziele
Filderstadt hat ambitionierte Klimaziele: Die Stadtverwaltung will bis 2032 klimaneutral sein. Die Wärmeplanung soll dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen. Aber sie ist auch ein Muss. „Wir haben eine gesetzliche Verpflichtung, der wir nachkommen“, sagt der Erste Bürgermeister Falk-Udo Beck.

Wärmeplan
Das Land hat mit der Novellierung des Klimaschutzgesetzes aus dem Jahr 2020 die kommunale Wärmeplanung als verpflichtenden Prozess zur Erreichung der Klimaschutzziele im Wärmebereich festgeschrieben. Stadtkreise und Große Kreisstädte waren demnach verpflichtet, bis Ende 2023 einen kommunalen Wärmeplan vorzulegen, der Strategien zur Verwirklichung einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040 aufzeigt.

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