Kunst in Kornwestheim Wahrheit und Täuschung

Künstler und Werk Foto: Simon Granville

Ein großformatiges Bild ist der Star einer Ausstellung mit Werken von Ruprecht von Kaufmann im Kornwestheimer Kleihues-Bau. An diesem Freitag ist Vernissage.

„Die Wand schreit förmlich nach einer großen Arbeit“, erklärt der Künstler Ruprecht von Kaufmann auf dem Rundgang durch seine Kornwestheimer Werkschau. Folgerichtig beginnt er seine Erklärungen beim Bild „Der Gesang der Sirenen“ und nicht beim titelgebenden „Letzten Akt“ , das sofort beim Betreten des Raumes ins Auge fällt.

 

Erstellt wurde „Der Gesang“ in Kornwestheim aus sechs Holzpaneelen, die vor Ort zusammengesetzt wurden und bei denen einige Fugen zwischen den Bildteilen integraler Bestandteil der Gesamtkomposition sind. „Man hätte sonst einen Schwertransporter gebraucht, um das Bild hierherzuschaffen“, so der Künstler. Außerdem hat er im Vorfeld zwar Figuren aus den großen Bildern auf einem DIN-A-4-Skizzenblock skizziert. „Aber auf dem großen Bild sieht es dann wieder anders aus.“

Der Mythos von Odysseus

Im „Gesang der Sirenen“ greift von Kaufmann den Mythos von Odysseus auf. Im Bild gibt es eine bildliche Darstellung von Odysseus als altem und eine als jungem Mann. „Ruprecht von Kaufmann erzählt oft Bildergeschichten“, hatte Saskia Dams einführend erklärt. Die Figuren tauchten mehrfach im Tableau auf, so die Museumsleiterin.

Ein weiteres immer wiederkehrendes Motiv in Kaufmanns Kunstwerken ist die Wahrheit und Täuschung. Der gebürtige Münchner, der in den USA studiert und danach lange dort gelebt hat, vergleicht die Sirenen, die dem jungen Odysseus Verführerisches ins Ohr flüstern, mit den Versprechungen heutiger Populisten. Maltechnisch geht es bei ihm ebenfalls gleichfalls um dieses Thema: „Stellen, die abgekratzt wurden, sind in Wirklichkeit draufgespachtelt und umgekehrt“. Der Künstler verwendet sehr gern Linoleum als Grundierung seiner Bilder: „Anders als bei weißem Papier empfindet der Betrachter dabei unbearbeitete Stellen nicht als leer.“ Alle Bilder sprechen den Betrachter schon beim ersten Blick mit ihren großen Figuren und Motiven an. „Aber es lohnt sich sehr, genau hinzuschauen“, erläuterte Saskia Dams.

Anders als man vermuten könnte, entstehen von Kaufmanns Bilder nicht in einem stillgelegten Backstein-Fabrikgebäude. „Ich habe mein Atelier im Berliner Südwesten in einem Wohngebiet mit Fertighäusern“, verriet der Künstler. Einst hätten Leute dort einfach ein Stück Land kaufen und mit einem Haus quasi aus dem Katalog bebauen lassen können: „Da gibt es Häuser, die sehen aus wie mittelalterliche Burgen.“ Da habe es schon lustige Erlebnisse gegeben, wenn Kunstbegeisterte ihn in seinem Atelier hätten besuchen wollen und ein paarmal an seinem Haus vorbeigefahren seien, weil es so gar nicht nach Atelier aussah, so der Maler.

Reich bebilderter Katalog

Pünktlich zu Ausstellungsbeginn ist der Katalog dazu erschienen. Die Volontärin Sümeyye Tarhan widmet dem „Gesang der Sirenen“ darin einen speziellen Artikel. Außerdem ist der reich bebilderte Katalog eine schöne Nachbereitung für all die, die diese sehenswerte Ausstellung zu Hause im Großbild oder auch im Detail Revue passieren lassen wollen.

Die Vernissage, bei der der Künstler persönlich anwesend sein wird, findet an diesem Freitag, 23. Mai, 19 Uhr in der Galerie im Kleihues-Bau statt.

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