Um die Klassiker zu verstehen, greifen Schülerinnen und Schüler nicht nur auf Lektüreschlüssel zurück, sondern auch auf KI. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth
Künstliche Intelligenz kann Lehrkräften bei der Unterrichtsvorbereitung und Schülern beim Lernen für Klausuren helfen. Doch wie genau geht das? Wir haben nachgefragt.
Das Königin-Charlotte-Gymnasium (KCG) versteht sich als KI-Pilotschule und hat sich bereits umfassend mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinandergesetzt. An der Schule in Stuttgart-Möhringen haben mittlerweile viele Eltern, fast alle Lehrkräfte sowie die Schülerschaft ab der 8. Klasse Schulungen erhalten. Darauf aufbauend haben alle Lehrenden und Lernenden ab der Mittelstufe Zugang zu der Plattform Fobizz, die verschiedene KI-Anwendungen zur Verfügung stellt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Theresa Schopper haben sich vor Kurzem mit der Schule zum Thema KI ausgetauscht. Wir haben am Rande des Termins Lehrkräfte und Jugendliche gefragt, wie sie KI ganz konkret im Alltag nutzen.
Ann-Kathrin Räuchle unterrichtet Deutsch und Englisch und nutzt KI unter anderem für ihre Unterrichtsvorbereitung. Neulich habe sie in Englisch einen Text aus der „New York Times“ behandeln wollen. Doch der war noch zu schwierig für ihre Klasse. Also habe sie ihn mit Hilfe der KI sprachlich vereinfacht, ohne den Inhalt zu verändern. Zudem habe die KI eine Liste mit potenziell unbekannten Wörtern erstellt. Auf dieser standen nicht nur die Vokabeln, sondern jeweils auch eine Definition, das deutsche Wort und ein Beispielsatz. In einem weiteren Schritt könne sie sich von der KI zu diesen Vokabeln einen Test entwickeln lassen. Die Schülerinnen und Schüler hätten die Möglichkeit, mit Hilfe der KI die Wörter zu üben, indem sie sich von ihrem Computer verschiedene Aufgaben dazu erstellen lassen.
Sophia Lüchert nutzt KI für die Vorbereitung auf Klausuren. Foto: Alexandra Kratz
Sophia Lüchert ist Elftklässlerin und nutzt Künstliche Intelligenz, um sich auf Klausuren vorzubereiten, zum Beispiel auf das Schreiben eines Aufsatzes. Im Unterricht oder als Hausaufgabe sind in aller Regel Probeaufsätze zu verfassen. „Aber die Lehrkraft kann es nicht leisten, immer jedem ein umfassendes Feedback zu geben“, sagt sie. Darum gibt sie ihren Text bei der KI ab. Diese braucht natürlich viele Hintergrundinformationen, mit denen sie in Form von sogenannten Prompts gefüttert wird. Diese müssen zum Beispiel die konkrete Aufgabenstellung und den Erwartungshorizont enthalten, also nach welchen Kriterien der Aufsatz zu verfassen ist und bewertet werden soll. Die KI findet dann nicht nur sämtliche Rechtschreib- und Grammatikfehler, sie kann auch auf inhaltliche Lücken und Mängel im Ausdruck hinweisen. „Die KI analysiert meine Stärken und Schwächen schneller und individueller“, sagt Sophia Lüchert.
Wenn gewünscht, schreibt die KI auch einen Teil des Aufsatzes um und erklärt dann die Unterschiede. Zudem macht die Künstliche Intelligenz Vorschläge, was der oder die Lernende tun kann, um sich selbst zu verbessern. Sich so auf eine Klassenarbeit vorzubereiten, ist aufwendig und braucht oft mehr Zeit, als nur die eigenen Mitschriften noch einmal durchzugehen. Aber die Vorbereitung mit KI lohne sich, ist Sophia Lüchert überzeugt und ergänzt: „Ich schreibe jetzt auch viel motivierter meine Probeaufsätze.“
Philipp Kögel lernt in seiner Freizeit Norwegisch mit Hilfe von KI. Foto: Alexandra Kratz
Philipp Kögel ist in der siebten Klasse und hat daher noch keine KI-Schulung am KCG erhalten. „Ich freue mich jetzt schon auf die Fortbildung“, sagt er. KI nutzt er bereits. „Ich habe zum Beispiel angefangen, Norwegisch mit Hilfe von KI zu lernen“, sagt er. Dabei habe er große Fortschritte gemacht. Die KI helfe ihm, schnell einen umfangreichen Wortschatz aufzubauen. Denn sie frage nicht nur Vokabeln ab, sondern liefere auch Umschreibungen, Synonyme und Antonyme. Genau das brauchen die Schülerinnen und Schüler auch für Vokabeltests in Englisch, Französisch oder auch Italienisch.
KI kann die Lehrkraft nicht ersetzen
Sophia Lüchert und Philipp Kögel glauben nicht, dass die KI künftig die Lehrkraft ersetzt. „Herkömmliche Lehr- und Lernmethoden müssen mit KI verbunden werden“, findet Sophia Lüchert und ist froh, dass ihre Schule sie auf das Thema Künstliche Intelligenz vorbereitet. Das sieht Ann-Kathrin Räuchle genauso. Besonders wichtig ist ihr aber, dass die KI keine Noten gibt. „Klausuren korrigiere ich natürlich selbst.“ Und daran werde sich auch nichts ändern, betont die Lehrerin.
Lisa Götz unterrichtet neben Deutsch auch Gemeinschaftskunde sowie das Fach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ und sagt: „Wir nutzen KI nicht nur im Schulalltag. Wir beschäftigen uns auch damit, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz auf Politik, Wirtschaft und die Gesellschaft hat.“ Es sei wichtig, das Thema ganzheitlich zu betrachten. Die Schule habe dafür ein eigenes Curriculum für das Fach Gemeinschaftskunde in den Klassenstufen 9 und 10 erarbeitet.