Land hat noch keinen Pächter Gastro am Kunstgebäude wird zur EM nicht fertig

Alles leer: Auf dieser Fläche sollte die Außenbewirtung der neuen Gastro vor dem Kunstgebäude sein. Doch bis zur Fußball-EM klappt es nicht. Foto: /ubo

Als das Kunstgebäude im April nach dreijähriger Sanierung eröffnet wurde, war die Hoffnung groß, man könne zur EM an diesem Ort eine Pop-up-Gastronomie betreiben. Dass dies nicht klappt, sagt MdL Friedrich Haag (FDP), liege an der „Trägheit des Landes“.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Die Gastronomie im Kunstgebäude hat eine lange Tradition. Bereits zur Eröffnung vor 110 Jahren beherbergte das nach den Plänen von Theodor Fischer erbaute Domizil der Stuttgarter Kunst nicht nur Ausstellungsräume, sondern auch ein Restaurant und eine Kegelbahn. Große Feierlichkeiten wie die „berühmten Künstler- und Faschingsfeste“sind hier gefeiert worden.

 

Doch dann zerstörte der Krieg das Gebäude, von dem nur der goldene Hirsch und die Kuppel, auf der er steht, erhalten blieben. Nach dem Wiederaufbau gab es zunächst nur Ausstellungsflächen im Altbau. Später unterhielt der vor 125 Jahren gegründete Künstlerbund, der im Kunstgebäude beheimatet ist, im ersten Stock ein Café, das vor allem im Sommer mit seinen Außenplätzen unter den Arkaden die Menschen anlockte. Bisher musste man zum gastronomischen Innenleben des Kunstgebäudes eine Treppe hochgehen. Dies wird sich künftig ändern. Die neue Gastronomie befindet sich nämlich im Erdgeschoss des Stauffenbergflügels mit Außenbereich entlang der Stauffenbergstraße.

Beim Neustart des Kunstgebäudes nach dreijähriger Sanierung im April war schon klar, dass die neue Gastronomie bis zur Fußball-EM nicht komplett fertig wird. Die Verantwortlichen stellten deshalb einen Betrieb in abgespeckter Form in Aussicht, eine Art Pop-up-Gastro. Denn die Lage ist optimal. Nur wenige Meter entfernt befindet sich die Fanzone der Uefa Euro auf dem Schlossplatz. Fußballfans sind bekanntlich durstig.

Wie das Finanzministerium auf die Kritik reagiert

„Es ist Fakt, dass es zur EM keinen Gastronomiebetrieb im Kunstgebäude geben wird“, teilt nun Sebastian Engelmann, Sprecher des Finanzministeriums, unserer Redaktion mit. MdL Friedrich Haag (FDP) übt deshalb scharfe Kritik. „Die Chance, in dieser perfekten Lage an der Fanzone Touristen und Fußballs anzulocken, hat die Landesregierung dem künftigen Pächter durch ihre Trägheit leider verbaut“, sagt er. Auf seine Landtagsanfrage teilt Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne) mit, dass bei der Behörde Vermögen und Bau acht Bewerbungen eingegangen sind. Offensichtlich ist noch keine Entscheidung gefallen, wer das Rennen macht.

Dass zur Zeit noch nicht einmal planbar sei, bis wann ein neuer Pächter feststehe, sei „mehr als enttäuschend“, erklärt Haag. Wenn die Landesregierung so weitermache, werde die Stadt mit dem Kunstgebäude ein „Grand Café Planie 2.0“ erhalten, wo es auch sehr lang gedauert hat, bis es losgehen kann.

„Wir haben einen regulären Betrieb zur EM zu keinem Zeitpunkt in Aussicht gestellt“, erklärt Ministeriumssprecher Engelmann. Es war allerdings von einem Pop-up-Betrieb die Rede. „Momentan läuft die Pächtersuche, es werden Auswahlgespräche geführt“, sagt er. Die aktuelle Lage in der Gastronomiebranche zeige deutlich, „wie die veränderten Rahmenbedingungen einen erfolgreichen und wirtschaftlichen Betrieb erschweren“. Dabei denkt er unter anderem an „Personalmangel und gestiegene Preise für Lebensmittel“. Um langfristig eine funktionierende und erfolgreiche Gastronomie im Kunstgebäude zu haben, sei große Sorgfalt geboten. „Zudem ist derzeit noch unklar, wie rasch ein potenzieller Pächter mit dem Betrieb starten kann, da Eigenleistungen zum Innenausbau sowie ein Vorlauf für einen erfolgreichen Gastronomiebetrieb erforderlich sind“, sagt Engelmann. Mit der Eröffnung sei „in nächsten Monaten“ zu rechnen.

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