Ein erfolgreiches Duo: die Chefärzte Barbara John und Wolfgang Steurer. Foto: Archiv
Geschäftsführer Schmidtke und Landrat Bernhard reagieren auf die harsche Kritik an der Umstrukturierung der Inneren Abteilung und der Trennung von Barbara John: „Leonberg bleibt ein leistungsfähiges Notfall-Krankenhaus mit hervorragendem Personal“.
Roland Bernhard und Alexander Schmidtke sehen das KrankenhausLeonberg als Klinik der Grund- und Regelversorgung für die Zukunft gut aufgestellt. Im Gespräch mit unserer Zeitung nahmen der Landrat des Kreises Böblingen und der Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest Stellung zur öffentlichen Kritik, die die Ankündigung einer „Neuausrichtung“ der Inneren Klinik in Leonberg und die Trennung von der Chefärztin Barbara John hervorgerufen hat.
„Leonberg bleibt ein leistungsfähiges Notfall-Krankenhaus“, versicherte Schmidtke. „Alle endoskopischen Verfahren“, zum Beispiel Magen- und Darmspiegelungen, würden auch weiterhin angeboten. Lediglich bei „hochkomplexen medizinischen Leistungen“ sei eine Konzentration am künftigen Flugfeldklinikum in Böblingen geplant. „Dies ist im Interesse der Patienten, die sich sicher sein wollen, dass im Krankenhaus eine hohe Expertise vorhanden ist“.
Diese sei in der Zukunft natürlich auch in Leonberg gegeben. Die vorgesehene Zusammenlegungen der Fachbereiche Gastroenterologie, Onkologie, Palliativmedizin, Kardiologie und Geriatrie sei keine Schwächung, da „weiterhin hervorragendes Fachpersonal“ vorhanden sei. Für die Nachfolge von Barbara John werde nun ein Gastroenterologe gesucht, der auch in den Gebieten Kardiologie und Geriatrie hohe Kompetenz besitze. „Angesichts der breiteren Aufstellung der Inneren Medizin wäre es ein Fehler, das bisherige Chefarzt-Profil eins zu eins auszuschreiben“, sagte der Landrat. Die vakante Stelle solle bis Oktober neu besetzt werden.
Gerade die Geriatrie, also die Altersmedizin, „wird in unserer älter werdenden Gesellschaft eine immer größere Rolle spielen“, meinte Roland Bernhard, der stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats des Klinikverbundes ist. „Da macht es großen Sinn, dort einen Schwerpunkt zu setzen. Das hat nichts mit einem Krankenhaus zweiter Klasse zu tun.“
Schon jetzt keine komplexen Operationen
Bernhard und Schmidtke widersprachen der Kritik aus der Kommunalpolitik, dass Leonberg allein auf die Geriatrie reduziert werde. „Es gibt weiterhin eine Grund- und Regelversorgung mit einer breiten Inneren Abteilung“, sagte Schmidtke. Zu der gehöre eben auch die Altersmedizin.
Zudem sei es nicht so, dass die Klinik durch die Umstrukturierung und Johns Abgang etliche Operationen verlieren würde. Komplexe OPs dürften schon jetzt aufgrund der strengen Mengenvorgaben des Bundes nicht in Leonberg durchgeführt werden. Wolfgang Steurer, renommierter Chefarzt der Bauchchirurgie, werde auch künftig mit der neuen Führung des Inneren Zentrums gut und erfolgreich zusammenarbeiten. Der Chef des Klinikverbundes und der Landrat erklärten, dass man Barbara John die Leitung des künftigen Inneren Zentrums angeboten habe. Doch man sei sich nicht einig geworden. Die Neuausrichtung des medizinischen Angebots im Leonberger Krankenhaus habe nichts mit dem Weggang der bundesweit bekannten Darmspezialistin zu tun. Die Umstrukturierung wäre auf jeden Fall gekommen. Weitere Einzelheiten wollten beide angesichts der gegenseitig vereinbarten Verschwiegenheit nicht nennen. Zuvor hatte auch die Medizinerin mit dieser Begründung eine Stellungnahme abgelehnt.
Gegenseitige Verschwiegenheit
Etwas auskunftsfreudiger zeigten sich Schmidtke und Bernhard mit Blick auf die Trennung des erst im August eingestellten Chefarztes der Anästhesie. Dieser habe den Klinikverbund mit Ablauf seiner Probezeit wieder verlassen, weil sich die Erwartungen nicht in Gänze erfüllt hätten. Eine Nachfolge ist nicht vorgesehen. Stattdessen würden die Intensiv- und Narkosemedizin jetzt in der Zentralen Notaufnahme angesiedelt.
Klinikdirektor und Chefarzt in einem: zu viel für Michael Baier? Foto: Simon Granville
Qualitätseinbußen befürchtet Alexander Schmidtke nicht, im Gegenteil: Der dortige Chefarzt Michael Baier sei von Haus aus Intensivarzt. Das Zusammenspiel zwischen Anästhesie und Intensivmedizin sei in einer zentralen Abteilung viel besser umsetzbar. „Aus Patientensicht spielt die klinikinterne Organisation keine Rolle“, sagte der Manager. „Wichtig ist, dass ein gutes medizinisches Spektrum angeboten wird.“
Die Kritik, dass Chefarzt Baier, der im Februar in Personalunion zum Krankenhaus-Direktor berufen wurde und nun auch die Anästhesie inne hat, damit überfordert sein könnte, weist Schmidtke zurück: „Ich sehe Dr. Baier als Spielertrainer. Es ist gut, wenn ein Mediziner Ahnung von Prozessen und Abläufen hat.“ Diese könnten „deutlich verbessert“ werden: „Kleinere Häuser wie Leonberg müssen wir neu denken“.
Ein erster Schritt zu mehr Effizienz und kürzeren Wartezeiten sei bei den Neuaufnahmen eine Unterscheidung zwischen lebensbedrohlichen und weniger akuten Fällen. Da seien schon „echte Erfolge spürbar“. Welche Summen in Leonberg investiert würden, stehe erst fest, wenn die Auswirkungen der Krankenhaus-Reform von Noch-Gesundheitsminister Lauterbach klar wären.
„Es werden keine Leuchttürme abrasiert, wenn jemand anderes kommt“, meinte Bernhard angesichts der Befürchtung, dass Leonberg mit dem Chefarztwechsel in der Gastroenterologie seinen medizinischen Leuchtturm verliere. „Zu den zwölf Millionen Euro Verlust in Leonberg hat auch die Innere Abteilung beigetragen.“ Die werde aber weiterhin gute Arbeit abliefern, versichert Alexander Schmidtke: „Im Grunde ändert sich nichts. Es wird nur breiter aufgestellt.“