Kreuzfahrt zum Nordpol Entdecker de luxe
Die Eisbrecher-Jacht der Reederei Ponant unterstützt die Forschung. Jüngst erreichte sie einen der letzten weißen Flecken auf der Weltkarte.
Die Eisbrecher-Jacht der Reederei Ponant unterstützt die Forschung. Jüngst erreichte sie einen der letzten weißen Flecken auf der Weltkarte.
Im Schritttempo bewegt Kapitän Etienne Garcia die „Le Commandant Charcot“ durch gewaltige Schollen, um sie genau über diesen Punkt zu manövrieren und damit Seefahrtsgeschichte zu schreiben: Als Erster am Pol der Unzugänglichkeit, rund 1070 Kilometer von Ellesmere Island, Kanada, gelegen, ist dies der einsamste Ort der Arktis.
Zwei Jahre lang hatte Garcia geplant, einen der letzten noch zu entdeckenden Punkte der Erde als Erster zu erreichen, auf günstige Bedingungen gehofft – und geschwiegen. Erst als er sich sicher war, wirklich dorthin zu gelangen, informiert er am Vorabend seine Vorgesetzten und die Passagiere: „Es geht nicht darum, Rekorde aufzustellen, Sicherheit geht absolut vor. Aber mit diesem Schiff ist das möglich. Wir sind nicht auf einer Expeditions-, sondern auf einer Entdeckungsreise, das unterscheidet uns von allen anderen.“
Wenig später erreicht das Schiff den magnetischen und danach den geografischen Nordpol. Dort legt es an einer riesigen Eisscholle an. Wie bei jedem Eisgang schauen die 18 Mitglieder des Expeditionsteams nach Rissen, suchen nach dünnem Eis und wandernden Eisbären. Dann werden bewaffnete Späher postiert und ein Bereich abgesteckt, der betreten werden darf. Begeistert spazieren die Passagiere bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt herum, fotografieren sich vor dem Nordpolschild und einem Wegweiser, werfen Postkarten in den nördlichsten Briefkasten der Welt oder laben sich am Punsch- und Waffelbuffet, alles von der Crew aufgestellt. Anderthalb Tage bleibt das Schiff an der Scholle, ausgiebig Zeit für geführte Skitouren, Schneeschuhwanderungen oder kurzes Eiswasserbaden. Wenn andere Expeditionsschiffe mit Eisklasse vor der Packeisgrenze umdrehen müssen, geht für die „Charcot“ die Reise erst richtig los. Die Eisbrecher-Jacht hält auch den Weltrekord für das Schiff, welches den südlichsten Punkt erreicht hat, 78°13`` Grad in der Antarktis. Möglich macht dies eigens entwickelte Technik wie das Rumpfdesign, neuartige Motoren sowie das 50 Tonnen schwere Batteriepaket, das für drei Stunden lautloses und emissionsfreies Fahren reicht. Gefahren wird mit LNG, schwefelfrei und mit um 85 Prozent reduziertem Stickoxid. Mit einer Tankfüllung ist das Schiff zwischen sechs und zehn Wochen autark.
Doch die Fahrt ist mehr als ein technischer Kraftakt, es ist eine Reise in eine fast lautlose Welt, voller fantastischer Formen. Das Eis der Arktis ist keine durchgehende Fläche. Es besteht aus teils riesigen Eisschollen mit Säulen, die an Statuen oder Bauwerke erinnern. Das seltene, ältere Eis schimmert in allen Blautönen, jüngeres Eis leuchtet mal milchig, mal ist es durchsichtig wie Glas. Eisbären sind die unangefochtenen Herrscher der Region, auch Walrosse und einige Walarten sind in den eisigen Gewässern zu Hause. Aber es ist auch eine Reise in ein Eis, von dem man längst weiß, dass es nicht mehr ewig sein wird. Das wirft zwangsläufig Fragen zu den Umweltauswirkungen der Fahrt auf.
So sind bei manchem Passagier leise Zweifel herauszuhören, doch meist überwiegt die Faszination, die Hocharktis zu erleben. Dieses fragile Gebiet ist aber durch den Klimawandel bereits stark belastet. So lautet das Credo der zwanzig Wissenschaftler aus aller Welt, die auf dieser Reise Beobachtungen, Proben und Messungen vornehmen. Professionell eingerichtete Labore ermöglichen seriöse wissenschaftliche Forschung während des Kreuzfahrtbetriebs.
Da das Schiff viermal pro Jahr zum Nordpol fährt, sind Arbeiten langfristig planbar und erlauben Messreihen, wo sonst nur Stichproben möglich wären, so Professor Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut: „Expeditionen zum Nordpol sind teuer und kommen auf Forschungsschiffen nur alle zehn Jahre vor. Darum sind wir sind sehr froh über diese Möglichkeit, jährliche Messungen machen zu können.“
Passagiere können unter Anleitung Eiskerne bohren. Alle begrüßen, dass die Reederei Ponant aktiv die Forschung unterstützt und sie mit dem hohen Reisepreis auch die Freikabinen für die Wissenschaftler finanzieren. Diese zeigen in Vorträgen die Bedeutung ihrer Projekte auf und erklären die polare Umgebung. So erkennen die Gäste Zusammenhänge, verstehen, was sie bei Ausflügen gesehen haben und auch die Herausforderungen, damit die Eiswelt möglichst lange erhalten bleibt.
Kreuzfahrt Die „Le Commandant Charcot“ kann derzeit als einziges Expeditionsschiff zum Nordpol fahren, der Atomeisbrecher „50 Years of Victory“ bedient aufgrund der Russland-Sanktionen den westlichen Markt aktuell nicht. Die Kreuzfahrt Transarktis, 5. bis 25. September 2025, 20 Nächte, mit Flügen ab/bis Deutschland (nach Seattle, Charter nach Nome und ab Longyearbyen nach Paris, Flug nach Deutschland), All-Inklusive-Verpflegung mit ausgesuchten alkoholischen Getränken, freier Minibar und Wlan kostet ab 46 440 Euro pro Person. Kreuzfahrt Geografischer Nordpol, 15 Nächte, Fünf Termine von Juli bis September 2026 ab/bis Longyearbyen inkl. Anreise ab 34 690 Euro pro Person, Infos unter: https://de.ponant.com/reiseziele/nordpol
Unterkunft Für die Vorabübernachtung in Seattle empfiehlt sich das Hotel Andra, ein Boutique-Hotel in einem historischen Gebäude im Herzen der City, Doppelzimmer ab 350 Euro, https://hotelandra.com/
Essen und Trinken Der Pike Place Market ist einer der ältesten Märkte der USA, mit Produkten von Landwirten, Fischern, Kunsthandwerkern und kleinen Unternehmen. „Die Seele von Seattle“ hat eine unglaubliche Vielfalt an Geschäften und Restaurants, www.pikeplacemarket.org/ Empfehlenswert sind die preiswerten Fisch- und Meeresfrüchte im Market Grill, www.marketgrillseattle.com, oder der Italiener The Pink Door, www.thepinkdoor.net/welcome-mobile
Allgemeine Informationen Deutsches Arktisbüro (AWI): www.arctic-office.de, World Ocean Review (deutsch): https://worldoceanreview.com/de/wor-6/