Das neue Leben der Gabriele Jurisch in der passiven Altersteilzeit: Sie tauscht den Schreibtisch gegen den Rosengarten. So geht es ihr damit.

Weniger IT, mehr Rosen. Auf Gabriele Jurisch warten in ihrer passiven Altersteilzeit an die 2000 Rosenstöcke: Beet- und Edelrosen, Strauchrosen und Kletterrosen, gefüllte oder ungefüllte. 500 bis 600 verschiedene Sorten gedeihen in dem großen Garten, den sie und ihr Mann Wolfgang bewirtschaften und regelmäßig am Tag der offenen Gärten für Interessierte öffnen. Dann kann man in die farbenfrohe und duftende Blütenwelt eintauchen. Ansonsten ist der Blick auf die zugehörige Website möglich, die Gabriele Jurisch pflegt, ebenso wie die der Offenen Gärten Esslingen, zu deren Organisationsteam sie gehört.

 

In der Organisation und der IT war die Wendlingerin auch im Beruf zu Hause. In ihren knapp 40 Jahren bei Bosch Thermotechnik, heute Bosch Home Comfort Group, hat sie bewiesen, dass man sich auch mit Familie und Teilzeitjob durchaus beruflich weiterentwickeln kann. Ihr persönlicher Weg führte von der Kugelkopf-Schreibmaschine über den PC bis zur KI, wobei sie verschiedene Stellen bekleidete, unter anderem auch einmal die mit dem eindrücklichen Namen Datenverarbeitungskoordinationsassistentin.

Angefangen hat es für die Industriekauffrau in einer Esslinger Maschinenfabrik

Zunächst hatte die ausgebildete Industriekauffrau drei Jahre im Schreibpool einer Esslinger Maschinenfabrik gearbeitet. Ausgefüllt hat sie diese Stelle nicht, weshalb sie sich kurzerhand bei Junkers in Wernau bewarb: wieder im Schreibpool, aber mit kürzerem Arbeitsweg und mit der Hoffnung, sich dort weiterentwickeln zu können. Das hat sich bewahrheitet.

Rosen sind die große Leidenschaft von Gabriele Jurisch. Foto: dpa

Sie ergriff ihre Chancen, beispielsweise, wenn die Kollegin aus der Datenverarbeitung nach einer Urlaubsvertretung fragte. „Das habe ich immer gern gemacht“, sagt sie. Irgendwann blieb sie ganz in der IT, während immer wieder umstrukturiert wurde und die Chefs und die Firmennamen wechselten. Nur einmal hat die treue Mitarbeiterin sich widersetzt: Als ihre Abteilung nach Feuerbach umzog war sie rundum unglücklich – und konnte schließlich auf eine Assistenten-Stelle in der Entwicklung in Wernau zurückwechseln.

Gabriele Jurischs Aufgabe: Neue Software testen und IT-Zubehör beschaffen

Teilweise auch unter dem Tisch herumzukrabbeln hat sie dagegen nie gestört: Dort installierte sie die Hardware für neue Kollegen und Kolleginnen und sah nach dem Rechten, wenn etwas nicht lief. Sie sorgte dafür, dass Neuzugänge einen fertigen Arbeitsplatz mit den notwendigen IT-Zugängen vorfanden. Neue Software zu testen liebte Gabriele Jurisch ebenso wie die Beschaffung von IT-Zubehör. Von der Computermaus bis zur externen Dienstleistung hat sie alles für ihre Abteilung organisiert.

Einzig das Thema Datenschutz gab sie gern ab: zu trocken und bürokratisch war ihr dieses Feld. Zugute kam ihr, als die Kinder noch klein waren, flexibel und auch mal abends oder von zu Hause arbeiten zu können. „In einer kleinen Firma wäre das nicht gegangen“, ist sie überzeugt.

Nächster Zeitsprung in Esslingen: Desksharing-Plätze mit Mooswänden

Ihre Abteilung hatte gerade schöne, frisch renovierte Räume bezogen, als der Brand bei Bosch 2021 sie wieder zerstörte. Alle mussten unter beengten Verhältnissen bei einer anderen Abteilung einziehen. Danach wurden erstmals Desksharing-Plätze aufgebaut, wieder unter Beteiligung von Gabriele Jurisch. Die Mitarbeitenden haben nun keine festen Schreibtische mehr, sondern loggen sich an einem der Arbeitsplätze ein, die alle gleich ausgestattet sind. Trotzdem sei es gelungen, die Räume wohnlich einzurichten, sagt Jurisch, „mit wunderschönen Pflanzen und Mooswänden“.

IT und Rosen – für Gabriele Jurisch passt das zusammen. Foto: picture alliance/dpa

Dieses Umfeld und die Kollegen und Kolleginnen wird sie vermissen, auch wenn sie sich freut, mehr Zeit für ihre Enkelin und für Sport zu haben. Und wenn die Sehnsucht mal zu groß wird, kann sie ja ihre ehemaligen Kollegen und Kolleginnen in den Rosengarten einladen. Es wäre nicht das erste Mal.