Kosten fürs Heizen Wie viel kostet Fernwärme? Die Region Stuttgart im Vergleich

Die EnBW ist derzeit verstärkt in Stuttgart aktiv und verlegt neue Hausanschlüsse für Fernwärme. Foto: Ferdinando Iannone

17 Cent je Kilowattstunde zahlt man laut Heizspiegel im Bundesschnitt für Fernwärme. Die EnBW-Preise passen dazu – müssten laut Kritikern aber eigentlich deutlich niedriger sein.

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

Einen Wermutstropfen muss man gleich zu Beginn vergießen: Wer mit Fernwärme heizt, hat meistens höhere Ausgaben. Laut einem offiziellen Heizspiegel lagen die jährlichen Kosten in einer 70-Quadratmeter-Wohnung für Fernwärme bei 1225 Euro pro Jahr, für Gas bei 1035 Euro und für eine Wärmepumpe bei 680 Euro. Es gilt aber immer, die Anschaffungskosten zu berücksichtigen; dann kann Fernwärme trotzdem günstiger sein.

 

Vergleicht man nun aber die Fernwärmeversorger in der Region Stuttgart untereinander, so kommt man zu dem grundsätzlich beruhigenden Ergebnis: Die Preise der acht Anbieter unterscheiden sich zwar, aber nicht gewaltig; und im bundesweiten Vergleich liegen alle mehr oder weniger im Durchschnitt.

Foto: Yann Lange

Dieser Vergleich ist über die Transparenzplattform Fernwärme möglich, in der rund 580 Anbieter ihre Preise eingestellt haben, unterteilt nach Preisen für ein Einfamilienhaus, ein Mehrfamilienhaus und für die Industrie. Da die Versorger unterschiedliche Preisbestandteile haben, wurde etwa für das Mehrfamilienhaus ein exemplarisches Gebäude mit 30 Wohneinheiten und einem Wärmebedarf von 288.000 Kilowattstunden zugrundegelegt; alles wurde dann auf einen Preis pro Kilowattstunde umgerechnet. Dieser Betrag ist also nicht zu verwechseln mit dem Arbeitspreis pro Kilowattstunde auf der Abrechnung.

Danach liegt der bundesweite Durchschnittspreis bei 17 Cent pro Kilowattstunde – in der Region Stuttgart bewegt sich dieser Betrag nun zwischen 15,35 Cent in Weinstadt und 18,32 Cent in Kornwestheim. Recht ähnlich sind auch die Stadtwerke Tübingen, deren Netz aber nicht mehr zur Region gehört. Der teuerste Versorger liegt damit acht Prozent über dem Schnitt, der günstigste sogar zehn Prozent darunter. Die EnBW in Stuttgart verlangt 16,96 Cent und liegt damit fast genau im Mittel.

Der Preis in anderen Großstädten liegt 20 Prozent niedriger

Trotzdem wird der EnBW-Preis nicht von allen als akzeptabel angesehen. Wie in Karlsruhe oder Mannheim liege das Netz in Stuttgart in einem hochverdichteten Gebiet, die Kosten müssten also deutlich niedriger sein als in einem Netz in kleineren Städten, sagt Michael Jantzer, der energiepolitische Sprecher im BUND-Kreisverband Stuttgart. In Karlsruhe (14,01 Cent pro Kilowattstunde im Mehrfamilienhaus laut Transparenzplattform) und in Mannheim (13,54 Cent) sei die Fernwärme tatsächlich rund 20 Prozent günstiger als in Stuttgart: „Diese Unterschiede sind nicht erklärbar, da die EnBW in Stuttgart vor allem die günstige Abwärme aus der Müllverbrennung und der eigenen Stromerzeugungskraftwerke nutzt, und das vorhandene Fernwärmenetz weitgehend abgeschrieben ist“, kritisiert Jantzer.

Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim betreiben sogar acht Wärmenetze in den beiden Städten, nur zwei tauchen auf der Transparenzplattform auf. Jedes habe seinen eigenen Preis, betont Stadtwerke-Sprecher Jens Nusser. Kriterien seien Kostenstrukturen, Erzeugungsanlagen und Energiequellen, die jeweils unterschiedlich seien. Das Interesse an der Fernwärme sei hoch, in diesem Kalenderjahr hätten sich bereits 600 Interessenten gemeldet. In vielen Straßen wird das Netz derzeit erweitert.

Auch in Weinstadt will man das Netz deutlich vergrößern, weil eine hohe Nachfrage bestehe, sagt Patrick Geiger von den Stadtwerken Weinstadt. Dort sind derzeit 1400 Kunden angeschlossen. Für den günstigen Preis könne man quasi nichts: „Die Urkalkulation der Wärmepreise basiert auf Verbrauchsdaten sowie Marktpreisen aus dem Startjahr 2014 und davor.“ Seither werde der Preis lediglich aufgrund festgelegter Kriterien angepasst. Für 2026 werde der Grundpreis vermutlich leicht steigen und der Arbeitspreis leicht sinken.

Keine konkreten Ausbaupläne hat die Süwag AG derzeit in Markgröningen, wo das Unternehmen allerdings auch nur ein sehr kleines Netz mit 120 Anschlüssen betreibt. Die Anfragen hätten sich zuletzt lediglich geringfügig erhöht, so Sprecherin Sylvia Georgi. Dass die Süwag beim Preis in Einfamilienhäusern der günstigste Anbieter in der Tabelle ist, begründet Georgi so: „Das liegt am überwiegenden Einsatz von Holzbrennstoffen.“ Der Holzindex, der bei der Preisgestaltung zugrundliege, sei wesentlich geringer gestiegen als etwa der Erdgasindex. Mehrfamilienhäuser würden kaum beliefert; deshalb ist in der Tabelle kein Preis angegeben.

Das Verlegen neuer Fernwärme-Leitungen ist aufwändig. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Der Preisunterschied zwischen den Netzen in Ostfildern und Esslingen, die beide von den Stadtwerken Esslingen betrieben werden, liege vor allem in der anders gearteten Wärmeerzeugung, sagt Sprecher Holger Koller. Die Wärme im Scharnhauser Park werde in einem Holzheizkraftwerk erzeugt, während in Esslingen die Wärme der Kraftwerke der EnBW genutzt wird. Beheizt wird das Holzheizkraftwerk mit günstigem Grünschnitt von den Häckselplätzen im Landkreis.

Verglichen mit den bundesweit aufgerufenen Preisen sind die Schwankungen in der Region Stuttgart jedenfalls moderat. Tatsächlich liegt mehr als die Hälfte der Anbieter in Deutschland außerhalb der mittleren Spanne von 15 bis 20 Cent. Laut dem Bundesverband der Verbraucherzentralen muss in einem Viertel der Netze mehr als 20 Cent bezahlt werden.

Das bundesweit günstigste Netz, das auf der Plattform gelistet ist, betrifft Mücheln (bei Leipzig) in Sachsen-Anhalt; dort kostet die Kilowattstunde nur 7,53 Cent. Im Küstriner Vorland in Brandenburg an der polnischen Grenze verlangt der dortige Versorger mit 37,3 Cent den höchsten Preis. Florian Munder, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale, fordert deshalb eine gesetzliche Preisobergrenze. Den Fernwärmeanbieter könne man nicht einfach wie beim Strom wechseln, deshalb müsse es einen Schutz für den Endkunden geben: „Die Grenze sollte sich an den Kosten für den Betrieb einer Wärmepumpe orientieren.“

Zahlreiche weitere Fernwärmeversorger aus der Region Stuttgart, wie die Stadtwerke Waiblingen, und alle Nahwärmeanbieter, wie die Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen, sind auf der Plattform nicht eingetragen.

Weitere Themen