Konzert in Stuttgart So war’s bei Max Mutzke im Theaterhaus
Pop, Jazz, Soul: Der Sänger hat bei seinem Tourauftakt im ausverkauften Theaterhaus seine Wandelbarkeit unter Beweis gestellt.
Pop, Jazz, Soul: Der Sänger hat bei seinem Tourauftakt im ausverkauften Theaterhaus seine Wandelbarkeit unter Beweis gestellt.
Mit seinem Song „Überall Herzen“ eröffnet Max Mutzke den Abend im Theaterhaus und damit auch die Tour zu seinem zwanzigsten Bühnenjubiläum. Um das zu feiern, lässt er die vergangenen Jahre musikalisch Revue passieren und arbeitet sich nahezu chronologisch durch sein Repertoire – von seinen ersten Singles bis zu Songs aus seinem Anfang Oktober erschienenen Album „XX“.
Er zeigt an diesem Dienstagabend, dass er fast jedes Genre mühelos beherrscht: Blues, Soul, Funk, Pop, Jazz und in „Unsere Nacht“ sogar Hip-Hop. Seine Stimme ist im Laufe der Jahre immer wandelbarer geworden, die Songs kommen mal sanft, mal energetisch daher.
Mit letzterem steigt er in diesen Konzertabend ein. Schon beim zweiten Lied „Marie“ steht das Publikum von den Plätzen auf, Mutzke animiert die gut tausend Besucherinnen und Besucher mitzusingen, zu tanzen und zu jubeln. Seine Band besteht aus Bassist, Gitarrist, Schlagzeuger, Keyboarder und zwei Bläsern. Jeder von ihnen bekommt immer wieder Solo-Einsätze, die von Mutzke mit Umarmungen und Küssen goutiert werden. Überhaupt geht es auf der Bühne äußerst familiär zu. Auch zum Publikum schafft es Mutzke schnell eine Nähe herzustellen, in dem er die Pausen zwischen den Songs nutzt, um zu plaudern und Anekdoten aus seinem Leben und seiner Karriere zu erzählen.
„Vor 20 Jahren bin ich vom Schwarzwald ins Farbfernsehen gefallen“, sagt Mutzke. Angefangen hatte seine Karriere mit seiner Teilnahme am Eurovision Song Contest im Jahr 2004, als dieser noch Grand Prix hieß. Nach seinem Sieg bei Stefan Raabs Vorentscheid „Stefan Raab sucht den Grand Prix Star“ ging er mit dem vom TV-Moderator geschriebenen Song „Can’t Wait Until Tonight“ ins Rennen in Istanbul und holte damit den achten Platz für Deutschland. Das Lied, mit dem alles begann, steht an diesem Abend natürlich auch auf der Setlist.
Mutzkes Lieder sind persönlich. Er singt über die Liebe zu seinen Kindern („Bedingungslos“), über die Trennung von seiner Frau („Regen als Applaus“) und über Alkoholismus („Whiskey Baby“). Noch tiefere Einblicke in das Leben des 43-Jährigen, bekommen seine Fans seit Kurzem in seiner Autobiografie „So viel mehr: Meine Geschichte“. Darin behandelt er die wichtigsten Stationen seines Lebens, angefangen mit seiner Kindheit in einem künstlerisch geprägten Elternhaus im Schwarzwald, wo er mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist. Ein schönes Leben, wie er sagt. Doch nicht alles war perfekt. Inzwischen spricht er offen über die Alkoholsucht seiner Mutter, die mit Anfang sechzig an den Folgen gestorben ist. Heute engagiert er sich für Kinder von Suchtkranken.
Seit neun Jahren ist er außerdem Botschafter für den Deutschen Kinderverein in Essen. An diesem Dienstagabend unterbricht er sein Konzert, um dessen Gründer Rainer Rettinger auf die Bühne zu holen. Auch für die Demokratie wirbt Mutzke: „Wir müssen das schützen, was wir haben. Ich kann niemanden verstehen, der sagt, uns gehe es in Deutschland nicht gut“, sagt er.
Mit dem Song „Nimmst du mich in den Arm“, den er immer am Ende spielt, geht er nach etwas mehr als zwei Stunden von der Bühne. Ein gelungener Tourauftakt.
Setlist:
Überall Herzen / Marie / Wunschlos süchtig / Schwarz auf Weiß / Mein Automobil / Beste Idee / Bedingungslos / Whiskey Baby / Königreich / Giganten / Unsere Nacht / Alles so weit weg / Abgeholt / California Spider / Regen als Applaus / Glaubst du mir jetzt / Welt hinter Glas / Forever Strong / Nimmst du mich in den Arm