Landesbausparkasse Süd LBS-Vorstand geht nach Differenzen vorzeitig

Ergebnis von Fusionen: die Landesbausparkasse Süd Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Der abrupte Abgang eines langjährigen Managers beschäftigt bei der Landesbausparkasse Süd die Gemüter. Offizieller Grund: „unterschiedliche Ansichten zur weiteren Zusammenarbeit“.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

In der Welt der Landesbausparkassen (LBS) war Jörg Leitolf seit langem eine feste Größe. Fast drei Jahrzehnte diente er in verschiedenen Führungsfunktionen, zuletzt seit 2023 als Vorstand der aus LBS Südwest und LBS Bayern fusionierten Landesbausparkasse Süd. Als die LBS-Gruppe im Sommer bei der Kundenansprache vom Sie zum Du wechselte („Wir geben deiner Zukunft ein Zuhause“), durfte auch Leitolf das begründen: Man gebe dem „weiterhin starken Markenversprechen“ damit „eine zeitgemäße Tonalität“. Noch vor zwei Monaten war der promovierte Manager dabei, als mit einem großen Treffen auf der Landesmesse das Vertriebsjahr 2025 gestartet wurde. Tagsüber wurde laut einem Linked-in-Eintrag unter anderem das neue Tarifwerk präsentiert, abends dann „die Tanzfläche zum Beben“ gebracht.

 

Doch das Vertriebsjahr 2025 wird ohne den bisherigen Vertriebsvorstand beginnen. Überraschend haben sich Leitolf und die LBS, wie jetzt bekannt wird, im November getrennt. „Mit sofortiger Wirkung“ verlasse er das Unternehmen vorzeitig, hieß es in einer internen Mitteilung. Wegen „unterschiedlicher Ansichten zur weiteren Zusammenarbeit“ gehe man einvernehmlich auseinander. Zum Abschied gab es noch einmal reichlich Lob für Leitolf: Man verdanke ihm „entscheidende Beiträge zur strategischen Ausrichtung, zum Markterfolg und der Marktführerschaft des Hauses“. Unterzeichnet hatten der baden-württembergische Sparkassenpräsident Matthias Neth als Chefaufseher und der Vorstandsvorsitzende Stefan Siebert.

Mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet

Ein Abgang im Streit und Knall auf Fall – das führte bei den 1500 Beschäftigten und den 800 Außendienstlern natürlich zu Irritationen. Was bloß war vorgefallen, dass der lange gemeinsame Weg so abrupt endete? Da die offizielle Erklärung mehr Fragen aufwarf als beantwortete, blühen seither die Spekulationen. Nähere Auskünfte gibt es weder von der LBS Süd noch von Leitolf selbst. Wie bei Aufhebungsverträgen üblich, teilt er auf Anfrage mit, habe man „Stillschweigen und Wohlverhalten/Loyalität vereinbart“.

Nur eines stellt eine LBS-Sprecherin klar: Mit einem Vorgang vom Jahresanfang habe die Trennung nichts zu tun. Damals wurden in einem anonymen Brief Vorwürfe gegen Leitolf erhoben, weil seine Ehefrau als freie Finanzberaterin im Außendienst für die LBS tätig sei. Ob das nicht zu Interessenkonflikten führe? Alle relevanten Vorgaben seien eingehalten worden, ergab die interne Überprüfung, man habe weder einen Interessenkonflikt noch einen Regelverstoß festgestellt. Wie bei „außergewöhnlichen Vorkommnissen“ üblich sei auch der Chef des Verwaltungsrates informiert worden. Anfang 2024 wechselte die Betriebswirtin nach fristgerechter Kündigung zu einem anderen Kreditinstitut, in eine Festanstellung. Sie habe die Chance genutzt, hieß es, ihre „langjährige Berufserfahrung aus verschiedenen Branchen“ in einem neuen Team einzubringen.

Auch andere Führungskraft schied aus

Ebenfalls Ende 2023 verließ eine andere Führungskraft die LBS Süd: der damalige Leiter des Bereichs Marktfolge und Kredit. Offiziell ging er einvernehmlich, um andere Aufgaben zu übernehmen. Über die näheren Hintergründe wird – wie aktuell bei Leitolf – bis heute gerätselt. Der Vertriebsvorstand war schon nicht mehr dabei, als sich alle Führungskräfte der LBS Süd dieser Tage zum ersten Mal seit der Fusion in Präsenz trafen. Auf der Tagesordnung stand unter anderem der „neue Führungskompass“, nach den Vorträgen gab es „Inforunden zu wichtigen Personalthemen“.

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