Krise verschärft sich Rot-Kreuz-Schule kündigt 40 Mitarbeitern
Die Krise an der DRK-Landesschule verschärft sich: Ohne betriebsbedingte Kündigungen sei sie nicht mehr existenzfähig, heißt es. Weitere drastische Maßnahmen sind geplant.
Die Krise an der DRK-Landesschule verschärft sich: Ohne betriebsbedingte Kündigungen sei sie nicht mehr existenzfähig, heißt es. Weitere drastische Maßnahmen sind geplant.
Die Krise an der zentralen Landesschule des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Baden-Württemberg spitzt sich dramatisch zu. Um das Überleben der Ausbildungsstätte für Rettungs- und Notfallsanitäter mit Hauptsitz in Pfalzgrafenweiler (Kreis Freudenstadt) und zehn weiteren Standorten zu sichern, greift das DRK jetzt zu drastischen Maßnahmen. Wohl erstmals in seiner Geschichte im Südwesten trennt sich das Rote Kreuz im großen Stil von Mitarbeitenden: Etwa 40 von 200 Beschäftigten der Landesschule sollen betriebsbedingt gekündigt werden, wie intern angekündigt und von einem Sprecher bestätigt wurde. Betroffen seien vor allem Beschäftigte im Bereich Reinigung, Küche und Hausmeisterdienst am Standort Pfalzgrafenweiler; der Beherbergungsbetrieb dort sei „hoch defizitär“. Durch den Einsatz von externen Dienstleistern solle jährlich ein siebenstelliger Betrag eingespart werden. Auch in der zentralen Verwaltung seien Änderungen geplant.
Noch Ende vergangenen Jahres hatte es geheißen, man wolle betriebsbedingte Kündigungen und die Zusammenlegung von Standorten vermeiden; sie könnten aber langfristig zum Thema werden. Nun werden die Einschnitte offenbar weitaus schneller nötig als erwartet. „Die wirtschaftliche Situation der Landesschule ist extrem angespannt“, teilte der DRK-Sprecher mit. „Die vorgesehenen Maßnahmen des Sanierungskonzepts sind zwingend erforderlich, damit die Schule existenzfähig bleibt.“ Zuletzt hatte es geheißen, die Einrichtung sei „aktuell“ nicht insolvenzgefährdet.
Im vorigen Herbst hatten die beiden DRK-Landesverbände Baden-Württemberg und (Süd-)Baden ihre Landesgeschäftsführer als Krisenmanager eingesetzt, neben Marc Groß aus Stuttgart Leonard von Hammerstein aus Freiburg. Im Berufsnetzwerk Linked-in äußerte sich von Hammerstein tief betroffen über die derzeitige Situation und die notwendigen Konsequenzen. Die Kündigungen beträfen Mitarbeitende, „die zum Teil seit Jahren für die Landesschule tätig sind, die sich mit Engagement und Herzblut für die Landesschule eingesetzt haben und das auch jetzt in der Krise noch tun“. Für viele bedeute die Trennung „den Verlust der sicher geglaubten beruflichen Existenz“.
Man werde sich bemühen, schrieb von Hammerstein, möglichst vielen von ihnen eine berufliche Perspektive beim DRK zu bieten. Laut dem Rotkreuz-Sprecher ist es ein „zentrales Anliegen, die erforderlichen Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“. Geprüft würden andere Einsatzmöglichkeiten, Angebote zur Weiterbildung oder die Gründung einer Transfergesellschaft. Mit dem Betriebsrat finde derzeit ein sogenanntes Interessenausgleichsverfahren statt. „Aus heutiger Sicht“ seien keine weiteren Kündigungen geplant.
Zum Sanierungskonzept gehören laut dem DRK auch „deutliche Preisanpassungen im Bildungsangebot und bei den Beherbergungspreisen“. Das komplette Kursangebot sei intensiv geprüft und mit anderen Anbietern verglichen worden, um die Preise neu zu kalkulieren. Dies dürfte die Kreisverbände, die ihr Personal zur Qualifizierung an die Schule schicken, erheblich belasten. Darüber hinaus ist dem Sprecher zufolge geplant, Immobilien und Anlagevermögen zu veräußern und Verträge nachzuverhandeln. Über die Gründe der Krise hatte sich von Hammerstein offen geäußert: „Es sind Fehlentscheidungen der Vergangenheit, die die Landesschule in diese Situation gebracht haben.“ Er vermöge „nicht zu beurteilen, ob man es hätte besser wissen können, aber solche Spekulationen helfen nicht“. Der DRK-Sprecher erklärte dazu: „Unternehmerische Entscheidungen sind immer risikobehaftet, weil sich ihre Auswirkungen auf die Zukunft beziehen.“ Oft werde erst im Nachhinein sichtbar, ob die richtigen Entscheidungen getroffen worden seien; dann müsse man sie gegebenenfalls korrigieren, so der Sprecher.
Für personelle Konsequenzen auf der Ebene von Geschäftsführer oder Aufsichtsrat sieht das Rote Kreuz weiterhin keinen Anlass. Der Aufsichtsrat unter Führung der Staatsrätin Barbara Bosch erfülle seine Aufgaben „kontinuierlich, konsequent und in vollem Umfang“. Mit der Bestellung von Groß, der schon länger zumindest formal Co-Geschäftsführer der Schule war, und von Hammerstein zu Interims-Geschäftsführern sei beiden das Vertrauen ausgesprochen worden – bei Groß auch mit Blick auf die Vergangenheit.