Kreis Ludwigsburg Gefahr durch steigende Kitagebühren nicht unterschätzen

Sind wir als Gesellschaft bereit für komplett kostenlose Kindergärten? Foto: dpa

Im Kreis Ludwigsburg steht mehr auf dem Spiel als Elternbeiträge. Für den sozialen Frieden braucht es eine Entscheidung: Ist die Kita ein echter Teil des Bildungssystems – oder nicht?

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Steigende Kita-Gebühren betreffen auf den ersten Blick nur Familien mit kleinen Kindern. Doch im Landkreis Ludwigsburg gehen sie uns alle an. Denn gerade in einer wirtschaftsstarken Region wie unserer wird die Krise der Kinderbetreuung nicht folgenlos bleiben.

 

Wir leben in einem Kreis mit hoher Beschäftigungsquote und dichtem Arbeitsmarkt. Die Menschen, die hier arbeiten, tragen unsere Unternehmen, unsere Krankenhäuser, unsere Schulen. Die Entwicklungen in der Kinderbetreuung belasten die öffentlichen Kassen, Familien und letztendlich auch die Wirtschaft.

Bemerkenswerte Äußerungen aus Ludwigsburg und Bietigheim

Die Rahmenbedingungen müssen deshalb dringend neu justiert werden. Kinderbetreuung wird teurer – und das aus nachvollziehbaren Gründen. Mit bloßer „Aufbewahrung“ haben Kitas längst nichts mehr zu tun. Sie sind Bildungsorte, Förderstätten, Integrationsmotoren. Qualität kostet Geld.

Doch die Kosten wachsen den Städten über den Kopf. Sie sehen sich gezwungen, die Eltern stärker zu belasten – und riskieren damit, den sozialen Frieden in ihren Kommunen zu gefährden.

Bemerkenswert deutlich äußern sich inzwischen selbst kommunale Verantwortungsträger. Daniel Wittmann, Fachbereichsleiter für Bildung und Familie in Ludwigsburg, sagt: „Hätte ich die Wahl, würde ich die Kita komplett kostenfrei machen – keine Ausnahmen, sondern quer durch.“

Bietigheim-Bissingens Bürgermeister Michael Hanus verweist darauf, dass frühkindliche Bildung in anderen Ländern längst beitragsfrei ist. In den Kitas in Bietigheim-Bissingen werde jedes Kind individuell gefördert – das sei Bildung und müsse auch so behandelt werden.

Natürlich kann man einwenden: Kommunen fordern Gebührenfreiheit auch, weil sie ihre Haushalte entlasten wollen. Kritiker argumentieren zudem, dass vor allem Familien mit kleinen Kindern profitieren. Warum also sollte die Allgemeinheit vollständig über Steuern zahlen? Doch genau hier braucht es endlich Ehrlichkeit. Es gibt nur zwei konsequente Wege.

Entweder wir sagen: Frühkindliche Bildung ist Teil unseres Bildungssystems – so wie Schule und Universität. Dann muss sie grundsätzlich beitragsfrei sein. Das würde enorme öffentliche Mittel erfordern.

Endlich vorankommen und klaren Kurs einschlagen

Oder wir sagen deutlich: Kinderbetreuung ist ein Angebot, für das Eltern maßgeblich selbst aufkommen müssen. Damit käme der allgemeine Steuerzahler ohne Kleinkinder besser weg. Dann müssen wir aber auch die Folgen akzeptieren – weniger Kinder in der frühkindlichen Bildung, weniger Erwerbstätigkeit, da Eltern selbst die Betreuung übernehmen.

Letzteres würde zu enormen sozialen Spannungen führen – und wäre vermutlich der schwierigere Weg. Doch erst einmal ist es wichtig, dass man sich darauf einigt, den Status quo zu beenden. Diesen für die Landespolitik bequemen Zwischenzustand können wir uns nicht mehr leisten – die steigenden Gebühren, wachsende Frustration und ein schleichender Vertrauensverlust – die man im Landkreis Ludwigsburg früher als in anderen Regionen spürt.

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