Konzertkritik, Bilder, Setlist So war’s bei Thomas D im Theaterhaus
Thomas D präsentiert mit seiner Band The KBCS im Theaterhaus sein neues Album, Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung. Wie klingt es live – und wer ist Silke Hämmerle?
Thomas D präsentiert mit seiner Band The KBCS im Theaterhaus sein neues Album, Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung. Wie klingt es live – und wer ist Silke Hämmerle?
Wer Thomas D kennenlernen will, muss einfach seine Songs hören. Bevorzugt im Theaterhaus, weil es da am Sonntag bereits sein neues Album live zu hören (und hinterher zu kaufen) gab. „Neocortex“ heißt es, und es ist wie die Vorgänger sein persönlichstes. Am 17. April erscheint es offiziell.
„Kurz zu mir“ gibt es als einzigen Song schon jetzt im Internet zu hören, live trägt er die vertonte Kurzbiografie A-Cappella vor: Thomas Dürr aus Ditzingen, Nesthäkchen, einst verliebt in Silke Hämmerle, fast gestorben beim Tsunami in Thailand 2004, Teil der Fanta Vier und spätestens nach Bandscheibenvorfall im vergangenen Jahr offiziell „Rap-Opa“. Anders als 2025 klappt es für den Genesenen jetzt mit dem Auftritt bei den Jazztagen im Theaterhaus.
Ist HipHop inzwischen Jazz? Kurzantwort: zumindest der in Stuttgart kultivierte HipHop – und spätestens seit den Unplugged-Sessions von Freundeskreis und den Fantastischen Vier. Mit der mehr als solide groovenden, manchmal funkig knallenden Hamburger Band The KBCS reiht sich Thomas D einmal mehr in diese Tradition ein und, erste Beobachtung, bringt damit HipHop-affine Mittzwanziger mit der Ü60-Fraktion zusammen.
Ins Bild passt, dass Reinhard Mey den Refrain zu „Federleicht“ singt, dem ersten Songs seines neuen Albums „Neocortex“. Der 83-Jährige ist nicht im Theaterhaus zugegen, aber Thomas D hatte offenbar schon seit Jahren die Idee einer Zusammenarbeit. Vielleicht wird es ja so einschlagen wie der Track von Apache 207 und Udo Lindenberg („Komet“), ein schöner deutscher Pop-Brückenschlag ist es allemal. Und der Auftakt für ein fulminantes Konzert.
Der Abend sei ihm „ein inneres Blumenpflücken“, sagt Thomas D zu Beginn, und auch hier trägt er sein Herz auf der Zuge. Er schwebt regelrecht durch die 22 Songs (zwei davon allein von The KBCS vorgetragen), und vermutlich geht es seinem Publikum im Theaterhaus danach so wie dem Rapper selbst: dass es ihn (noch) besser versteht.
Thomas D leidet nicht an der brennenden Welt, jedenfalls in seinen Songs. Stattdessen rappt er Versöhnungshymnnen („An alle“). Erinnert daran, dass sich alles ändert, also auch das Schlechte („Ständige Veränderung“). Schreibt einen offenen Lebesbrief an seine Kinder. Appelliert, positiv zu denken („Nur Mut“), denn „ist etwas nicht schlecht / wird es nie gut“. Und das sind nur die ersten fünf Songs dieses Abends.
Deutlicher als jemals zuvor treten in Thomas Ds Songs christlich fundierte Werte und Weltanschauungen hervor. Die textlichen Verweise aufs Göttliche und die Schöpfung kommen nicht ganz ohne musikalische Anspielungen auf die von jungen Freikirchenmitgliedern gefeierten „Celebrations“ aus. Im weiteren Verlauf des Konzerts werden etwa die Gitarren manchmal etwas zu U2-mäßig, etwa beim Fanta-Vier-Song „Krieger“, der im Original wesentlich düsterer klingt.
Im Theaterhaus lässt Thomas D diese mittlerweile gut dreißig Jahre zurückliegende Phase aber eben auch hinter sich, ohne die Songs aus dieser Zeit völlig zu verleugnen. Stattdessen gibt es hoch authentische, positive Botschaften für mehr Rücksicht aufeinander und auf unsere Erde, für Verständnis und Gelassenheit. Was nicht heißt, dass der textlich schon immer, jedenfalls im Vergleich etwa zu Berliner Battlerappern, eingehegte Stuttgarter HipHop nicht ohne kluge Seitenhiebe auskommt: „Rap braucht ‚n Mic und kein Telefon“ (“Verdammt am Mikrofon“).
Er sei jetzt so alt, erklärt Thomas D, da rappe er nur noch über Dinge, die er so meine. Es sollten ihm so viele Menschen wie nur irgendwie möglich zuhören.
Thomas D am 29.3.2026 in Stuttgart:
Zugaben: