Eine böse Überraschung erlebten israelische Geschäftspartner der Firma Roto Frank aus Leinfelden-Echterdingen. In einer Lieferung klebten „Fuck Israel“-Aufkleber. Das Unternehmen zeigt sich erschüttert und hat Untersuchungen eingeleitet.
Die Firma Roto Frank Fenster- und Türtechnologie GmbH mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen hat gute Geschäftsbeziehungen nach Israel. Seit Jahren beliefert das Unternehmen, das rund 5000 Mitarbeiter beschäftigt und zu den großen deutschen Herstellern im Bereich Wohnungs- und Industriebau zählt, dort einen Fensterhersteller. Nun aber herrscht Aufregung: Nach einem Bericht des israelischen Nachrichtenportal „Ynet“ enthielt eine Lieferung aus Leinfelden-Echterdingen „Fuck Israel“-Sticker. Sie klebten demnach auf mehreren Zetteln, die sich in dem Paket befanden.
„Wir waren schockiert, als wir den Karton mit der Lieferung öffneten und die Notizen mit diesem Schimpfwort fanden“, zitiert das Medium die Firmeninhaber Haim und Benny Briskin aus Sha’ar Binyamin im Westjordanland. Den Schilderungen zufolge arbeiten sie seit 15 Jahren mit der Firma Roto Frank zusammen: „So etwas gab es noch nie.“ Nach einem Bericht der „Jüdischen Allgemeinen“ wandten sich die Israelis daraufhin mit einem Beschwerdebrief an das Unternehmen und forderten die Geschäftsführung auf, den Vorfall zu untersuchen und gegen die Verantwortlichen vorzugehen.
Firmenchef Sander verspricht „vollumfängliche Aufklärung“
Dort reagierte man umgehend. Marcus Sander, Vorsitzender der Geschäftsführung, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung: „Dieser Vorgang hat uns erschüttert.“ Solche Handlungen widersprächen des Werten und Grundsätzen des Unternehmens zutiefst: „Antisemitismus, Diskriminierung und jede Form von Hass haben bei Roto keinen Platz und werden von uns auf das Schärfste verurteilt.“ Sander versicherte, man nehme den Vorfall „sehr ernst“ und habe umgehend interne und externe Maßnahmen eingeleitet, um die Hintergründe vollumfänglich aufzuklären. Er versprach: „Wir werden in dem inakzeptablen und in höchstem Maße zu verurteilenden Vorfall, bei dem eine Warensendung von Roto-Beschlägen mit israelfeindlichen Botschaften versehen wurden, für Klarheit sorgen und alles unternehmen, um die Verantwortlichen zu identifizieren und sicherzustellen, dass entsprechende Konsequenzen folgen.“ Der „Jüdischen Allgemeinen“ sagte er, die Aufkleber stammten nicht vom Unternehmen, sondern seien „am Markt neutral verfügbare Sticker“.
Zugleich bat der Firmenchef um Geduld: „Die Untersuchungen benötigen aufgrund der Komplexität der internationalen Waren- und Lieferströme etwas Zeit.“ Er bat auch um Verständnis, „wenn wir unsere Ermittlungsansätze und deren Ergebnisse ausschließlich mit den dafür zuständigen staatlichen Stellen teilen“. Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume sagte auf Anfrage: „Der Vorfall beweist erneut, dass Antisemitismus überall auftreten kann und auch schon dem Ruf unserer Wirtschaft schadet.“ Blume dankte dem Unternehmen für seine „klare Stellungnahme“.