Kreisbau Rems-Murr Das sind die Pläne für das alte Fellbacher Postareal
Wo einst die Fellbacher Bürgerinnen und Bürger ihre Briefe aufgaben oder Pakete abholten, ist für die kommenden Jahre Großes geplant.
Wo einst die Fellbacher Bürgerinnen und Bürger ihre Briefe aufgaben oder Pakete abholten, ist für die kommenden Jahre Großes geplant.
Wenn alles nach Plan läuft, dann erhält Fellbach (Rems-Murr-Kreis) in wenigen Jahren an einem zentralen Bereich der Kernstadt ein schmuckes neues Wohnquartier. Konkret: Das Areal, auf dem bis vor einigen Jahren noch die Post für viele Menschen eine wichtige Anlaufstation war, erhält ein neues Gesicht.
Der Gemeinderat hat jetzt dem neuen Quartier auf dem alten Postareal seinen Segen erteilt – und das modifizierte Konzept für ein modernes, nachhaltiges Stadtquartier mit mehr Wohnungen beschlossen. Nach einigen Veränderungen in den vergangenen Jahren bildet nun dieser überarbeitete städtebauliche Entwurf des Büros UTA Architekten und Stadtplaner die Grundlage für die weiteren Planungsschritte.
Die Kreisbaugruppe Rems-Murr mit Sitz in Waiblingen hatte schon vor längerer Zeit ein Auge auf das frühere Postareal geworfen. Denn schon 2014 hat die Tochtergesellschaft des Rems-Murr-Kreises das Gelände erworben. Im Jahr 2022 wurde das Hauptpostamt geschlossen, ein Jahr später wurde auch der Zustellstützpunkt ins Fellbacher Industriegebiet nördlich der Bahngleise verlagert.
Der Entwurf für ein modernes, nachhaltiges Quartier mit Wohn- und Gewerbenutzungen sieht eine kompakte, an den Bestand angepasste Bebauung mit einem Innenhof, hochwertigen Freiflächen und einer klaren Adressbildung zur Stuttgarter Straße vor. Das bestehende Postgebäude bleibt erhalten, wird umfassend saniert und durch eine Aufstockung ergänzt, erläuterte Fellbachs Baudezernentin Beatrice Soltys.
Der Vorteil ist eine deutlich effizientere Nutzung der Flächen: Durch punktuelle Erhöhungen in Form zurückgesetzter Staffelgeschosse entlang der Stuttgarter Straße und der Pfarrer-Sturm-Straße kann die Zahl der Wohnungen von zuvor angedachten 67 auf jetzt rund 75 Einheiten gesteigert werden. Für diese Verbesserung hatte der Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune bereits vor einigen Wochen im Ausschuss für Stadtentwicklung geworben, nur so sei das Projekt wirtschaftlich überhaupt umsetzbar.
Weiterer Pluspunkt des Konzepts: Es müssen keine zusätzliche Flächen versiegelt werden. Zugleich bleibt die städtebauliche Grundidee eines um einen Innenhof angelegten Quartiers mit abgestufter Geschossigkeit zur angrenzenden Wohnbebauung erhalten – das Projekt trägt denn auch die Überschrift „Wohnen am Posthof“.
Besonderes Gewicht legt die Planung auf bezahlbare Einheiten, um der angespannten Wohnraumsituation in Fellbach Rechnung zu tragen. Das fand in der anschließenden Debatte insbesondere SPD-Rat Hans-Peter Krause herausragend: „Sage und schreibe 35 sozial geförderte Wohnungen, das ist doch eine tolle Errungenschaft.“
Für Stephan Illing (Grüne) erinnert der derzeitige Anblick des Postareals an einen „Lost Place – so nennt man vergammelte, ehemals wichtige oder repräsentative Bauwerke“. Doch nun komme Bewegung in die Sache, und „das städtebaulich zwar nicht extrem wertvolle, aber immerhin sehr bekannte und das Ortsbild prägende Hauptgebäude der ehemaligen Post bleibt erhalten“. Durch den Verzicht auf den Abriss werde auch keine graue Energie verschleudert.
Matthias Conrad (Freie Wähler/Freie Demokraten) betonte: „Eine maßvolle Bebauung entspricht dem Ziel einer nachhaltigen Innenentwicklung und stärkt die Attraktivität der Stuttgarter Straße als städtisches Band.“ CDU-Rat Marcus Hofmeister plädierte mit Blick auf mögliche Ideen für den Innenhof für „ein hochwertiges Café oder eine Tagesgastro – aber ausdrücklich bitte ohne Shisha-Bar“.
Simone Lebherz (Die Stadtmacher) regte überdies an, während der Bauzeit die Pfarrer-Sturm-Straße probeweise zu sperren. In diesem Verkehrsversuch könne man dann prüfen, ob sich eine solche Änderung in dieser Fahrradstraße positiv auf den Pkw-Durchgangsverkehr auswirkt.