Der Elternbeirat der Esslinger Kindertagesstätte Neckarstraße kritisiert in einer Pressemitteilung die Entscheidung der Stadt, die letzten vier städtischen Ganztageskindertagesstätten künftig im Mischbetrieb mit sogenannter Verlängerter Öffnungszeit (VÖ7, also sieben Stunden Betreuung) und Ganztag (GT) zu führen. Aufgrund der angeblich prekären Finanzlage, so die Mitteilung, wurden 2022 massive Gebührenerhöhungen beschlossen. Eine Familie zahle nun einkommensgestaffelt bei Unter-Dreijährigen für Ganztagsbetreuung (acht Stunden) bis zu 954 Euro pro Monat. Die Gebühren für VÖ7 seien nicht einkommensabhängig und „auffällig niedriger“ mit 270 Euro pro Monat für Unter-Dreijährige. Für eine Stunde Betreuung mehr am Tag müssten Eltern somit bis zu 684 Euro mehr bezahlen. Dies, mutmaßt der Elternbeirat, solle Eltern zum Umsteigen verleiten.
Mit einem nun „entspannten Blick auf die Stadtfinanzen“ – der Elternbeirat zitiert unsere Zeitung vom 27. Juni – falle auf, dass das eigentliche Problem fehlendes Fachpersonal sei. Gleichzeitig bestehe das Ziel, die Wartelisten abzubauen. Reduzierte Öffnungszeiten als Lösung sind für den Elternbeirat aber der „Weg des geringsten Widerstands“ auf Kosten von Eltern, Kindern und Gesellschaft. „Wir sind nicht nur Eltern, wir sind auch Fachkräfte“, heißt es in der Pressemitteilung. „Wenn die Politik nicht umdenkt, verschärft sich das Fachkräfte-Problem. Die Einführung von VÖ7 ist ein sozialpolitischer Rückschritt: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird erschwert. Dies zwingt viele Frauen zurück in traditionelle Rollenbilder.“
Einen Weg zurück in die Ganztagesbetreuung, fürchtet der Elternbeirat, werde es wohl kaum geben. In Tübingen sei sie bereits fast komplett abgeschafft.