Kommunalwahl-Folgen in Leonberg Politisches Erdbeben in Leonberg
Schmids Erfolg und Cohns Niederlage bei der Kreistagswahl werden das Machtgefüge im Rathaus beeinflussen
Schmids Erfolg und Cohns Niederlage bei der Kreistagswahl werden das Machtgefüge im Rathaus beeinflussen
Mit schwäbischer Zurückhaltung könnte man das Leonberger Ergebnis der Kreistagswahl bemerkenswert nennen. Tatsächlich aber ist es ein politisches Erdbeben, dessen Folgen noch gar nicht absehbar sind. Das betrifft gar nicht den Kreistag als solchen, in dem nun mit Klaus Brenner ein weiterer Planungsexperte und mit Josefa Schmid eine Politikerin, die schon vielfältige Erfahrungen gemacht hat, sitzen. Nachhaltige Auswirkungen kann die Wahl der zwangsbeurlaubten Ersten Bürgermeisterin und des Baubürgermeisters, vor allem aber die Nichtwahl des Oberbürgermeisters, auf das politische Machtgefüge in Leonberg selbst haben.
Josefa Schmid, die eigentlich schon ein Stück weit abgeschrieben war, ist durch das Votum der Wählerinnen und Wähler zurück im Rennen um die Vorherrschaft im Rathaus. Sie kann für sich reklamieren, dass sie durch Volkes Stimme sogar die Spitzenposition auf der FDP-Liste erreicht hat. Das Nachsehen hatte in diesem Fall der anerkannte wie verdiente Planungsexperte Dieter Maurmaier.
Auch Klaus Brenner, oftmals in gewissen Verwaltungs- und Ratskreisen als „Nicht-Politiker“ belächelt, hat nun ein sehr gutes Wahlergebnis im Rücken, das auch seine hausinterne Position stärken dürfte. Die Menschen haben damit wohl auch anerkannt, dass Brenner seit einem Jahr klaglos mehrere zusätzliche Ämter führt, Sitzungen leitet, somit also Löcher stopft, die durch Schmids Zwangsbeurlaubung und die häufigen Abwesenheiten des Hausherrn in beträchtlicher Menge gerissen wurden.
Selbst in der entscheidenden Wahlkampfphase war Martin Georg Cohn krankheitsbedingt nicht anwesend. Wie der machtbewusste und sich selbst zugewandte Oberbürgermeister sein schlechtes Ergebnis bei der Kreistagswahl verarbeitet, ist angesichts der turbulenten vergangenen Monate nicht absehbar. Zumal seine langen Krankheitsphasen – schon im Dezember war er drei Wochen ausgefallen – befürchten lassen, dass es ihm ernsthaft nicht gut geht.
Schon jetzt wird darüber spekuliert, wann und ob Cohn aus dem Krankenstand zurückkehrt. Die Freien Wähler haben derweil die Suche nach einem Nachfolge-Kandidaten begonnen. Die Zeiten bleiben unruhig.