Und ein weiteres Mal Torgefahr. Joa Kauderer (links) netzte beim Kantersieg des ABV Stuttgart zweimal ein. Foto: Günter Bergmann
Vor dem letzten Spieltag sind der Zweite aus Degerloch und der Dritte Ermis Metanastis punkt- und tordifferenzgleich. Die Griechen überraschen mit einem namhaften Rückkehrer.
Mike Meyer und Maximilian Gropp
01.06.2026 - 20:38 Uhr
Dramatische Zuspitzung in der Staffel 2 der Fußball-Kreisliga Stuttgart/Böblingen: Zum Abschluss am nächsten Sonntag wird es sowohl ein Fernduell um die Vizemeisterschaft als auch ein Endspiel gegen den Abstieg geben. ABV Stuttgart oder GFV Ermis Metanastis Stuttgart – wer schafft es in die Aufstiegsrelegation? Nach dem aktuellen Spieltag sind beide punkt- und tordifferenzgleich. Und: MK Makedonija Stuttgart oder Spvgg Möhringen – wem gelingt auf der anderen Seite der Tabelle die Rettung? Beide treffen nun in Vaihingen noch direkt aufeinander.
FSV Waldebene Stuttgart-Ost – SV Sillenbuch
45 Minuten lang sah es so aus, als wäre der SV Sillenbuch drauf und dran, dem bereits als Titelträger feststehenden FSV Waldebene Stuttgart-Ost die Meisterfeier nebst Wimpelübergabe zu vermiesen. Denn der aktuell Tabellenachte machte dem Spitzenreiter das Fußballerleben rechtschaffen schwer. Genau genommen erzielten die Sillenbucher sogar drei der vier Tore vor der Pause. Der Haken: Eines davon war ein Eigentor – nämlich das zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung für die Platzherren. Sillenbuchs Co-Trainer Nico Hering nahm den Unglücksraben Niklas Gerber in Schutz: „Wenn er da nicht versucht, hinzugehen, dann steht hinter ihm ein Gegenspieler frei vor dem leeren Tor.“
Jedenfalls egalisierten die Gäste noch in Hälfte eins und ließen sogar noch einige Möglichkeiten zur Führung aus, ehe nach dem Seitenwechsel auch das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Mannschaften ausgewechselt wurde. Der FSV Waldebene drehte auf, die Formkurve der Sillenbucher zeigte steil nach unten. Spätestens mit dem Doppelschlag durch Leon Renner und Christian Stürner zum 4:2-Zwischenstand war die Messe gelesen, und nach einer witterungsbedingten Spielunterbrechung erlahmte die Sillenbucher Gegenwehr endgültig. „Wir haben einfach nicht mehr verteidigt“, sagt Hering. Einzig der Schlussmann Simon Vögele verhinderte mit seinen Paraden eine durchaus mögliche noch höhere Niederlage.
Der FSV-Coach Rocco Cesarano war zwar mit der Leistung seiner Elf in Hälfte eins nicht zufrieden, konnte am Ende aber doch ein Lob verteilen: „Die Jungs sind auch nach einer 4:2-Führung noch hungrig“, sagte Cesarano. „Wenn sie mal in Fahrt kommen, dann sind sie schwer zu stoppen.“ Und so sollte es dann schließlich doch noch eine Meister-würdige Meisterfeier auf der Waldebene werden.
Besonderes: zehnminütige Spielunterbrechung wegen Gewitters (60.)
KF Kosova Bernhausen – ABV Stuttgart
Sieben Spieltage lang lag der ABV Stuttgart auf Tabellenplatz drei. Mehr als eine halbe Saison lang galt der KF Kosova Bernhausen als Anwärter auf den Titel. Inzwischen ist beides Geschichte: Zwar sind die Kosovaren schon ein Weilchen länger aus dem Titelrennen ausgestiegen, aber der ABV gibt auf der Zielgeraden gerade richtig Gas. Was gegen eine ersatzgeschwächte, aber sehr beherzt aufspielende Kosovaren-Elf gar nicht so einfach war. „Die haben uns alles abverlangt“, lobt der ABV-Trainer Achim Häusler die Gastgeber.
Denen gelang es, die Partie eine Halbzeit lang offen zu halten. Was auch das Verdient von KF-Keeper Avland Hulaj war, der mit seinen Paraden in den ersten 45 Minuten seinen Club im Spiel hielt und in Durchgang zwei, als den Kollegen Feldspielern langsam die Kräfte schwanden, einen noch höheren Kantersieg der Gäste vereitelte. Schon beim 1:0 für die Degerlocher hatte Leon Pachonick zwei Schussversuche benötigt, bis der Ball letztlich im Tornetz landete. Hulaj hatte Versuch Nummer eins klasse pariert. In Durchgang zwei konnte aber auch der Schlussmann die nun folgenden Einschläge nicht verhindern. Zweimal Joa Kauderer und einmal Marcel Hummel sorgten binnen sechs Minuten für die Vorentscheidung. Abgesehen vom Ehrentreffer für die Platzherren per Foulelfmeter sollten noch zwei Tore folgen, von denen vor allem das 7:1 viel über die Mentalität des ABV aussagt. Blessing Omoregie hatte 89 Minuten lang ein Privatduell mit KF-Torwart Hulaj geführt und dabei Chancen für zwei Spiele vergeben, ehe er am Ende doch noch einen Erfolg feiern durfte.
Auf diese innere Haltung seiner Spieler hofft Häusler auch beim Liga-Showdown in einer Woche gegen den SV Vaihingen II: „Wir werden alles tun, um den zweiten Tabellenplatz zu verteidigen.“ Ironie des Schicksals: Zeitgleich treffen die Kosovaren auf ABV-Verfolger Ermis Metanastis.
Vor dem letzten Spieltag ist der ABV Stuttgart nun neuer Zweiter – mit gleicher Punktzahl und Tordifferenz wie sein griechischer Fernrivale. Es gibt also ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation.
Bereits feststehender Absteiger gegen Aufstiegsanwärter – die Rollenverteilung im Duell zwischen dem TSV Heumaden und dem GFV Ermis Metenastis Stuttgart war vor dem Anpfiff recht eindeutig. Bis es allerdings auf dem Platz so eindeutig wurde, brauchte es schon ein Donnerwetter. Allerdings nicht seitens eines Trainers, sondern schlicht eines echten Gewitters. Denn das führte zu einer 25-minütigen Spielunterbrechung, in der der Gästecoach Jetmir Fetai seine zuvor doch arg verkrampft agierenden Kicker neu eingenordet bekam. Zuvor war Ermis Metanstis nicht so recht in die Gänge bekommen. „In der 3. Minute wurde uns nach Foul an Ümit Tozman ein Elfmeter verweigert“ kritisierte Fetai. „Zehn Minuten später gibt es eine Notbremse an Rafail Stavridis, was auch nicht geahndet wird – normal ist das Rot.“
Das führte, zusammen mit dem Druck, unbedingt und möglichst hoch gewinnen zu müssen, dazu, dass bei den Gästen nur wenig zusammenlief. „Da ist Ehrgeiz zu falschem Ehrgeiz geworden“, sagte Fetai. Zwar konnten seine Kicker die Führung der Heumadener ausgleichen, aber erst nach der erwähnten Gewitterpause und zweimaligem Personalwechsel nahmen die bereits zu diesem Zeitpunkt auf Platz drei zurückgefallenen Griechen endlich Fahrt auf – vor allem Dank Rückkehrer und Dreierpacker Rafail Stavridis (zuletzt Anagennisis Schorndorf, früher Junioren-Bundesliga), der sein erstes Saisonspiel für Ermis bestritt.
Während sich der Heumadener Trainer Adnan Shakir Mannan („Wir gegen in jedem Spiel unser Bestes, auch wenn wir schon abgestiegen sind“) über die Moral seiner Mannschaft freuen konnte, sieht sein Amtskollege von Ermis Metanastis trotz des Absturzes auf Rang drei entspannt dem Saisonfinale entgegen: „Ich bin wir sicher, dass wir den zweiten Platz zurückholen“, sagt er. „Wir müssen ja nur die bessere Tordifferenz als der ABV haben.“
Besonderes: 25-minütige Spielunterbrechung wegen Gewitters (58.)
Zuversichtlich fürs Saisonfinale: der Ermis-Trainer Jetmir Fetai. Foto: Günter Bergmann
KV Plieningen – TSV Rohr
Rein theoretisch hätte der KV Plieningen noch Grund zum Zittern gehabt. Denn ein Rest Abstiegsgefahr schwebte durchaus noch über den Kickern aus dem Wolfer. Ob das der Grund war, der den Plieningern in der Partie gegen den TSV Rohr die Beine schwer werden ließ, oder doch eher die sommerlichen Temperaturen, kann ihr Abteilungsleiter Martin Schmid nicht beantworten. Aber in einem ist er sich sicher: „Das war die mit Abstand schlechteste Saisonleistung von uns.“
Die Plieninger, die vor der Partie in Jesse Wengerek (Umzug), Kevin Gawecki (Ziel unbekannt) und Noah Felthaus (Spvgg Cannstatt) ein Spieler-Trio verabschiedeten, wurden kalt erwischt. Nach 20 Minuten stand es 0:3, nach 22 Minuten 10:11 – ersteres nach Toren, zweiteres nach Personal. Der Plieninger Florian Horn hatte sich für ein Festhalten von Gästespieler Daniel Johne mit einem Wischer in dessen Gesicht revanchiert, was mit der roten Karte geahndet wurde. Als die Rohrer zum vierten Mal trafen, verflachte die Partie. Es gab ja auch keinen Grund mehr, sich ins Zeug zu legen. Der Bezirksliga-Absteiger hatte – wie vom scheidenden Trainer Klaus Kämmerer gewünscht – einen weiteren Beitrag zu einem letztlich doch noch versöhnlichen Saisonende geleistet. Und die Plieninger waren endgültig aus dem Schneider, weil der SV Hoffeld sich pflichtschuldigst noch gegen die nun auf dem Abstiegsrelegationsplatz stehende Spvgg Möhringen durchsetze – wonach sich der KV auf mindestens eine weitere Kreisliga-A-Saison freuen darf.
Besonderes: Rote Karte für Horn (Plieningen, 22./Tätlichkeit); 30-minütige Spielunterbrechung wegen Gewitters (60.)
SV Vaihingen II – Spvgg Stetten
Die Spvgg Stetten hat ihr Auswärtsspiel beim SV Vaihingen II mit 3:2 gewonnen und sich damit für eine starke Leistung belohnt. Die Gäste erwischten den besseren Start und gingen durch Tobias Burghardt bereits in der 18. Minute in Führung. Robin Hock legte nach einer halben Stunde das 2:0 nach und schob sich mit seinem Treffer an die Spitze der Torjägerliste der Kreisliga-A-Staffel 2.
Vaihingen fand jedoch noch vor der Pause eine Antwort. Marco Pisacane verkürzte und hielt die Gastgeber im Spiel. Nach dem Seitenwechsel blieb die Begegnung umkämpft, ehe Julian Bega den alten Abstand wiederherstellte und auf 3:1 für die Gäste erhöhte – die Vorentscheidung.
„Es war ein verdienter Sieg. Wir haben kaum Chancen aus dem Spiel heraus zugelassen“, sagte Stettens Trainer Erdinc Cakir. Seine Mannschaft habe gewusst, worauf es ankommt. „Wir kannten die Standardstärke des Gegners, insbesondere von Tom Irion, der dann ja auch noch in der Nachspielzeit getroffen hat.“ Trotz der hektischen Schlussphase brachte der nun Tabellensechste von der Weidacher Höhe seinen Vorsprung über die Zeit.
Elf Tore, zwei Platzverweise, dazu eine Gewitterunterbrechung – mit einem spektakulären 6:5-Auswärtssieg beim bereits abgestiegenen TV Kemnat hat sich MK Makedonija Stuttgart die Chance auf den direkten Klassenverbleib bewahrt. Am Ende setzten sich die Wahl-Vaihinger trotz langer personeller Unterzahl durch und verbessern sich damit auf den nach jetzigem Stand rettenden zwölften Tabellenplatz.
Offensiv zeigte sich Makedonija in starker Verfassung. Dominik Bajrami und Ljupco Kolev trafen jeweils doppelt, dazu waren Miroslav Jeremic und Nils Genter erfolgreich. Besonders Genters Treffer zum 4:6 kurz vor Schluss beeindruckte. Kemnats Trainer Kai Ansorge sprach nach dem Spiel von einem „Traumtor“. Dabei ärgerte er sich vor allem darüber, dass seine Mannschaft erneut mehrere Gegentore in kurzer Zeit kassierte. Die eigene Aufholjagd nach einem 2:5-Rückstand kam dann zu spät.
Für Brisanz sorgte der Gelb-Rot-Platzverweis gegen Walter Vins kurz vor der Pause. Aber auch einen Kemnater erwischte es mit der Ampelkarte. Dominik Bayer sah nach dem Schlusspfiff wegen Meckerns im Kabinentrakt ebenfalls Gelb-Rot. Nach einer Gewitterunterbrechung ließ der Schiedsrichter rund 15 Minuten nachspielen.
Bei Makedonija überwog nach dem Abpfiff die Erleichterung. Der Torhüter Darko Kalpachki führte die positive Form der vergangenen Wochen auf den inzwischen weitgehend verletzungsfreien Kader zurück. Nun kommt es am letzten Spieltag zum entscheidenden Duell mit der Spvgg Möhringen. Der Verlierer muss in die Abstiegsrelegation, während Makedonija bereits ein Unentschieden zum Klassenverbleib genügt. Vorausgesetzt, es tritt nicht noch der Worst Case eines vierten Absteigers ein. Dies wäre der Fall, wenn in der Verbandsliga Calcio Leinfelden-Echterdingen zum Abschluss auf den elften Tabellenplatz rutscht und zudem der Oberliga-Vizemeister VfR Mannheim den Sprung in die Regionalliga verpasst. Beides würde in Kombination eine Kettenreaktion bis in die Kreisliga A nach sich ziehen.
Der SV Hoffeld hat seine starke Rückrunde fortgesetzt und der Spvgg Möhringen mit einem 3:2-Auswärtssieg einen empfindlichen Dämpfer im Abstiegskampf verpasst. Obwohl es für die Gäste tabellarisch um nichts mehr ging, zeigte die Mannschaft von Trainer Grigorios Dimoulatos eine engagierte Leistung und drehte einen Pausenrückstand.
„Es war nichts zu verschenken, auch wenn die Möhringer aufgrund ihrer Tabellensituation unter stärkerem Zugzwang standen als wir“, sagt Dimoulatos. Sein Team habe die Begegnung ernst genommen und sich für den Aufwand belohnt. Nach dem Möhringer Führungstreffer kurz vor der Pause übernahmen die Kicker von der Hohen Eiche im zweiten Durchgang die Kontrolle. Patrick Wüst drehte die Partie mit einem Doppelpack, ehe der Kapitän Thorsten Waldmüller die Führung ausbaute. Die Möhringer Gastgeber verkürzten zwar noch per Strafstoß, gingen am Ende aber leer aus. Und so stehen sie nun als nur noch Tabellendreizehnter am letzten Spieltag gehörig unter Druck. Nur mit einem Sieg beim direkten Konkurrenten MK Makedonija Stuttgart lässt sich der Gang in die Abstiegsrelegation verhindern.
Der FV Germania Degerloch hat das Degerlocher Derby gegen die Sportfreunde Stuttgart mit 2:1 gewonnen. In einer lange zähen Partie fielen alle drei Treffer binnen 13 Minuten in der zweiten Hälfte.
„Es war kein Leckerbissen“, sagt der Germania-Trainer Claudio Marques. Die zunächst beste Chance hatte der bereits als Absteiger feststehende Gegner mit einem Lattenschuss. Die Halbzeitpause dauerte aufgrund eines Gewitters rund 45 Minuten. Nach dem Wiederanpfiff präsentierte sich die Germania deutlich verbessert. Ben Julian Arndt brachte die Gastgeber in Führung, ehe Emil Scheuermann auf 2:0 erhöhte. Marques zeigte sich zwar zufrieden mit der Leistungssteigerung seiner Mannschaft, bemängelte jedoch die Chancenverwertung.
Mit dem Sieg festigt der FV Germania Rang fünf. Für die den künftigen B-Kreisligisten Sportfreunde blieb dagegen ein Achtungserfolg im Derby aus.