Immobiliendeal in Fellbach Der Tower-Kauf ist offenbar noch gar nicht sicher

Visionäre Architektur, aber nach wie vor unvollendet: Der Fellbacher Schwabenlandtower bewegt die Gemüter. Foto: Gottfried Stoppel

In Fellbach wird der Immobilienunternehmer Joachim Ebner seit Wochen als Retter des Schwabenlandtowers gefeiert. Doch die Unterschrift steht offenbar noch aus.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Seit Wochen wird der Immobilien-Unternehmer Joachim Ebner in Fellbach als „Retter des Schwabenlandtowers“ gefeiert. Nach Jahren des Stillstands scheint es endlich Hoffnung auf eine Fertigstellung der 107 Meter Pleite-Ruine zu geben, im Rathaus wird die Übernahme des unvollendeten Betonskeletts bereits als Befreiungsschlag im Kampf gegen die Wohnungsnot gewertet.

 

Und auch der aus dem Teilort Oeffingen stammende neue Investor gefällt sich in der Rolle des über den Tellerrand hinausblickenden Ideengebers. „Der Tower wäre ein echtes Leuchtturmprojekt“, hat Joachim Ebner im Gespräch mit unserer Redaktion gesagt und von der visionären Architektur des 34-stöckigen Wohnturms geschwärmt.

Die Werbebanner mit dem Ebner-Logo waren möglicherweise verfrüht

Aus Sicht des 65-jährigen Unternehmers wäre eine Fertigstellung des Schwabenlandtowers nicht nur ein Glücksfall für Fellbach, sondern auch ein Highlight der in anderthalb Jahren startenden internationalen Bauaustellung IBA’27 in der Region Stuttgart – mit weltweiter Strahlkraft und einer entsprechend großen Aufmerksamkeit in der Immobilienbranche.

Ist Joachim Ebner bereits Tower-Besitzer? Laut der Adler Group ist noch keine Entscheidung gefallen. Foto: Dirk Herrmann

Ob aus dem Fellbacher Skandal-Hochhaus in nur 18 Monaten tatsächlich ein Publikumsmagnet werden kann, scheint allerdings noch ungewiss. Denn so kühn die Gedankenspiele um den 107 Meter hohen Wohnturm auch sein mögen, wirklich belastbar sind sie bisher offenbar nicht – weil es zumindest aktuell keinerlei Kaufvertrag für die Pleite-Immobilie unterm Kappelberg zu geben scheint.

Das zumindest legt eine aktuelle Verlautbarung der Berliner Adler Group nahe, in der sich der Schwabenlandtower nach wie vor auf der Liste der firmeninternen Ladenhüter befindet. Neben Projekten wie dem Holsten-Quartier in Hamburg, „The Wilhelm“ in Berlin, den vom Stahlwerk zum Wohnprojekt umgewidmeten Benrather Gärten in Düsseldorf und Offenbach Kaiserlei befindet sich offenbar auch der Verkauf des Fellbacher Wohnturm noch auf Verhandlungsniveau.

Unter Dach und Fach jedenfalls scheint der Immobiliendeal nach wie vor nicht zu sein. Zwar vermeldet die Adler-Group, dass sich die Gespräche mit potenziellen Investoren „in einem fortgeschrittenen Stadium“ befinden würden. Eine Entscheidung über den Verkauf aber ist bisher offenbar bei keinem der fünf genannten Projekte gefallen.

Das deckt sich mit Informationen eines Branchendiensts, der jüngst vermelden konnte, dass es bei der Schrumpfkur des in finanziellen Turbulenzen stecken Immo-Imperiums erste Erfolgsmeldungen gibt. Die Adler Group habe sich von mehreren Altlasten trennen können und sei dem Ziel, bis Ende 2026 alle Projekte abzustoßen, einen Schritt näher gekommen.

Immobilienunternehmer Joachim Ebner mit seiner Tochter Nicole. Foto: Eva Herschmann

„In Köln wurden Cologne-Apart und Cologneo III verkauft, notariell beglaubigt sind Verkäufe von Eurohaus in Frankfurt und UpperNord Tower/Office sowie Grand Central in Düsseldorf“, heißt es in der Mitteilung. Für die weiteren Projekte vom Holsten-Quartier bis zum Schwabenlandtower sei den Interessenten zumindest Exklusivität zugesichert worden – auch wenn die Unterschrift unter die Kaufverträge noch aussteht.

Die Adler Group hatte sich auf Nachfrage unserer Redaktion nicht zum Stand der Dinge beim Fellbacher Wohnturm geäußert. Auch Joachim Ebner war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Allerdings hat schon die Vergangenheit gezeigt, dass der Stillstand beim Bauprojekt am Rand der Schorndorfer Straße für das Berliner Immo-Imperium keine besonders große Priorität genießt.

Der Hintergrund: Im Vergleich mit den aberwitzigen Beträgen, mit denen bei Adler normalerweise hantiert wird, fällt der Invest in die Fellbacher Rohbau-Ruine fast schon bescheiden aus. Der Tower ist, wenn man so will, zu klein, um für das Unternehmen wirklich wichtig zu sein.

Das mag ein Blick auf die aktuellen Zahlen des Konzerns verdeutlichen: Allein weil das Adler-Projektportfolio weniger stark abgewertet worden ist als im Vorjahr konnte die rote Zahlen schreibende Firmengruppe ihren Verlust im ersten Halbjahr drücken – von 507 auf 381 Millionen Euro.

Mit konkreten Informationen geizte „Tower-Retter“ Joachim Ebner bisher

Ein bereits vor Jahren auf Baukosten von gut 60 Millionen Euro geschätztes und nach der Insolvenz der Warbanoffs von hohen Wertverlusten betroffenes Projekt in der schwäbischen Provinz fällt bei diesen Summen nicht wirklich ins Gewicht.

Selbst nach dem Verkauf ihres Portfolios in Nordrhein-Westfalen hat die Adler Group einen Wohnungsbestand von 17 772 Einheiten, fast alle in Berlin, die durchschnittlich zu 8,45 Euro pro Quadratmeter vermietet sind und mit einem Wert von 3,5 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

Das könnte ein Fingerzeig sein, weshalb es dem Berliner Immo-Konzern mit dem Verkauf des Fellbacher Pleiten-Projekts offenbar nicht sonderlich eilig war – und erklären, weshalb Möchtegern-Investor Joachim Ebner bisher zwar viel über seine Ideen vom Pflegeheim über Werkswohnungen bis zur Roof-Top-Bar sprach, aber mit konkreten Informationen eher geizte.

Von einer Kehrtwende beim Schwabenlandtower kann zwar nach jetzigem Stand nicht die Rede sein. Doch solange die Unterschrift unter die Kaufverträge fehlt, könnte eine Übernahme auch noch scheitern. Der Schritt des lokalen Immobilienunternehmers, am Bauzaun der Hochhaus-Baustelle bereits Werbebanner mit seinem Firmenlogo aufhängen zu lassen, wirkt vor diesem Hintergrund jedenfalls ebenso verfrüht wie Euphorie über die vermeintliche Rettung des Fellbacher Sorgenkinds.

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