Wenn Wolfgang Niedecken und BAP auf der Bühne stehen, werden bei vielen Fans Erinnerungen wach. So war das auch auf der Esslinger Burg.
Rund 4000 Fans haben am Donnerstagabend Wolfgang Niedecken und seine Kölsch-Rock-Band BAP auf der Esslinger Burg gefeiert – für viele war es eine Reise in die eigene Vergangenheit. Man hörte die alten Songs, die viele schon seit den frühen 80ern begleiten, man schwelgte in Erinnerungen und tauschte Anekdoten aus, die man mit BAP aufs Angenehmste verbindet. In Esslingen waren Wolfgang Niedecken und seine Band nicht zum ersten Mal zu hören. Unvergessen ist für viele der Auftritt von BAP beim Burgfest der Dieselstraße vor einem Vierteljahrhundert. Doch das war nicht der erste Auftritt der Band in Esslingen. Und viele, die am Donnerstagabend dabei waren, gingen in der Hoffnung nach Hause, dass der jüngste Auftritt von Niedecken & Co. nicht der letzte gewesen sein mag.
Wie sehr sich viele mit „ihrer“ Band verbunden fühlen, demonstrierten sie bereits mit der Wahl ihrer Outfits fürs Burg-Konzert. Teils schon etwas angejahrte Fan-T-Shirts, die an unterschiedlichste BAP-Tourneen erinnern, gab es da in großer Zahl zu sehen. Eines der historisch wertvollsten hatte Zuhörerin Patrizia aus Wernau mitgebracht, die ihren Nachnamen lieber für sich behielt, weil sich BAP-Fans untereinander ohnehin ganz selbstverständlich duzen. Patrizias T-Shirt ist ein Souvenir der Tournee 88/89. Doch die Begeisterung der Wernauerin reicht noch weitaus länger zurück: „Zum ersten Mal habe ich die Band 1981 im Zentrum Zell gehört. Dieses Konzert war einmalig. Die mussten so viele Zugaben spielen, dass das Konzert von 20 Uhr bis Mitternacht dauerte. Da bin ich Fan von Wolfgang Niedecken und BAP geworden.“
Die Stimmung stimmt auf der Esslinger Burg
Fast so lange hält Michael Hülsmann der Band die Treue. Zusammen mit einem Freund hatte er BAP 1988 in Augsburg zum ersten Mal gehört – seither genießt er in schöner Regelmäßigkeit Konzerte der Band. „Sowas darf man sich nie entgehen lassen, weil jeder Auftritt ein Erlebnis ist. Niedecken spielt nie weniger als drei Stunden. Das bringen viele jüngere Musiker heute nicht mehr.“ Auf der Burg war Hülsmann zusammen mit einem langjährigen Freund und dessen Frau Magdalena Herbrand, die nicht nur die Musik von BAP liebt, sondern auch die Geschichten, die Wolfgang Niedecken zu jedem Song erzählt. Dass sich Magdalena Herbrand mit Niedeckens Dialekt bisweilen schwertut, nimmt sie gelassen: „Für diese Band würde es sich lohnen, Kölsch zu lernen.“
Andere im Publikum hatten solche Probleme nicht – selbst eingefleischte Schwaben sangen die Hits der Band text- und dialektsicher mit. Markus Tondorf aus Altbach trug passend zum aktuellen Tour-Shirt von BAP einen Fan-Hut des 1. FC Köln. „Ich bin aus der Eifel, aber in Schwaben aufgewachsen“, verriet er. „Es ist schön, den Dialekt zu hören. Und Wolfgang ist ein Supertyp.“ Kein Wunder, dass Tondorf die Band regelmäßig hört. „Und dass das Konzert diesmal direkt vor unserer Haustüre stattfindet, ist doppelt schön.“ Inzwischen ist BAP für ihn ein generationenübergreifendes Projekt: Seine Mutter Elisabeth war ebenfalls auf der Burg dabei wie seine Schwester Sandra Kley und seine Nichte Antonia. Kein Wunder, schließlich ist Tondorf überzeugt: „BAP ist BAP und wird es immer bleiben.“
„Verdamp lang her“ und immer noch frisch
Rund 4000 Tickets gingen für das BAP-Konzert auf der Esslinger Burg weg wie die viel zitierten warmen Semmeln. Da hatten die Ehrenamtlichen am Getränkeausschank des Kommunalen Kinos alle Hände voll zu tun.
Für Eckhard Heuberger kein Problem: „Wenn wir gut zu tun haben, stimmen auch die Einnahmen, und das kommt wiederum dem Kommunalen Kino zugute. Das Koki zu stärken, ist jeden Einsatz wert. Das ist solch eine wichtige Einrichtung für Esslingen.“ Und dass er beim Bierzapfen BAP genießen durfte, freute Eckhard Heuberger besonders: „Das ist die Band meiner Jugend, die ich seit den 80er-Jahren gerne mag. Aber das ist ‚verdamp lang her’.“