Wer ein Tagebuch führt, kennt den Effekt: Ein Problem zu Papier zu bringen entlastet die Seele. Therapeutisches Schreiben hat positive Auswirkungen auf die Psyche. Die Stuttgarter Schreibtrainerin Birgit Harder weiß, worauf es dabei ankommt.

Volontäre: Sandra Belschner (sbr)

Erst als Melanie einen Stift in die Hand nimmt und damit beginnt ihre Gedanken und Gefühle in ihr dunkelrotes Notizbuch zu schreiben, fängt das Gedankenkarussell in ihrem Kopf an, etwas langsamer zu fahren. Die 32-Jährige Stuttgarterin ist vor einem halben Jahr an einem Burnout erkrankt und findet seitdem im Schreiben eine Möglichkeit etwas Ruhe in ihren Alltag zu bringen. „Ich zerdenke alles“, erzählt sie, „wenn ich dann aber noch mal selbst meine aufgeschriebenen Sätze lese, merke ich, dass vieles davon irrelevant ist“. Immer dann wenn sie merkt, dass sie mit ihren Gedanken in eine Art Strudel gerät, aus dem sie selbst nicht mehr herausfindet, nimmt sie ihr Notizbuch von ihrem Nachttisch und beginnt zu schreiben. Danach fühle sich immer „etwas leichter und geordneter“. Verschiedene Studien bestätigen diese Wirkung und zeigen, dass unsere Gesundheit vom Schreiben profitieren kann – Expertinnen und Experten fassen das unter dem Begriff Therapeutisches Schreiben zusammen.