Circle Pits, Crowdsurfer und jede Menge Metal Horns: Beim Auftritt der Thrash Metal-Band Machine Head steht kaum jemand still. Bilder, Setlist und Kritik vom Konzert in der MHP-Arena.
Ob es in der MHP-Arena in Ludwigsburg schon jemals so viele Circle Pits innerhalb so kurzer Zeit gegeben hat? Wer am Mittwochabend still vor der Bühne steht, hat etwas falsch gemacht, denn ohne Bewegung geht es bei einem Konzert von Machine Head nicht.
So oft kommen in die MHP-Arena auch nicht Bands, bei denen Breakdowns zum Markenkern gehören. Bei der US-amerikanischen Thrash Metal-Band Machine Head geht es nicht ohne. Genauso wie es nicht ohne die vom Publikum in die Höhe gereckten „Metal Horns“ geht. Ludwigsburg hat lange auf die Rückkehr der Kalifornier warten müssen. Die liefern dafür eine Metal-Show vom Feinsten ab.
Vollgas von der ersten Sekunde an
Mit „An Evening With ... Machine Head“ ist die aktuelle Tour betitelt. Und zwar nur mit Machine Head. Vorband? Fehlanzeige. Braucht das Quartett rund um Frontmann Robb Flynn aber auch nicht. Denn sie legen sofort mit Volldampf und Feuerfontänen los.
In den ersten Songs präsentieren sich Machine Head von ihrer harten Seite. Anfangs stimmt zwar der Sound noch nicht so recht, die Stimme von Flynn ist kaum zu hören. Doch das stört die gut gefüllte MHP-Arena nicht. Schon während des ersten Songs „Imperium“ bildet sich der erste Circle Pit.
Bassist Jared MacEachern (rechts) und Sänger Robb Flynn (Mitte) ergänzen sich sowohl mit den Instrumenten als auch beim Gesang. Foto: Andreas Essig
Robb Flynn heizt das bewegungsfreudige Publikum auch immer weiter an. „Seid ihr bereit, heute Abend mit Machine Head in die Hölle zu gehen?“, fragt er und verlangt Crowdsurfer. Die ganze Show ist eigentlich auf ihn zugeschnitten. Was nicht verwundert, schließlich ist er das einzig verbliebene Gründungsmitglied, Produzent, Songwriter, Gitarrist und Sänger in einem.
Nachholung des Corona-Ausfalls
Zwischendrin erzählt Flynn davon, dass er im Backstage-Bereich an einem Plakat von der abgesagten „Burn My Eyes 25th Anniversary Tour“ vorbeigelaufen ist. Im Oktober 2020 hätten Machine Head anlässlich des 25-jährigen Jubiläums ihres Debütalbums in Ludwigsburg auftreten sollen, doch die Corona-Pandemie macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Als Ausgleich dafür streuen Machine Head nun einige Songs von „Burn My Eyes“ in das Programm.
Dass sie es auch ruhiger können, zeigt sich beim Song „Darkness Within“, den sie in der Akustikversion präsentieren – ein Überbleibsel der Corona-Zwangspause, während der Flynn und Bassist Jared MacEachern die alten Songs neu und ohne Strom interpretierten.
Zweieinhalbstündiger Auftritt ohne Pause
Auch die Songs vom neuen Album „Unatoned“ wie „Bonescraper“ oder „Outsider“ kommen gut an. Das mittlerweile elfte Studioalbum war im April vergangenen Jahres erschienen und enthält deutlich mehr melodische Elemente als etwa noch „Burn My Eyes“.
Langweilig wird es während des gesamten Auftritts nicht, dafür ist das Repertoire von Machine Head zu umfangreich, die Show zu energiegeladen, die Stimmung zu ausgelassen. Ganze zweieinhalb Stunden spielen Machine Head, und das ohne Pause. Ihre Pausen nehmen sich Flynn & Co. zwischen den Songs, wenn sie kurz von der Bühne spazieren, ehe sie vom Publikum lautstark mit „Machine Fucking Head“-Rufen zurückgeordert werden.
Nach dem epischen „Halo“ vom 2003er-Album „Through the Ashes of Empires“ und dem obligatorischen Foto mit der Menge klingt die Gitarre zwar noch lange nach, doch zurück kommen Flynn & Co. nicht mehr. Zumindest nicht an diesem Abend.
Dass es der letzte Auftritt in Ludwigsburg war, darf aber angezweifelt werden. Und vielleicht findet Flynn beim nächsten Mal dann ein Poster vom Konzert an jenem Mittwochabend, an dem Machine Head die nicht ganz ausverkaufte MHP-Arena einmal in die Hölle und wieder zurück geführt haben. Es war eine Tour, die man gerne jederzeit wieder mitmachen würde.