Künftiger Landtag in Stuttgart Stuttgarterin bekommt einen der letzten zehn SPD-Plätze: „Habe echt geackert“

, aktualisiert am 09.03.2026 - 16:36 Uhr
In ihrem Wahlkreis Stuttgart IV bekam Katrin Steinhülb-Joos neun Prozent der Stimmen. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Trotz des desaströsen SPD-Ergebnisses schafft es Katrin Steinhülb-Joos wieder in den Landtag – als eine von nur noch zehn Sozialdemokraten. Wie schaut sie nun auf ihre Zukunft?

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Auch am Tag darauf ist Katrin Steinhülb-Joos noch geknickt. Die Stuttgarter SPD-Kandidatin hat es zwar knapp in den Landtag geschafft. Doch die SPD hat ein historisch schlechtes Ergebnis bei dieser Landtagswahl eingefahren: 5,5 Prozent. „Das Ganze ist schwer verdaulich“, sagt Steinhülb-Joos. Über ihr Ergebnis von 9 Prozent freue sie sich etwas, „das ist auch nicht der Burner, aber besser als der Schnitt“.

 

Bis 4 Uhr morgens war Steinhülb-Joos in der Nacht von Sonntag auf Montag wach. Zunächst war sie bei der Wahlparty der Landes-SPD im Haus der Abgeordneten, anschließend bei der Stuttgarter SPD im Bistro Einstein am Wilhelmsplatz. „Und dann habe ich mir noch lange verschiedene Statistiken angeschaut“, sagt sie. Am Montag ging es ähnlich turbulent weiter: Telefonieren, Beitrag für die sozialen Netzwerke vorbereiten, dann zur Landesvorstandssitzung der SPD.

„Wir wurden zerrieben“, sagt SPD-Frau Steinhülb-Joos

Nur noch zehn Sitze haben die Sozialdemokraten künftig im baden-württembergischen Landtag, einen davon besetzt Katrin Steinhülb-Joos. Zwar hat in ihrem Wahlkreis Stuttgart IV (S-Ost und Neckarvororte) die Grünen-Kandidatin Petra Olschowski das Direktmandat geholt, doch Steinhülb-Joos stand auf der Landesliste der SPD auf Platz sechs und hat sich so weitere fünf Jahre im Landtag gesichert.

„Ich habe echt geackert“, sagte sie am Sonntagabend im Bistro Einstein über ihre bisherige Zeit als Abgeordnete. „Mein Mann hat mir immer den Rücken frei gehalten, ich habe alles gegeben.“

Bestürzt über das Ergebnis: die Stuttgarter SPD-Kandidatinnen Katrin Steinhülb-Joos, Hanna Binder, Laura Streitbürger und Sara Dahme (v.li.). Foto: Julia Bosch

„Ich schaue jetzt nach vorne, wir müssen die ganze Situation schonungslos aufarbeiten“, sagt sie. Zugleich betont sie, dass sie das schlechte Wahlergebnis der SPD vor allem darin begründet sieht, dass so viele Menschen, wahlweise Manuel Hagel oder Cem Özdemir verhindern wollten. „Wir wurden zerrieben und müssen nun neu starten.“

Für „nicht einfach“ hält sie die künftige Arbeit in der Opposition: Die SPD sitzt dort mit zehn Sitzen der AfD mit 35 Sitzen gegenüber. Und auch auf die Person Cem Özdemir schaut sie kritisch – nicht nur, weil er sich immer wieder von den Grünen im Bund distanziert: „Bei Themen wie Migration oder dem Verbrenner-Aus ist er nahe bei der CDU.“ Zudem habe sie den Eindruck, dass er oft mit dem Finger auf andere zeige.

Die Cannstatterin hatte es 2021 erstmals in den Landtag geschafft. Das Herzensthema der ehemaligen Schulleiterin und Lehrerin ist Bildung: „Dafür werde ich mich weiterhin mit allem einsetzen, was mir möglich ist.“ Die momentane Situation finde sie „nicht akzeptabel“, etwa dass die Ganztagsschule so lange verschlafen worden sei: „An Bildung hängt auch Wirtschaft.“ So könnten Eltern nicht mehr arbeiten, wenn ihre Kinder nicht gut betreut würden. Zudem kritisiert sie die hohen Zahlen von Schulabgängern ohne Abschluss, jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz und Jugendarbeitslosen.

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