Konzern bestätigt Pläne EnBW will Beschäftigte länger arbeiten lassen

Große Pläne: EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Wegen des enormen Personalbedarfs will der Energiekonzern seine Beschäftigten länger arbeiten lassen. Nun beginnen Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaft. Dabei dürfte es auch um den Lohnausgleich gehen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Die Beschäftigten des Energiekonzerns EnBW müssen sich womöglich auf eine längere Arbeitszeit einstellen. Anstelle von 36 Stunden pro Woche könnten sie künftig 38 Stunden arbeiten müssen. Entsprechende Überlegungen der EnBW-Spitze, die in der Belegschaft schon seit längerem kursieren, wurden von einer Konzernsprecherin nun erstmals offiziell bestätigt. Auch bei der Altersteilzeit könnte es demnach Abstriche geben. „Wir befinden uns aber in einem frühen Stadium der Überlegungen“, betonte die Sprecherin, „es gibt noch keine Entscheidungen.“

 

Gemeinsam mit den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden und den Vertretern der Gewerkschaft Verdi werde man „nach Lösungen suchen“, hieß es weiter. Verhandlungen dazu sind offenbar sehr zeitnah geplant. „Wir werden als Tarifkommission erst am kommenden Montag darüber informiert“, teilte ein Sprecher von Verdi auf Anfrage mit. Vorher könne man sich nicht äußern. Bei den Gesprächen dürfte es auch um einen angemessenen Lohnausgleich für die Mehrarbeit gehen.

Tausende neue Mitarbeiter benötigt

Hintergrund der Pläne des Vorstands, die unlängst auch bei einer internen Information angesprochen wurden, ist der Wachstumskurs der EnBW. Bis 2030 will der Konzern mehr als 40 Milliarden Euro in den Umbau des Energiesystems investieren – „das größte Investitionsprogramm in der Geschichte des Unternehmens“. Mit Blick darauf haben die beiden Großaktionäre, das Land Baden-Württemberg und der Landkreiseverbund Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), den Weg für eine Kapitalerhöhung von insgesamt drei Milliarden Euro freigemacht. Darüber soll die Hauptversammlung am 8. Mai entscheiden.

Für den Kraftakt benötigt die EnBW, die derzeit gut 30 000 Beschäftigte zählt, laut der Sprecherin „in allen Segmenten bestehende und zusätzliche Fachkräfte“. Allein bis 2027 brauche man 8000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Verschärft werde der Bedarf durch den demografischen Wandel: in den nächsten Jahren schieden Tausende altershalber aus dem Konzern aus.

Arbeitszeit-Regeln aus schlechteren Zeiten

Auf diese Herausforderungen will die EnBW nun auch mit Veränderungen bei der Arbeitszeit reagieren. „Wir hatten vor mehr als zehn Jahren Regelungen vereinbart, die aus einer Zeit stammen, in der es der EnBW wirtschaftlich schlecht ging“, so die Sprecherin; damals stand auch der Abbau von Personal zur Diskussion. Heute benötige man dagegen alle verfügbaren Personalressourcen. Um die Beschäftigten besser einsetzen und länger halten zu können, würden verschiedene Lösungen und Möglichkeiten geprüft. „Deshalb stellen wir einige Regelungen in ihrer jetzigen Form auf den Prüfstand und wollen sie gegebenenfalls neu gestalten“, so die Sprecherin.

Dazu gehörten zum Beispiel die Bestimmungen zur Altersteilzeit oder zur Wochenarbeitszeit von derzeit 36 Stunden. „Ziel ist es hier etwa, zum tariflich in der privaten Energiewirtschaft in Baden-Württemberg regulären Arbeitszeitniveau von 38 Stunden pro Woche zurückzukehren.“ Damit würde ein „Sonderweg“ beendet, den die EnBW-Gesellschaften im Jahr 2011 beschritten hätten. Mit der Verkürzung des Wochenpensums wurde damals auf die schwierige wirtschaftliche Lage reagiert.

EnBW soll jährlich 500 Millionen einsparen

Bereits bei der Bilanzpressekonferenz hatte der Vizevorstandschef Thomas Kusterer indirekt bestätigt, dass die Wochenarbeitszeit und die Altersteilzeit ein Thema seien. Dies sei aber nicht im Kontext eines internen Effizienzprogramms zu sehen, „Performance im Wachstum“ genannt. Angesichts der erwarteten Milliardenspritze von den Großaktionären soll die EnBW damit selbst einen namhaften Sparbeitrag erbringen. Land und Landkreise hatten aber stets den Eindruck vermieden, dass es um eine Bedingung für die Kapitalerhöhung gehe. Man habe volles Vertrauen, dass das Unternehmen „alle Möglichkeiten der Eigenfinanzierung finanziert und nutzt“, hieß es etwa von Seiten der OEW.

Bis zum Jahr 2028 sollen durch bestehende und neue Effizienzmaßnahmen Einsparungen von jährlich 500 Millionen Euro erzielt werden. In der Belegschaft werden die Sparbemühungen teilweise mit Skepsis verfolgt, zumal der Konzern wirtschaftlich gut da steht. Damit dürfte er auch Spielraum haben, die Bereitschaft zu Mehrarbeit entsprechend zu honorieren.

Mit Spannung wird auch erwartet, wie erfolgreich die Personalvorständin Colette Rückert-Hennen den enormen Umbruch bei den Beschäftigten bewältigt. Sie hatte zuletzt die Verantwortung für den Vertrieb abgeben müssen, um sich ganz auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren zu können.

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