Porsche steckt in der Krise: Die operative Umsatzrendite sank 2025 auf 0,3 Prozent. Foto: Rouven Spindler
Der Gewinn des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche ist um 91,4 Prozent eingebrochen. Wie äußern sich Mitarbeiter zur Lage? Ein Stimmungsbild am Werkstor.
Für die Mitarbeiter von Porsche geht eine Woche zu Ende, in der ihr Unternehmen bundesweit in den Schlagzeilen war. Denn der Sportwagenhersteller aus Stuttgart hat seine Bilanz für 2025 vorgestellt – und in diesem Zuge einen Gewinneinbruch um 91,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gemeldet.
Das schlechte China-Geschäft, die US-Zölle, der Strategiewechsel wegen des offenbar zu optimistisch eingeschätzten Markts für Elektro-Modelle: Verschiedene Gründe führten dazu, dass die Sportwagen-Tochter vom Zugpferd zum Problemfall ihres Mutterkonzerns Volkswagen wurde, der selbst einen Gewinneinbruch um 44 Prozent verzeichnete. Wie blicken Porsche-Mitarbeiter an der Konzernzentrale in Stuttgart-Zuffenhausen auf die Lage?
So äußern sich Porsche-Beschäftigte
„Wir haben letztes Jahr gearbeitet ohne Ende – an Samstagen, mit Überstunden und allem. Und dann kommt zum Ende raus, dass du eigentlich gar keinen Gewinn gemacht hast. Das frustriert“, blickt ein 39-Jähriger auf die 310 Millionen im Porsche-Ergebnis – nach fast 3,6 Milliarden im Jahr 2024.
Aus seiner Sicht – und auch aus der seiner Kollegen, wie er sagt – sei es eine Fehlentscheidung gewesen, „Vollgas in die Elektromobilität zu investieren und nicht zu versuchen, erstmal zweigleisig zu fahren“. Das sei politikgetrieben passiert, aber auch durch Entscheidungen des Unternehmens. Porsche musste dadurch 2025 hohe Sonderausgaben verbuchen und nach dem Strategiewechsel massiv in neue Verbrennermodelle investieren.
„Wir sind immer noch stolz darauf, hier zu arbeiten“, sagt der 39-Jährige, „du gibst auch alles jeden Tag“. Doch: „2016 hat man sich noch ein bisschen mehr wertgeschätzt gefühlt, jetzt geht das ein bisschen weg“, findet er und mutmaßt: „Vielleicht sind wir auch zu schnell gewachsen, zu viele Leute.“ Womöglich werde es nun wieder ein wenig besser. „Aber natürlich: Sorgen hat man“, gesteht der zweifache Vater mit Blick auf den Arbeitsplatz. Er habe zwei Kinder und pendle täglich über 100 Kilometer, weil es in seiner Region keine Arbeit gebe.
Porsche will Stellenabbau verschärfen
Um die Wettbewerbsfähigkeit im erforderlichen Ausmaß zu verbessern, reicht das Anfang 2025 zwischen Vorstand und Betriebsrat vereinbarte Programm, das den Abbau von 1900 Stellen und das Auslaufen von 2000 befristeten Arbeitsplätzen vorsieht, aus Sicht des Unternehmens nicht aus. Seit dem Vorjahr will Porsche mit dem Betriebsrat über ein weiteres Paket verhandeln.
Über die Sorge um den Arbeitsplatz spricht auch ein weiterer Beschäftigter aus der Produktion. Man sehe, wie in anderen Unternehmen trotz Arbeitssicherung und Verträgen mit Gewerkschaften Stellen abgebaut werden, sagt er, meint aber: „Den Kopf jetzt in den Sand zu stecken, wäre, glaube ich, die falsche Lösung.“ Stattdessen müssen man weiter den Glauben aufrechterhalten, der bringe einen immer am weitesten.
Mitarbeiter wünscht sich transparentere Porsche-Kommunikation
Von seinem Arbeitgeber erhoffe er sich etwas mehr Transparenz. Denn für einen operativen Mitarbeiter sei „gerade alles ein bisschen undurchsichtig. Es wird relativ wenig durchgegeben“. Er könne wohl für einige sprechen, wenn er sage, dass er sehnsüchtig auf die Betriebsversammlung in der kommende Woche blickt. „Da hoffen wir, dass wir mal wieder etwas Handfestes bekommen beziehungsweise mal wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist“, so der 33-Jährige. „Mit den neuen Zahlen wächst logischerweise die Sorge“, ergänzt er.
Was er sich wünscht? Mehr Informationen darüber, wie es weitergeht, ob ein Plan B existiert und ob es etwas gibt, das Hoffnung macht. Darüber könnte die Strategie des neuen Porsche-Chefs Michael Leiters Aufschluss geben. Doch bis er die vorstellt, könnte es noch ein halbes Jahr dauern.
Seit Januar Chef der Porsche AG: Michael Leiters Foto: Porsche AG/dpa
Beim Blick nach vorn bezieht sich der 33-jährige Produktionsmitarbeiter auf die Elektromobilität – und hofft, „dass wir da weiter dranbleiben und nicht ganz abgedankt haben. Ich bin guter Dinge“.
Auch ein anderer Beschäftigter, der sich zur Lage äußert, ist „optimistisch, dass es auch wieder bergauf gehen wird“. Er denke, dass Leiters den Job als Porsche-Chef vermutlich besser machen wird als sein Vorgänger Oliver Blume, obwohl dieser den Autobauer einige Jahre erfolgreich geleitet hatte. Die nun veröffentlichten Zahlen zu Blumes letzten Jahren an der Porsche-Spitze kamen für den 29-jährigen Mitarbeiter „nicht wirklich überraschend. Wir wussten eigentlich schon alle vorher, dass es so kommen wird“. Wirkliche Ängste in Bezug auf den Stellenabbau hätten die Zahlen bei ihm nicht geschürt, auch wenn natürlich Gerüchte herumgehen würden.
Porsche-Mitarbeiter äußern sich zum Bonus
„Mich interessiert das nicht“, sagt einer seiner Kollegen, der ebenfalls in der Produktion arbeitet, zu der Bilanz für 2025. Er erhalte sein Gehalt, sei schon lange im Unternehmen. „Es kommt wie es kommt“, blickt er voraus. „Manche haben Angst“, weiß der 32-Jährige, „aber im Endeffekt können wir eh nichts ändern“.
Er hält es für möglich, dass die Mitarbeiter-Prämie, die anders als etwa bei Mercedes-Benz nicht zeitgleich mit den Geschäftszahlen kommuniziert wird, in diesem Jahr ausbleibt – glaubt aber, dass es immerhin einen kleinen Bonus geben wird. Sein 39-jähriger Kollege kann es nicht einschätzen, die beiden anderen rechnen mit keiner Gewinnbeteiligung. „Das wäre für mich tatsächlich gar nicht so schlimm, wenn ich dafür die Sicherheit hätte, den Arbeitsplatz zu behalten“, sagt der 33-Jährige.