Ratlosigkeit: Weil der Schiedsrichter fehlte, wurde das Kellerduell bei Makedonija mit 50 Minuten Verspätung angepfiffen. Foto: Günter Bergmann
Weitere Schlagzeilen zum 25. Spieltag: Der TSV Rohr verpflichtet einen Ex-Oberliga-Spieler als neuen Trainer, und bei Germania Degerloch hält der Aushilfskeeper seine weiße Weste.
Das Kellerduell zwischen dem MK Makedonija Stuttgart und den Sportfreunden Stuttgart schreibt seine eigene Geschichte. Erst fehlt der Schiedsrichter, dann drehen die Gastgeber auf und machen es zweistellig. Derweil hakt der TSV Heumaden den Klassenverbleib ab, der TSV Rohr präsentiert einen Nachfolger für seinen Ttrainer Klaus Kämmerer, und mehrere überraschende Rückkehrer verleihen dem 25. Spieltag der Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 2, eine besondere Note.
Eine Viertelstunde vor Anpfiff kam in Vaihingen allmählich Unruhe auf. Der eingeteilte Schiedsrichter fehlte. Nach mehreren Anrufversuchen stellte sich heraus, dass er im Auslandsurlaub weilt. Die Suche nach einem Ersatz gestaltete sich schwierig und die Partie stand auf der Kippe. „Wir sind sogar zum TSV Rohr rübergelaufen, um den dortigen Schiedsrichter zu fragen, der das Spiel der zweiten Mannschaft gepfiffen hat. Er konnte aber nicht einspringen“, berichtet Makedonijas Torjäger Aleksandar Stoilov. Schließlich fand man über Dritte einen Unparteiischen und holte diesen aus Möhringen ab. Mit 50 Minuten Verspätung ging es schließlich los im mit Spannung erwarteten Kellerduell – das dann zu einer einseitigen Angelegenheit wurde.
„Wir wussten, dass es für uns ein Endspiel ist. Wir waren dementsprechend motiviert“, berichtet der Fünffach-Torschütze Stoilov. Makedonija trat mit einem vollen Kader und zwei kurzfristigen Neuzugängen an. Der ehemalige Heininger Michele Turco, Freund von Stoilovs Schwester, und Aleksandar Terzic verstärkten das Team. Schon zur Halbzeit führten die Gastgeber mit 5:0. „Wir waren richtig heiß und haben bis zum Ende durchgezogen“, sagt Stoilov. Mit dem Sieg stehen er und die Seinen weiterhin auf dem Relegationsrang 13, haben den Vorsprung auf ihren aktuellen Gegner aber auf vier Punkte ausgebaut. Für die Sportfreunde ist es im Kampf um den Klassenverbleib ein entsprechend schwerer Schlag.
Gegen Stetten tat sich das Ost-Team zwar lange schwer, führte nach 45 Spielminuten dank gnadenloser Effizienz aber dennoch mit 2:0. „Ich habe zu Erdinc Cakir in der Halbzeitpause gesagt: Kompliment, bislang hat uns noch kein Team so unter Druck gesetzt“, berichtet Cesarano. Mut dem Treffer zum 3:0 kurz nach dem Seitenwechsel war der Gäste-Widerstand jedoch gebrochen. „Danach war nur noch Einbahnstraßenfußball“, sagt Cesarano, für dessen Mannschaft nun zwei Spitzenspiele folgen. Am nächsten Sonntag geht es nach Degerloch zum Dritten ABV Stuttgart. Dann, am 17. Mai, wird das Waldebene-Derby gegen den Zweiten GFV Ermis Metanastis steigen.
Stettens Coach Cakir hadert etwas mit der zweiten Hälfte seines Teams. „Das 3:0 hat bei uns den Stecker gezogen. Das fand ich sehr schade, dass wir dann die Köpfe hängen lassen haben“, sagt der Trainer. Den zweiten Abschnitt müsse man deshalb abhaken. Zuvor sei man mit dem Ligaprimus aber auf Augenhöhe gewesen. In der Tabelle bleibt die Spvgg Stetten trotz der Niederlage Siebter.
Kurios: Zu zehnt war der Tabellenzweite gegen das Schlusslicht besser als zu elft. Erst nach dem Gelb-Rot-Platzverweis für Andreas Kourou kam Ermis Metanastis Stuttgart wieder ins Spiel. „Das war ein Weckruf für uns“, sagt der Trainer Jetmir Fetai, dessen Team zwischendurch einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielte. Die Gäste glichen mit zwei Kontertoren aus. Erst in der Endphase trafen Ardi Kryeziu und Panagiotis Karastergios zum insgesamt verdienten Favoritensieg. Der Winterneuzugang Kryeziu steht nach diesem Spiel bereits bei 13 Treffern in nur neun Partien.
Für den TV Kemnat ist mittlerweile selbst rechnerisch maximal noch der Relegationsrang möglich. Praktisch ist klar, dass für die Ostfilderner das Abenteuer Kreisliga A nach nur einem Jahr wieder enden wird. Die Mannschaft des Interimstrainers Kai Ansorge müsste an den verbleibenden fünf Spieltagen elf Punkte aufholen – nachdem sie in dieser Saison insgesamt erst elf Zähler geholt hat. Am kommenden Sonntag steht das Kellerduell mit den Sportfreunden Stuttgart an.
Besonderes: Gelb-Rot für Kourou (Ermis Metanastis, 60.).
Spvgg Möhringen – ABV Stuttgart 2:5
Der ABV Stuttgart hat den dritten Tabellenplatz behauptet und bleibt in Schlagdistanz zur Aufstiegsrelegation. Zum zweiten Platz beträgt der Rückstand weiterhin drei Punkte. Valentin Loparco und der Kapitän Leon Pachonick trafen jeweils doppelt.
Der Möhringer Coach Tobias Fuchs hat eine einfache Erklärung für die Niederlage: „Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht; das war der Unterschied zwischen uns und dem ABV.“ Allen Gegentoren gingen leichtsinnige Ballverluste voraus. „Das müssen wir für die restlichen Spiele minimieren“, sagt Fuchs, der optimistisch ist, den Klassenverbleib zu schaffen. Aktuell stehen die Möhringer mit 27 Zählern auf Rang zwölf. Der Vorsprung zum Relegationsrang beträgt nach dem Makedonija-Sieg vom Sonntag allerdings nur noch fünf Punkte.
Der Aufsteiger KF Kosova Bernhausen hat seine Restchance auf den Durchmarsch in die Bezirksliga gewahrt. Nach dem Auswärtssieg beträgt der Rückstand auf den Relegationsrang weiterhin sechs Punkte. „Es war ein schwieriges Spiel. Dass es so schwer wird, habe ich aber nicht gedacht“, sagt der Trainer Shefki Gjuraj. Schon in der Vergangenheit habe sein Team sich in Rohr immer schwergetan. Dieses Mal aber weniger mit dem Gegner als mit dem Schiedsrichter. „Er hat alles versucht, damit wir nicht gewinnen. Das ist sehr traurig“, beschwert sich Gjuraj, der im Laufe des Spiels wegen wiederholten Meckerns Gelb-Rot sah. Der Unparteiische habe mit seinen kleinlichen Pfiffen den Spielfluss immer wieder unterbunden, so der Vorwurf von Gjuraj. Deshalb sei sein Team trotz spielerischer Dominanz nur schwer ins Rollen gekommen. Letztlich setzte sich der Tabellenvierte dennoch knapp mit 3:2 durch.
Steffen Fuchs, Abteilungsleiter des TSV Rohr, ist mit der Leistung der Seinen trotz der Niederlage nicht unzufrieden: „Es war kein schlechter Auftritt von unserer Mannschaft“, sagt er. In dem intensiven Spiel hätten letztlich Kleinigkeiten zugunsten der Gäste entschieden.
Klar ist mittlerweile, wer den einstigen Bezirksligisten in der kommenden Saison trainieren wird. Alexander Nita übernimmt vom bisherigen Chefcoach Klaus Kämmerer. Letzterer hat wie berichtet bereits vor mehreren Wochen seinen Ausstieg bekannt gegeben. Der 37-Jährige Nita war zuletzt Spielertrainer beim 1. FC Hohenacker in der Kreisliga A1 Rems/Murr/Hall. Als Spieler lief Nita einst für den VfL Kirchheim in der Oberliga auf. Später schnürte er für den TSV Münster, den TSV Schornbach und den OFK Beograd Stuttgart seine Schuhe in der Bezirks- und Landesliga, ehe er über den 1. FC Global Stuttgart in Hohenacker landete. In Rohr wird er rein als Trainer fungieren. „Er ist als Mensch unheimlich sympathisch und kam mit vielen tollen neuen Vorschlägen“, berichtet Fuchs. Nach zwei Gesprächen sei man schnell übereingekommen. „Wir wollen lieber früher als später zurück in die Bezirksliga. Dieses Ziel hat er auch selbst mitgebracht“, sagt Fuchs.
Wer als Co-Trainer fungieren wird, ist noch offen. Der bisherige spielende Co-Trainer Giampiero Lapeschi wird seine Karriere mit 46 Jahren voraussichtlich beenden.
Besonderes: Gelb-Rot für Trainer Shefki Gjuraj (Kosova, 65.)
FV Germania Degerloch – KV Plieningen 2:0
Dass er noch einmal von Beginn an auf dem Platz stehen würde, hatte Plieningens Trainer Nikolai Pozorski nicht gedacht. Weil sich beim Aufwärmen Blaz Lucic und Triantafilos Chasekidis verletzten, entschieden sich der Cheftrainer und sein Co-Trainer kurzfristig dazu, selbst aufzulaufen. Beim ersten Gegentor hatte Pozorski prompt seine Anteile. „Ich habe meinen Gegenspieler aus den Augen verloren“, sagt der Coach, der schnell konditionelle Defizite bei sich feststellte. Den verdeckten Schuss zum Degerlocher 1:0 konnte der Torhüter Florian Horn nicht mehr abwehren. Fünf Minuten später stellten die Gastgeber nach einem schnellen Spielzug über die rechte Seite auf 2:0 – die Vorentscheidung. Bei den wenigen Möglichkeiten, die sich die Plieninger ihrerseits erspielten, war nichts Zwingendes dabei. „Es hat einfach die Feinabstimmung gefehlt“, sagt Pozorski, der sich zur Halbzeit selbst auswechselte. Bei zwölf Punkten Abstand zur Abstiegszone ist der Klassenverbleib jedoch praktisch sicher.
Der FV Germania Degerloch feierte derweil seinen vierten Sieg in Folge. „Souveränes Spiel. Bei uns läuft es gerade einfach perfekt. Wir sind im Flow“, sagt der Trainer Claudio Marques. Und das, obwohl die Degerlocher ebenfalls mit einem notgedrungenen Comeback aufwarten mussten. Zwischen den Pfosten stand bei ihnen ihr Ex-Coach Christian Bernhagen. „Alle unsere drei Torhüter haben gefehlt, deshalb haben wir ihn am Sonntagmorgen kurzerhand aus dem Bett geklingelt“, berichtet Marques. Der ehemalige Verteidiger Bernhagen blieb in seinem insgesamt dritten Spiel als Degerlocher Torhüter zum dritten Mal ohne Gegentor. „Er musste aber auch nur zweimal wirklich eingreifen“, berichtet Bernhagens ehemaliger Assistent Marques.
Tore: 1:0 Moquet (30.), 2:0 Humbert (35.).
Besonderes: –
SV Sillenbuch – SV Hoffeld 4:0
Der Hoffelder Trainer Grigorios Dimoulatos hat es erneut verpasst: auch diesmal kein Sieg gegen seinen einstigen Lehrmeister, den Sillenbucher Coach Zvonimir Topalusic. „Das war meine vorerst letzte Chance. Leider weiterhin ohne Erfolg“, sagt Dimoulatos. Topalusic wird den SV Sillenbuch wie berichtet im Sommer verlassen und vorerst pausieren.
Dimoulatos musste für die Begegnung auf mehrere verletzte Spieler verzichten und sah auch deshalb einen Klassenunterschied. „Wir haben gegen eine erfahrene Mannschaft gespielt, die das gnadenlos heruntergespielt hat“, sagt der Hoffelder Coach.
Zum Nachholspiel gegen den KV Plieningen vom vergangenen Donnerstag will Dimoulatos nicht mehr viel sagen. „Meine Spieler wollten spielen, deshalb haben wir auch gespielt. Ich stelle mich immer hinter meine Mannschaft“, sagt der Coach. In Richtung des verletzten Spielers Justus Press schickt Dimoulatos „im Namen des ganzen Vereins gute Besserung“.
Der SV Vaihingen II hat einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf gefeiert und steht damit kurz vor dem Klassenverbleib. Zehn Punkte Abstand zur Abstiegszone – da sollte nichts mehr schief gehen. Den aktuellen Erfolg schreibt der Spielertrainer Oliver Heringhaus seinem Kicker Julian Borgia zu. Der Mittelfeldspieler hatte in der vergangenen Woche das Training übernommen, weil Heringhaus terminlich verhindert war. „Er hat das super gemanagt. Ihm gebührt der Dank“, sagt Heringhaus.
In Heumaden übernahmen die Gäste mit zunehmender Spieldauer die Kontrolle. Auch wegen der Einwechselungen von Heringhaus. Sowohl Marcel Kousol als auch Bekit Awed trafen nach ihrer Einwechslung. „Es hat alles gegriffen, wie man sich das als Trainer wünscht“, freut sich Heringhaus. Der Treffer von Kousol in der 70. Minute nach einem Konter war dabei die Entscheidung. Danach war die Moral des Gegners gebrochen.
Letzteres gilt auch mit Blick auf den Abstiegskampf. „Acht Punkte auf den Relegationsrang bei nur noch fünf Spielen, das ist nicht mehr realistisch“, hakt der scheidende Trainer Adnan Shakir Mannan den Klassenverbleib bereits ab. „Es wäre eine sehr dicke Überraschung, wenn wir das noch schaffen sollten“, fügt er an. Die aktuelle Kadersituation lässt ihm nur wenig Hoffnung. Gegen Vaihingen verletzten sich abermals mehrere Spieler. Zwischen den Pfosten stand mangels Alternativen der 39-jährige Verteidiger Tobias Teuber.