Kurztrip in die Türkei 48 Stunden in Kappadokien
Eine Landschaft wie im Märchen, nur etwas mehr als eine Stunde von Istanbul entfernt. Warum nicht den Türkei-Urlaub verlängern und einen Abstecher nach Zentralanatolien machen?
Eine Landschaft wie im Märchen, nur etwas mehr als eine Stunde von Istanbul entfernt. Warum nicht den Türkei-Urlaub verlängern und einen Abstecher nach Zentralanatolien machen?
Kayseri, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, ist das Tor nach Kappadokien. Vom Flughafen braucht man noch etwa eine Stunde mit dem Auto in die Berge. Den Transfer am besten vorab online buchen, zum Beispiel bei Booking, w ww.booking.com .
Duran Özdemir interpretiert die anatolische und kappadokische Küche modern und kombiniert dabei fast vergessene Rezepte mit zeitgemäßen Techniken. Unter seiner Leitung wurde das Restaurant Revithia (deutsch: Kichererbse) in Ürgüp 2026 als erstes und bisher einziges Restaurant in Kappadokien mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Özdemir verwendet nur Zutaten, die aus der Umgebung kommen – auch wenn diese selbst auferlegte Einschränkung manchmal schwerfällt: „Olivenöl vermisse ich schon“, sagt der 46-Jährige und lacht. Das 8-Gänge-Menü kostet 5950 Lira (ca. 112 Euro), 5-Gänge-Menü 4950 Lira (ca. 94 Euro), www.kayakapi.com/revithia/ .
Göreme im Herzen des gleichnamigen Nationalparks ist ein touristischer Hotspot mit vielen Bars und noch mehr Souvenirshops. Seine wahre Schönheit präsentiert der Jahrtausende alte Ort beim Blick von der Halbhöhenlage: Felsenkegel aus Tuffstein lugen aus dem sandfarbenen Häusermeer hervor. Wohnungen wurden teils in den Fels gegraben, teils angebaut. Die Architektur ist aberwitzig: hier ein Balkon und da ein Erker, ein verschachteltes Gewirr aus Mauern. Seit den 1960er Jahren wurde die Bevölkerung aus den Jahrhunderte alte Kavernen in Neubauten umgesiedelt, und die alten Behausungen verfielen, bis sie von Touristikern wiederentdeckt wurden. Nun gibt es zahlreiche Höhlenhotels, zum Beispiel das Kelebek Cave Hotel, www.kelebekhotel.com/en .
Früher lebten die Menschen in Kappadokien mehr schlecht als recht vom Ackerbau, der auf dem kargen Boden beschwerlich war. Seit die Unesco im Jahr 1985 die Gegend zum Weltnatur- und Weltkulturerbe erklärte, strömen die Touristen. Inzwischen zieht Kappadokien rund 4 Millionen Besucher im Jahr an. Die meisten kommen wegen einer Besonderheit, die sie in den Sozialen Medien gesehen haben: Jeden Morgen bei Sonnenaufgang steigen in Göreme Hunderte Heißluftballons zeitgleich auf und malen bunte Tupfen in den rosafarbenen Himmel. Das Spektakel findet das ganze Jahr über statt – sofern das Wetter mitspielt. Unbedingt frühaufstehen und das lautlose Schauspiel bestaunen! https://goturkiye.com/de-de . Danach geht’s beseelt zum Frühstück.
Kein Ort für Menschen mit ausgeprägter Platzangst: Die Gänge der unterirdischen Stadt Kaymaklı sind zum Teil sehr schmal und niedrig. Doch wer sich überwindet entdeckt ein erstaunlich clever angelegtes labyrinthartiges Gewirr aus Tunneln und Kammern, das sich über zehn Etagen tief ins Gestein frisst. Die Metropole unter der Erde wurde ab dem dritten Jahrhundert vor Christus von den Hethitern angelegt und immer weiter ausgebaut. Sie diente als Zufluchtsort für frühe Christen und schützte die Bewohner vor Angriffen der Araber oder Perser. Aus weichem Tuffstein geschlagen bot die Stadt zu ihren besten Zeiten Platz für etwa 3500 Menschen – inklusive Stallungen, Kirchen, Vorratskammern, Küchen, Schlafräumen, Weinkellern, alles durchzogen von Belüftungsschächten. Ein Ingenieurswunder der Antike; www.turkishmuseums.com.
Wie bei einer anatolischen Mama schmeckt es bei Tik Tik Kadin Emegi in Ürgüp. Und das liegt daran, dass hier anatolische Mamas kochen. 18 Frauen gehören zu der Kooperative und wechseln sich in der winzig kleinen Küche ab. Hausmannskost vom Feinsten und zu günstigen Preisen, die Portion Manti (türkische Maultaschen) kostet 3,80 Euro. Unbedingt reservieren! https://tiktik.org.tr/ .
Die Felsenstadt Petra in Jordanien ist weltbekannt. Ähnlich, aber noch ein Geheimtipp: das Freilichtmuseum von Göreme. Die weitläufige Anlage gilt als bedeutender Ort des frühen Christentums. Der Komplex umfasst über 30 Kirchen, Kapellen und Klöster aus dem 10. bis 13. Jahrhundert, die aus dem Vulkangestein gehauen wurden. Höhepunkt des Museums ist die „Dunkle Kirche“ mit ihren einzigartigen Deckengemälden aus dem elften Jahrhundert im byzantinischen Stil. Hier thront Christus Pantokrator, der Allherrscher, umgeben von den Aposteln. Die Farben sind tausend Jahre alt und leuchten noch immer. Erstaunlich, denn die Anlage ist lange in Vergessenheit geraten und wurde als riesiger Taubenschlag verwendet; www.turkishmuseums.com.
Wie ein riesiger Termitenhügel aus Stein sticht eine Felsenburg aus dem kleinen Ort Uçhisar hervor. Die Festung thront auf einem Tuffsteinfelsen, mit etwa 1330 Metern der höchste Punkt Kappadokiens, und diente als Verteidigungspunkt und Beobachtungsposten. Von hier genießt man eine herrliche Aussicht. Der Rundumblick reicht bis nach Göreme und die umliegenden Täler, die Städte Ürgüp, Avanos und Ortahisar mit einer weiteren markanten Felsenburg sind ebenfalls zu erkennen. Geöffnet von 7 bis 20 Uhr, Eintritt 6 Euro, www.uchisar.bel.tr/ .
Nur einen kurzen Fußweg entfernt liegt das Hotel Argos. Der zur Nobelherberge umgebaute Komplex alter Steinhöhlen verfügt über mehrere Lokale in unterschiedlichen Preisklassen. Im Fine-Dining-Restaurant Seki werden regionale Spezialitäten in einem gemütlichen Steingewölbe serviert. Aus den großen Panoramascheiben geht der Blick ins Taubental, auf die Festung Tıraz und den Berg Erciyes, www.argosincappadocia.com/en/dine-wine/seki .
Ausschlafen gibt’s nicht im Land der schönen Pferde. Das ist die Übersetzung von Kappadokien, abgeleitet vom persischen Wort „Katpatuka“. Um die Heißluftballons aus einer anderen Perspektive zu genießen empfiehlt sich ein Ausritt. 1,5 Stunden kosten 50 Euro, Abholung vom Hotel inklusive, www.cappadociahorseriding.com .
Nach dem Frühstück im Hotel folgt frisch gestärkt ein Ausflug ins Paşabağı-Tal, auch Tal der Mönche genannt. Der Landstrich ist bekannt für seine charakteristischen Feenkamine. So nennt man in Kappadokien die einzigartigen Felsformationen. Im Paşabağı-Tal hat die Laune der Natur besonders schöne Exemplare hervorgebracht. Highlight des Parks ist eine Kapelle, die dem Heiligen Simeon geweiht ist; https://muze.gov.tr .
Kappadokien ist weltbekannt für handgeknüpfte, hochwertige Teppiche. Und obwohl es inzwischen Maschinen gibt, wird die Jahrhunderte alte Kunst hier noch immer praktiziert. Wie man Fäden aus Wolle oder Seide zu begehbaren Gemälden verknotet, kann man bei der Firma Çınar in Avanos erleben. Dort ist auch ein wahres Meisterstück ausgestellt: der größte Teppich der Welt, der mit dem anspruchsvollen doppelten Knoten aus reiner Seide gefertigt wurde. Er ist 102 Quadratmeter groß und 350 Kilogramm schwer. Um ihn 2010 aus der Werkstatt in den Showroom zu transportieren musste eine Wand geöffnet werden. „15 Knüpfer haben fast vier Jahre lang daran gearbeitet“, sagt Nuray Gözel, die Nichte des Firmenchefs. www.facebook.com/cinarhalicilik/
Galip Körükçü verwandelt Erde in Kunstwerke. Er ist Töpfer in der sechsten Generation und arbeitet traditionell an einer Fußdrehscheibe. Mit sieben Jahren half er seinem Vater zum ersten Mal in der Werkstatt. Heute führt der 73-Jährige einen Betrieb mit rund 25 Angestellten und ist weit über die Grenzen Anatoliens hinaus berühmt. Sein Heimatort Avanos gilt als Töpfer-Hauptstadt der Türkei. Hier fließt der Kızılırmak – der „rote Fluss“ führt mineralreichen Lehm und Schlamm mit sich, der sich ideal für die Keramikherstellung eignet. Dieser eisenoxidhaltige Ton verleiht den Töpfen, Vasen oder Krügen ihre charakteristische rotbraune Farbe. Meister Galips Trick: die rote Erde vom Flussufer mit grünlicher Erde aus den Bergen mischen. Dann wird’s besonders stabil. Er lässt einen Tontopf aus Brusthöhe auf den Boden fallen: „Sehen Sie? Bleibt heil!“ https://chezgalip.com
Schon mal was von Emir gehört? Das ist eine autochthone Traubenart, die nur auf den vulkanischen Böden Kappadokiens gedeiht und einen ausdrucksstarken Weißwein ergibt. In Ürgüp keltert das Familienunternehmen Turasan seit 1943. Es war das erste privat gegründete Weingut der Region. Besucher sind jederzeit willkommen und können probieren. Das Tasting kostet 8 Euro, eine Kellerführung 6 Euro pro Person, www.instagram.com/turasanwines/.
Letzter Stopp auf dem Weg zum Flughafen ist Mustafapaşa. Das bildschöne Dorf wurde durch die türkische Serie „Asmalı Konak“ berühmt, die hier gedreht wurde. Bei einem kleinen Spaziergang gibt es 200 Jahre alte Villen zu bewundern. Sie wurden von wohlhabenden Kaufleuten erbaut, die in Istanbul das Monopol auf den Fisch- und Kaviarhandel hielten. Dann gibt es ein spätes Mittagessen bei Gorgoli, einem modern eingerichteten Restaurant in der charmanten Universitätsstadt. Hier werden lokale Spezialitäten serviert wie Testi Kebab. Ein Eintopf mit Lammfleisch und Gemüse, stundenlang gegart bei niedriger Hitze in einem speziellen mit Brotteig verschlossenen Tontopf, bis alles butterzart ist, https://gorgoli.com/home/ .
Hoşça kalın – Auf Wiedersehen!