Kreis Esslingen Stopfen Strafzettel Finanzlöcher? Städte sagen: Nein.

Der freundliche Hinweis, dass zu schnell gefahren wird. Eine Tempoanzeige in Mettingen. Foto: privat

In Einnahmen durch Bußgelder sehen der Landkreis Esslingen und Städte kein Mittel, um damit klamme kommunale Kassen zu stopfen und wehren sich damit gegen Kritik.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Blitzer als Einnahmequelle für klamme Kommunen? Das sehen viele Bürger so, die sich über die zunehmende Knöllchenflut ärgern. Viele reden da von „Abzocke“. Zumal bei den Haushaltsberatungen in Esslingen dieser Hintergrund ganz offen zur Sprache kam – die Stadt will auch Einnahmen steigern, indem mehr kontrolliert wird.

 

Beim Landkreis Esslingen, in Ostfildern und Plochingen sehen die Ordnungsämter diesen Aspekt allerdings nicht. „Bei Strafzetteln geht es um Sicherheit und um Steuerung“, findet Marc Petzold, der stellvertretende Chef des Plochinger Ordnungsamts. Dass eine Stadt wie Plochingen mit aktuell knapp 15  000 Einwohnern durch die Überwachung des fahrenden und des ruhenden Verkehrs große Summen einnimmt, sieht Petzold nicht. „Blitzeranlagen und Ordnungskräfte kosten die Kommunen Geld.“ Größere Städte könnten aus seiner Sicht mehr profitieren als die kleineren. Im Doppelhaushalt 2026/2027 sind jährlich Einnahmen in Höhe von rund 210 000 Euro für Verwarnungen und Bußgelder angesetzt.

„Bei Strafzetteln für die Verkehrsteilnehmer geht es den Kommunen um Sicherheit und um Steuerung.“

Marc Petzold Ordnungsamt Plochingen

Gerade im Bereich von Schulen oder Kindergärten sorgten die Kontrollen und Bußgelder für mehr Sicherheit. So lasse sich aus seiner Sicht das Verhalten der Verkehrsteilnehmer steuern. In Plochingen kontrollieren die städtischen Mitarbeitenden die innerörtlichen Straßen und Parkplätze; für Land- und Kreisstraßen ist der Landkreis Esslingen zuständig. Auch der bewirtschaftete öffentliche Parkraum wird in Plochingen kontrolliert. Am Friedhof etwa ist die Zeit mit einer Parkscheibe begrenzt. So will die Stadt vermeiden, dass Dauerparker die Plätze der Friedhofsbesucher blockieren, die zum Teil gehbehindert sind.

In der Hindenburgstraße in Nellingen wird Tempo 20 mit dem Blitzer überwacht. Foto: privat

Das Landratsamt übernimmt Geschwindigkeitsmessungen in allen Kommunen des Landkreises Esslingen - mit Ausnahme der Großen Kreisstädte. Die Einnahmen durch die Geschwindigkeitsüberwachung im Landkreis Esslingen betrugen im Jahr 2025 insgesamt 3,32 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Stadt Esslingen nahm 2025 4,9 Millionen Euro durch Blitzeranlagen ein; 2023 waren es sogar 6,5 Millionen Euro, inklusive einer Million Euro Verwarnungsgeld durch den ruhenden Verkehr. Damit zählt die Kreisstadt zu den zehn einnahmenstärksten deutschen Städten bei den Blitzern.

Die durch Geschwindigkeitsüberschreitungen erzielten Bußgelder sind nach den Worten des Rechts- und Ordnungsamts des Landkreises „eine Konsequenz von Regelverstößen und stellen keine primäre Einnahmequelle dar.“ Etwaige Entscheidungen über die Intensivierung oder Anpassung der Geschwindigkeitsüberwachung basieren demnach stets auf einer detaillierten Analyse von Unfallhäufungsstellen und anderen Gefahrenpunkten in sensiblen Bereichen.

Das sieht auch Tanja Eisbrenner, die Pressesprecherin der Großen Kreisstadt Ostfildern, so. Bei den Verkehrskontrollen gehe es nicht darum, gezielt die Einnahmen zu steigern. Im Jahr 2025 wurden circa drei Millionen Euro durch Verkehrskontrollen und Blitzer eingenommen. Insgesamt gab es nach Eisbrenners Worten etwa 82 400 Verstöße. 88 Prozent davon entfallen auf zu schnelles Fahren, sechs Prozent auf Parkverstöße und ein Prozent auf Rotlichtverstöße. Die restlichen fünf Prozent entfallen auf sonstige Verstöße. „Derzeit gibt es in Ostfildern Planungen für weitere stationäre Anlagen“, sagt Tanja Eisbrenner. Dabei geht es nach ihren Worten aber nur um die Verkehrssicherheit.

Tempokontrollen sollen Autofahrer zum Umdenken bewegen. Foto: Roberto Bulgrin

Ostfildern kontrolliert das Tempo an Gefahrenstellen wie etwa der Drechsler-Kreuzung. Dort hat die Kommune 2025 einen neuen Blitzer angeschafft. Die Säule ist weithin sichtbar und soll für die Autofahrer Signalwirkung haben. In der Unfallstatistik tauchte die Kreuzung zwischen Nellingen und Denkendorf immer wieder als Unfallschwerpunkt auf. Die Geschwindigkeitskontrolle soll dazu beitragen, dass sich die Autofahrer an das vorgeschriebene Tempolimit von 50 halten.

Auch in der viel befahrenen Hindenburgstraße im größten Stadtteil Nellingen ist ein Blitzer. Dort hat die Stadt auf einem Abschnitt, auf dem besonders viele Fußgänger unterwegs sind, sogar Tempo 20 ausgewiesen. Außerdem hat die Stadt Ostfildern nach Tanja Eisbrenners Worten zwei semistationäre Messanlagen, die an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden können – damit wurde jüngst etwa die Sperrung des Rathausplatzes in Scharnhausen überwacht.

Viele Kommunen greifen nicht gleich zu Strafzetteln und Bußgeldern, um Autofahrer zum verantwortungsvollen Fahren zu bewegen. In den Esslinger Stadtteilen Mettingen und Sulzgries etwa machen rote und grüne Smileys und andere Symbolbilder die Fahrer charmant darauf aufmerksam, dass zu schnell gefahren wird. Da gibt es noch keine Strafzettel, sondern nur den freundlichen, aber bestimmten Hinweis. Die Stadt Esslingen kündigt monatsweise an, wo im Stadtgebiet mobile Blitzeranlagen stehen.

Blitzer im Landkreis Esslingen

Dichtes Netz Auf der Autobahn sowie Bundes- und Landesstraßen im Kreis Esslingen gibt es viele Tempokontrollen. Feste Blitzer stehen nach Angaben der Stadt Esslingen auf der Adenauerbrücke, Vogelsangbrücke, Schorndorfer Straße und Kiesstraße, sowie auf der B10. Mobile Messungen erfolgen häufig in der Alleenstraße, Heilbronner Straße und anderen Hauptverkehrsstraßen. An Gefahrenstellen, bei Schulen und in Wohngebieten finden mobile Kontrollen statt.

Kontrollen Große Kreisstädte sind für die Verkehrskontrollen in ihrem Stadtgebiet selbst verantwortlich. In kleineren Kommunen übernimmt das der Landkreis. Mobile und stationäre Geschwindigkeitskontrollen und Rotlichtüberwachung gehören zu den Aufgaben des Rechts- und Ordnungsamts. Wer im Straßenverkehr einen Strafzettel erhält, kann eine Anhörung online durchführen.

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