Während ihre Freunde viel Freizeit genießen, durchläuft Lea Seidel aus Ludwigsburg nun eine Chemotherapie. Sie hat nicht nur Angst um ihre Gesundheit, sondern auch finanzielle Sorgen.
Ihre Kommilitonen an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg genießen gerade die Freiheiten der vorlesungsfreien Zeit. Lea Seidel kämpft ums Überleben. Bei der 22-jährigen Studentin wurde Krebs im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Neben der Angst um ihre Gesundheit plagen sie nun auch finanzielle Sorgen.
Sieben bis acht Zentimeter groß ist der Tumor, der hinter ihrem Brustbein gewachsen ist. Hodgkin Lymphom nennt sich die bösartige Erkrankung des Lymphsystems. Der Tumor kann nicht herausgeschnitten werden. „Eine OP würde mehr Schaden anrichten“, erklärt die junge Frau. Deshalb muss sie sich einer mehrmonatigen Chemotherapie stellen.
Bis vor etwas mehr als einem Monat noch einen normalen Alltag gelebt
„Vor einem Monat noch war mein größtes Problem die nächste Prüfung, für die ich noch nicht gelernt habe“, sagt die Ludwigsburgerin in einem Kurzvideo, das sie auf die Plattform Tiktok hochgeladen hat. In den sozialen Medien, wo sie sich Lela Seidel nennt, geht die angehende Kunst- und Biologielehrerin offen mit ihrer Erkrankung um. Sie will mit den Videos anderen Betroffenen Mut machen und Aufklärungsarbeit zum Thema betreiben.
@lela.seidel Hallo, ich bin Lea, 22 Jahre und kämpfe gegen krebs #toomuchtumor #hodgkinlymphom #chemoqueen #krebsmit22 #realcancerlife #krebs #hodgkin #chemotherapy ♬ Originalton - Lela Seidel
Der 24. Juni dieses Jahres hat das Leben der Studentin auf den Kopf gestellt. Obwohl die junge Frau ein Gespür dafür hatte, dass etwas mit ihrem Körper nicht stimmt, war die Diagnose ein Schock. Schließlich hatten ihr mehrere Ärzte versichert, dass bei ihr alles in Ordnung sei.
Mediziner nehmen die junge Frau lange Zeit nicht ernst
Den ersten Hinweis darauf, dass sich ein Tumor in ihrem Körper befinden könnte, bekam Lea Seidel allerdings schon vor etwa zwei Jahren. Wegen gastrologischer Probleme musste sie damals ins Krankenhaus. Auf der Röntgenaufnahme sei den Medizinern ein dunkler Schatten nahe der Lunge in ihrem Brustkorb aufgefallen. „Ein Zufallsbefund, den ich abklären lassen sollte“, erinnert sich die 22-Jährige.
Nachdem sie wieder genesen war, wollte Lea Seidel der Sache auf den Grund gehen und vereinbarte Termine. „Doch die Ärzte haben das zuerst abgetan“, sagt sie. Weil sie keinerlei Symptome verspürte, ließ sie das Ganze zunächst auf sich beruhen. Ende 2024 fielen ihr schließlich aber merkwürdige Körperreaktionen auf: Nachts hatte sie Schweißausbrüche, ihre Hände kribbelten, und ihr wurde immer wieder schwarz vor Augen. Konnte das wirklich nur der Stress sein, den ihr ihre Bachelorarbeit für die Hochschule bereitet? Wieder wurde sie von einem Arzt beruhigt. Doch ein auffälliges Blutbild brachte sie dazu, auf eine Überweisung an einen Radiologen zu bestehen. Dieser bestätigte den schlimmen Verdacht.
Mittlerweile hat Lea Seidel etliche Arzt- und Klinikbesuche hinter sich. Ein befallener Lymphknoten wurde ihr schon entfernt. Aber sie hat Glück im Unglück: Ansonsten hat der Krebs noch nicht gestreut. „Ich habe sehr gute Heilungschancen“, sagt sie. Auch die Erfahrungsberichte anderer Betroffener machen ihr Mut. „Ich sehe, man kommt da wieder aus“, sagt sie. Sie wolle positiv bleiben.
Nun ist ihre Chemotherapie gestartet. Mindestens vier Zyklen, also mehrere Monate Behandlung, muss sie durchlaufen. Dadurch soll sich der Tumor deutlich verkleinern. Falls die Chemotherapie nicht so stark wie erhofft anschlägt, könnten weitere Zyklen und eventuell eine Bestrahlung notwendig werden.
Nicht nur körperlich wird die kommende Zeit für die 22-Jährige herausfordernd. Weil sie nun wegen ihrer Erkrankung ein Urlaubssemester einlegen muss, fällt bald das Bafög für sie weg. Sonstige Einkommen hat sie nicht. Ihre Ausgaben für die Miete und ihren Lebensunterhalt bleiben jedoch unverändert.
Gleichzeitig muss sie immer wieder einen Eigenanteil für die Fahrtkosten, Arznei- und Hilfsmittel aufbringen. „Manchmal brauche ich bis zu drei verschiedene Medikamente aus der Apotheke“, sagt sie. Auch andere Dinge übernimmt die Krankenkasse nur zum Teil. Weil ihre Haare ausfallen werden, hat sie sich eine Perücke besorgt. Die Kasse erstattet ihr jedoch nur 400 der insgesamt 2400 Euro Kosten. Und während die Entnahme ihrer Eizellen bezahlt wird, damit sie später Kinder bekommen kann, muss sie für die teure Lagerung der Zellen selbst aufkommen. „All das summiert sich und überfordert mich finanziell“, gesteht die Studentin. Deshalb hat sie im Internet einen Spendenaufruf gestartet.
22-Jährige möchte bald weiterstudieren
Ihre Familie und Freunde haben sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bereits beteiligt, um der 22-Jährigen in dieser schwierigen Zeit unter die Arme zu greifen. Mehr als 6000 Euro haben sie bis jetzt beigesteuert. Dies wird vermutlich aber noch nicht reichen.
Trotz ihrer Zuversicht weiß die junge Frau, dass nun anstrengende Wochen auf sie zukommen. Um bestens von ihren Eltern und Geschwistern versorgt zu werden, lässt sie sich derzeit in Hamburg behandeln. Dort ist sie aufgewachsen und hat bei ihrer Familie eine vorübergehende Bleibe. Ihre Zukunft und ihren Lebensmittelpunkt sieht sie aber nach wie vor in der Barockstadt. So bald wie möglich will sie zurück zu ihrem Partner in die gemeinsame Wohnung in Ludwigsburg und das Studium mit einem Masterabschluss beenden.
Noch mehr von Lea Seidel im Netz
Spendenaktion
Wer Lea Seidel unterstützen möchte, findet die Spendenplattform unter Gofundme im Internet. Auch kleine Beträge sind willkommen.
Social Media
Auf Tiktok berichtet die junge Frau über ihre Erfahrungen mit der Krebserkrankung. Die Videos sind auf ihrem Kanal „lela.seidel“ zu finden.